Was erwartet uns für eine Spielzeit in der easyCredit BBL? In der jüngeren Vergangenheit war sie die Liga der Sieger aufgrund des WM- und EM-Titels, es gab die Jubiläumssaison „60 Jahre BBL“, zuletzt die Saison der Rückkehrer. Was kommt nun? Es scheint vor allem eins sicher: Es wird wieder Überraschungen geben! Warum? Weil das in den vergangenen Jahren immer so war – in der Hauptrunde, dem Pokal, den Playoffs oder zuletzt auch wieder in den Finals.
Wenn sich Fans für eine Sportart, eine Liga oder ein einzelnes Event begeistern, spielt neben der Qualität der Leistungen häufig auch die zu erwartende Spannung eine wichtige Rolle. Unvorhersehbarkeit hilft, Tickets zu verkaufen. Letztendlich generieren Außenseitersiege und Favoritenstürze mehr emotionale Ausnahmezustände als eine Saison, in der alles wie erwartet verläuft. Während im Fußball der FC Bayern in den vergangenen 14 Spielzeiten 13-mal die Meisterschaft erringen konnte, haben wir im Basketball im gleichen Zeitraum zumindest vier verschiedene Titelträger erlebt. Zwar waren auch hier die Münchner mit fünf Meisterschaften am erfolgreichsten, aber die von vielen Experten befürchtete Dominanz durch den Einstieg dieser globalen Sportmarke in das Spiel unter den Körben ist ausgeblieben. Insbesondere in den Zwanzigerjahren war die Liga für Überraschungen auf verschiedensten Ebenen gut.
Die Überraschungstitelträger
Im Pokal ist es bekanntlich leichter als in der Meisterschaft, als Außenseiter den Titel einzuheimsen – wie wir in den vergangenen zwei Saisons eindrucksvoll erleben durften. 2025 setzte sich der gastgebende SYNTAINICS MBC mit einem sensationellen Halbfinalsieg gegen den FC Bayern Basketball und im Finale gegen Bamberg durch. Eigenen Angaben zufolge verfügten die Weißenfelser damals über den niedrigsten Etat aller Teams. Den hatten in der darauffolgenden Saison die BMA365 Bamberg Baskets, die den Pokal-Coup der Mitteldeutschen sogar noch übertrafen, indem sie in der Höhle des Löwen die Bayern nach einer taktischen Meisterleistung im Halbfinale eliminierten und danach im Endspiel mit ALBA BERLIN das zweite Schwergewicht besiegten. Für Head Coach Anton Gavel war es im dritten Pokalfinale in Folge der erste Sieg.
Der gebürtige Slowake war 2023 auch für die allergrößte Sensation der Ligageschichte verantwortlich, als er in seiner Debütsaison als BBL-Headcoach ratiopharm ulm zur Deutschen Meisterschaft führte. Dabei war sein Team mit fünf Niederlagen in die Spielzeit gestolpert und vom siebten Platz in die Playoffs gestartet. Mit vergnügungssteuerpflichtigem Basketball demontierten die „Uuulmer“ die Favoriten aus Berlin (amtierender Meister und Zweiter der Hauptrunde), München (amtierender Pokalsieger und Dritter der Hauptrunde) und Bonn (amtierender Europapokalsieger und Erster der Hauptrunde). Es ist kein Zufall, dass neben Gavel auch der damalige Ulmer Sportdirektor Thorsten Leibenath seit diesem Sommer den FC Bayern in die nationale und internationale Erfolgsspur zurückführen soll.
Erstes Ziel ist in diesem Zusammenhang die deutsche Meisterschaft, die die Münchner in diesem Juni völlig überraschend ALBA BERLIN überlassen mussten. Die Hauptstädter waren mit deutlich verkleinertem Etat an den Start gegangen, zeigten aber eine unfassbare Resilienz und drehten, nachdem sie schon im vierten Spiel einen deutlichen Rückstand aufgeholt hatten, in der entscheidenden Partie in München einen 27:47-Halbzeitstand in den ersten Sieg eines Gästeteams in einem fünften Finale. In den elf fünften Finalspielen seit 1988 hatten immer die Gastgeber gewonnen. Auch wegen dieser sensationellen letzten zwanzig Spielminuten ihrer Saison verdienen es die Albatrosse, hier genannt zu werden.
Als Aufsteiger direkt in die Playoffs
Aber auch vor den unmittelbaren Endspielen gab es immer wieder Überraschungen. Die VET-CONCEPT Gladiators Trier beispielsweise kehrten im letzten Jahr nach zehnjähriger Abstinenz ins Oberhaus zurück. Unter Jacques Schneider, dem jüngsten Coach der Liga, gewannen die Moselstädter ihre ersten vier Begegnungen. Obwohl fünf der letzten sechs Hauptrundenpartien verloren gingen, schaffte es der Neuling über die Play-Ins in die Playoffs. Hut ab vor einer Mannschaft, die vor Saisonbeginn von vielen Experten als Absteiger eingestuft wurde!

