Die besondere Brisanz: Eine Woche nach der – auch ohne Happy End für die DBB-Frauen – grandiosen Frauen-Weltmeisterschaft kehrt der Bundesliga-Alltag in die Berliner Uber Arena zurück. Aber keine Angst: Allzu alltäglich wird das Eröffnungsspiel der 61. Spielzeit nicht werden, denn schließlich laufen die Albatrosse zum ersten Mal seit dem verrückten Gewinn des fünften Finalspiels in München vor drei Monaten in ihrer Heimarena auf. Im Rahmen einer „Trophy Night“ wird das Meisterbanner feierlich hochgezogen. Als erfahrene Spielverderber haben sich die NINERS Chemnitz angemeldet, die ALBA mit stets vielen mitgereisten Fans im Rücken schon in früheren Jahren große Schlachten im Ost-Derby geliefert haben. Zu ihrem letzten Gastspiel Anfang Mai reisten mehr als 1.000 Chemnitzer Fans sogar mit einem Sonderzug an und feierten damals einen 84:82-Sieg in der Hauptstadt.

Status quo: Fragt man in der Liga nach Trainern, die besonders großen Wert auf ausgeklügelte und aggressive Verteidigungen legen, fallen schnell die Namen von Pedro Calles und Rodrigo Pastore. Aber es dauert seine Zeit, bis die Spieler die Defensivstrategie ihres Trainers verinnerlicht haben. Pedro Calles hofft, dass dieser Prozess bei seinem in weiten Zügen zusammengebliebenen Meisterteam in dieser Saison etwas schneller vonstattengeht (hier geht es zur Saisonvorschau für ALBA). Rodrigo Pastore steht indes mit seinen zwölf neuen Profis aktuell vor einer besonders großen Aufgabe (hier geht es zur Saisonvorschau für die NINERS).
Duell im Fokus: Keinen Point Guard kennen die Berliner aus der vergangenen Saison so gut wie Cobe Williams, der 2025/26 in Liga, Playoffs und im Pokalfinale insgesamt achtmal mit Bamberg gegen ALBA spielte. In dieser Saison trägt der quirlige Spielmacher allerdings das Chemnitzer Trikot. Martin Hermannsson, Jack Kayil und natürlich auch Jonas Mattisseck, der sicher wieder die defensive Sonderaufgabe erhält, die Kreise des wieselflinken und korbgefährlichen US-Guards einzuengen, werden ihn trotzdem sofort wiedererkennen. An seiner Seite hat Cobe Williams drei Guards, die alle auch nicht zum ersten Mal in Berlin auflaufen: Phlandrous Fleming spielte 2024/25 mit Bonn sowie in der vergangenen Saison Stefan Smith mit Ludwigsburg und Yohan Choupas in der Champions League mit Chalon gegen ALBA.
Zahlen, bitte: Beide Teams spielten ihre letzten Testspiele gegen ausländische Gegner. ALBA unterlag bei einem Turnier in Spanien Baskonia Vitoria 99:101 (Brandon Angel 19 Punkte) und einen Tag später Monbus Obradoiro 86:105 (Joe Wieskamp 16 Punkte). Die NINERS luden Legia Warschau nach Chemnitz ein und schlugen den polnischen Meister zunächst vor leeren Rängen 92:87 (Phlandrous Fleming 22 Punkte). Zwei Tage später unterlagen sie Legia vor 2.000 Zuschauern 68:74 (Cobe Williams 17 Punkte). Beim ersten Pflichtspiel setzten sich die NINERS in der ersten Runde des Netto BBL Pokals am vergangenen Wochenende 77:70 beim Zweitligisten Gießen durch (Cobe Williams 24 und Stefan Smith 22 Punkte).
Die ewige Bilanz: Seit 2020 gab es in der ersten Liga und dem Pokal 18 Pflichtspiele zwischen diesen beiden Klubs, wobei Berlin 13 Partien gewann und Chemnitz fünf. Aber man sieht schon, dass diese Paarung ein Derby ist: In den letzten beiden Jahren gab es nur Auswärtssiege. ALBA siegte 103:81 und 89:85 in Chemnitz und die NINERS 81:78 und 84:82 in Berlin! Auch im Playoff-Halbfinale 2024 ging es hochdramatisch drunter und drüber: Chemnitz ging im Modus 2-2-1 ohne Heimvorteil 2:1 in Führung, ALBA glich im vierten Spiel in Chemnitz aus und zog im fünften Spiel den Kopf aus der Schlinge.