Vechta schloss als Wiederaufsteiger 2024 die reguläre Saison sogar als Sechster ab. Wie die Trierer startete auch RASTA mit fünf Pflichtspielsiegen stark, und genau wie die Moselstädter spielten die Niedersachsen äußerst attraktiven Basketball. Mittlerweile hat sich das ambitionierte Projekt auf allen Ebenen weiterentwickelt, stand auch 2026 in den Playoffs und ist aus der Beletage nicht mehr wegzudenken.
Unterschiedliche Playoff-Teilnehmer
Seit 2021, dem Jahr nach dem Final-Turnier in München, haben 17 verschiedene Clubs die Viertelfinals der Playoffs erreicht! Und nur die drei Meister in diesem Zeitraum, Berlin, Ulm und München, haben es in jeder Saison geschafft. Dahinter folgen mit je vier Playoff-Teilnahmen die MHP RIESEN Ludwigsburg, die dieses Ziel in den beiden vergangenen Spielzeiten jedoch nicht erreichten, die Telekom Baskets Bonn und die NINERS Chemnitz, die erst 2020 aufgestiegen waren und 2024 mit dem FIBA Europe Cup bereits einen europäischen Titel feiern konnten.
Zu einem neuen Contender haben sich die Würzburger unter Sasa Filipovski entwickelt, die in den letzten drei Jahren immer in der Meisterschaftsendrunde mitmischten und dabei zweimal bis ins Halbfinale vorstießen, während zum Beispiel der ehemalige Stammgast EWE Baskets Oldenburg im gleichen Zeitraum nur zuschauen durfte. Mit den aktuellen ProA-Ligisten aus Crailsheim (2021), Göttingen (2023) und Heidelberg (2025) sind drei Playoff-Teilnehmer der letzten sechs Jahre nicht mehr im Oberhaus vertreten. Viel Auf und Ab, immer wieder Überraschungen.
Zwei Playoff-Teams als sportliche Absteiger
In der vergangenen Spielzeit landeten zudem erstmals zwei Playoffteams des Vorjahres am Saisonende als sportliche Absteiger am Tabellenende. Während die MLP Academics Heidelberg als Schlusslicht auch den Weg in die Zweitklassigkeit antreten mussten, blieben die Basketball Löwen Braunschweig aufgrund einer Wildcard in der Liga. Natürlich spielte bei beiden Klubs das Verletzungspech eine große Rolle, gleichzeitig unterstreicht ihr Schicksal aber auch, dass die Liga ziemlich ausgeglichen ist. Die Braunschweiger sicherten sich erst am letzten Spieltag mit dem Heimsieg gegen Chemnitz das Vorrecht auf die Wildcard, deren Vergabe zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht absehbar war.

Spannung bis zum letzten Spieltag
Stichwort Spannung: Die wurde in den beiden vergangenen Saisons jeweils bis in den letzten Spieltag der Hauptrunde transportiert. 2025 gab es in der Abschlusstabelle sogar zwei Vierervergleiche! Chemnitz, Heidelberg, Würzburg und Berlin waren alle punktgleich auf den Plätzen vier bis sieben. Chemnitz sicherte sich aufgrund der besten Bilanz von 4-2 in den Direktvergleichen das Heimrecht, unterlag aber dann den Heidelbergern, während die Berliner in die Play-Ins mussten. Außerdem wiesen auf den Rängen neun bis zwölf mit Oldenburg, Rostock Ludwigsburg und Vechta ebenfalls vier Mannschaften die gleiche Bilanz auf.
Und auch in diesem Jahr kam es zu einem relevanten Vierervergleich über die Rangfolge auf den Play-In-Plätzen: Vechta als Siebter und Trier als Achter nutzten ihre Heimvorteile und zogen in die Playoffs ein, während Rostock und Ludwigsburg dies verwehrt blieb.
Bislang das Berliner Jahrzehnt
Die mediale Aufmerksamkeit lag in den letzten Jahren in hohem Maße auf dem FC Bayern München Basketball. Aber tatsächlich hat der aktuell einzige deutsche EuroLeague-Teilnehmer in diesem Jahrzehnt nur zwei Meisterschaften gewinnen können. ALBA BERLIN stand hingegen viermal ganz oben auf dem Treppchen. Von 2020 bis 2022 gelang der „Threepeat“, bevor sich die Berliner in diesem Sommer erneut krönten. Die seit der Verpflichtung von Sportdirektor Himar Ojeda 2016 konsequent erfolgte spanische Ausrichtung hat erquickliche Früchte getragen. Nach der riesigen Enttäuschung ohne Titel in der vergangenen Saison werden die Bayern alles versuchen, um die Hauptstädter vom Thron zu stoßen.

Kochs Nachschlag
Angesichts der finanziellen Überlegenheit der Münchner und der Tatsache, dass das Pokalwochenende als Netto Final Four zumindest eine vorübergehende Heimat in der bayrischen Landeshauptstadt gefunden hat, haben Schwarzmaler, zu denen ich mich auch gerne einmal geselle, vor der vergangenen Saison ein „Dauer-Double“ der Münchner prognostiziert. Stattdessen ging der erklärte Favorit in der vergangenen Spielzeit komplett leer aus. Ob das auch am Ende der Saison 2026/27 so sein wird, wage ich zu bezweifeln. Aber ich habe gelernt, nicht zu nassforsch und zu kompromisslos mit meinen Vorhersagen zu hantieren. Deshalb gebe ich hier einen (halbwegs) sicheren Tipp ab: Wir werden auch in der kommenden Saison wieder Überraschungen erleben, vielleicht schon zum Auftakt im Pokal. Und falls wir tatsächlich keine Überraschungen erleben sollten? Nun, keine Überraschung wäre für mich in der Liga der Überraschungen die größte Überraschung!

Unser Kolumnist
Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".




