Im Blick des Bundestrainers: Während die Chemnitzer ihr Team bereits im August für das Training zusammen hatten, stießen in Berlin die Nationalspieler Malte Delow und Martin Hermannsson (Island) erst nach den Spielen der WM-Qualifikation zum Team. Malte Delow wurde im Sommer bei einer Online-Abstimmung von den Fans zum "Most Likeable Player" der vergangenen Saison gewählt. Der Nationalspieler erhält den "Pascal Roller Award" am Freitag im Rahmen des Eröffnungsspiels.

Kochs Nachschlag: Unser Kolumnist Stefan Koch hat sich damit beschäftigt, was uns für eine Saison erwartet. In der jüngeren Vergangenheit war die easyCredit BBL die Liga der Sieger aufgrund des WM- und EM-Titels, es gab die Jubiläumssaison „60 Jahre BBL“, zuletzt die Saison der Rückkehrer. Was kommt nun? Koch sieht eine Liga der Überraschungen – und hat dafür zahlreiche Gründe. Und natürlich hat sich unser Kolumnist vor der 61. BBL-Saison auch wieder aus dem Fenster gelehnt und prognostiziert, welche Clubs wie abschneiden werden: diese sechs Teams ordnet er im Mittelfeld und damit im Wettstreit um die Play-Ins ein, diese sechs Teams könnten seiner Meinung nach gegen den Abstieg kämpfen und diese sechs Spitzenteams sieht er direkt in den Playoffs.
Am Rande der Bande: ALBA BERLIN hat – noch ohne den gesuchten Center – aktuell fünf Import-Spieler im Aufgebot. Im Chemnitzer Kader finden sich hingegen bereits acht, weshalb Rodrigo Pastore in der easyCredit BBL jeweils zwei auf die Tribüne setzen muss. Im Pokalspiel am vergangenen Wochenende setzten die angeschlagenen Phlandrous Fleming (Knöchel) und Yohan Choupas (Knie) aus.
Bewegte Bilder: Die easyCredit Basketball Bundesliga startet in ihre 61. Spielzeit – und die Vorfreude ist groß:
Alte Bekannte: Elias Rödl ist nach vier Jahren an den US-Colleges Saint Anselm und Brandeis in seine Heimat zurückgekehrt. Am Freitag gibt der Sohn des früheren Nationalspielers und Bundestrainers Henrik Rödl, sein BBL-Debüt mit den NINERS Chemnitz ausgerechnet in Berlin, wo das Trikot seines Vaters unter der Hallendecke hängt. Papa Rödl kann diesen historischen Moment nur aus der Ferne (mitten in der Nacht ab zwei Uhr) verfolgen, weil er aktuell ein Team in Taiwan trainiert. Sein Basketball-Einmaleins lernte der in Berlin geborene Elias in Trier (wo sein Vater damals Trainer war), bevor er mit 14 in seine Heimatstadt zurückkehrte und fünf Jahre lang in der ALBA-Jugend groß wurde.
Was die Lokalpresse schreibt: Die Chemnitzer Freie Presse (Paywall) freut sich darüber, dass die NINERS nach 2023 (in Ulm) und 2024 (in München) schon zum dritten Mal die neue Spielzeit beim jeweils amtierenden Meister eröffnen darf. Allerdings vermeldet die Zeitung auch, dass der Gästeblock in der Uber Arena wohl nicht so voll werden wird wie bei früheren Gastspielen in Berlin: "Das Interesse an den Spielen der Niners steigert sich erst im Laufe einer Saison so richtig. Der harte Kern der Fans fährt immer, viele kommen aber erst später dazu, wenn sie die neue Mannschaft besser kennen." Auch aus anderen Gründen käme das Spiel in Berlin in diesem Jahr zu früh.
Was die KI meint (ChatGPT) – Warum haben die NINERS im Sommer ihr komplettes Team ausgewechselt? "Es war weniger „alle Spieler waren schlecht“ als vielmehr: Die alte Zusammenstellung hatte ihr Potenzial nicht mehr ausgeschöpft, mehrere Verträge/Optionen liefen aus, und Chemnitz nutzte die Gelegenheit für einen kompletten sportlichen Neustart."
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Freitag ab 19:45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Arne Malsch, es moderiert Anett Sattler. Zusätzlich gibt es die Partie live und free hier im SPORTBILD-Stream.
German Basketball is mad sexy: ... und unberechenbar. Der Berliner Meistertitel war sicher die größte Überraschung der vergangenen Saison, aber bei weitem nicht die einzige. Auch die neue Saison wird wieder einige Prognosen auf den Kopf stellen!

















