Im dritten Nachschlag zum Start der 61. Saison in der easyCredit BBL befasse ich mich mit sechs Teams, denen ich eine direkte Playoff-Qualifikation zutraue. Vorab: Nach einer Saison, die uns sowohl in der Meisterschaft mit ALBA BERLIN als auch im Pokal mit den BMA365 Bamberg Baskets überraschende Titelträger präsentierte, stehen wir vor einer Spielzeit, in der der Ligakrösus FC Bayern München Basketball nach einem enttäuschenden Jahr gehörig unter Druck steht. Das Personal des Favoriten ist erneut elitär und klar besser als die Kader der Konkurrenz. Gefährlich werden könnten den Münchnern am ehesten die folgenden fünf Teams.
ALBA BERLIN
Die personellen Veränderungen: Wichtiger als die Neuzugänge sind die Spieler, die der Meister weiter an sich binden konnte. Dass die Leistungsträger Martin Hermannsson und Justin Bean bleiben würden, war ebenso wenig absehbar wie die Weiterverpflichtung von NBA-Prospect Jack Kayil. Die neuen Amerikaner Jordan Ford, Joe Wieskamp und Brandon Angel haben kein Superstarpotenzial, sollten sich aber gut einfügen.

Der Ausblick: Der Titelverteidiger geht meiner Meinung nach nicht als Favorit ins Rennen. Aber der Spirit, den das Team in der vergangenen Spielzeit aufgebaut hat, wird die Albatrosse wieder weit tragen. Die erneute Finalteilnahme ist realistisch.
Der Knackpunkt: Kann Combo-Guard Jordan Ford sein Scoring einbringen, ohne die exzellente Ballbewegung der Mannschaft zu verlangsamen?
Telekom Baskets Bonn
Die personellen Veränderungen: Am Rhein gibt es nur wenige Neuzugänge, weil der personelle Neustart 2025, bei dem fast alle Spieler mit Mehrjahresverträgen ausgestattet wurden, funktioniert hat. Jetzt kehrt Leon Kratzer zurück, der die Defensive zusätzlich stabilisieren dürfte. Die zweite wichtige Verstärkung ist John-Michael Wright, der sowohl Grayson Murphy entlasten als auch scoren soll.

Der Ausblick: Dieses Team ist eingespielt und verfügt über eine Identität. Die Defensive war verlässlich und wird es weiterhin sein. Ich erwarte die Telekom Baskets auch 2027 wieder im Halbfinale.
Der Knackpunkt: Schaffen es die Bonner nach einer katastrophalen Dreierquote in der vergangenen Saison, treffsicherer von jenseits der 6,75 Meter zu agieren?
NINERS Chemnitz
Die personellen Veränderungen: Zwölf Abgänge und zwölf neue Spieler! Mit Cobe Williams, Stefan Smith und Phlandrous Fleming Jr. kommen drei Guards, die sich in der BBL bereits bewiesen haben. Mit Yohan Choupas kommt ein vierter hinzu, der zudem einen deutschen Pass besitzt. Der Backcourt verfügt über enorme Qualität. Auch Ben Burnham sollte man nach seiner überragenden ProA-Saison auf dem Schirm haben.

Der Ausblick: Sollten die NINERS wie in der Vorsaison enttäuschen, könnte nach zwölf Saisons die Zeit von Headcoach Rodrigo Pastore tatsächlich zu Ende gehen. Das erwarte ich nicht, aber der komplett neue Kader braucht Zeit, um sich zu finden.
Der Knackpunkt: Reicht ein Spielball angesichts der Vielzahl der balldominanten Guards im Kader der Sachsen?
FC Bayern München Basketball
Die personellen Veränderungen: Mit Sportdirektor Thorsten Leibenath und Headcoach Anton Gavel haben die Münchner zwei Schlüsselpositionen neu besetzt. Mit Ausnahme des Japan-Rückkehrers Johannes Thiemann hat man mit den Neuzugängen bewusst die Verjüngung der Mannschaft eingeleitet. MarJon Beauchamp ist der größte Star und Duane Washington Jr. aufgrund seiner Möglichkeit, einen deutschen Pass zu erhalten, der X-Faktor.

Der Ausblick: In der Spitze und in der Tiefe stellen die Bayern den besten Kader. Sie verfügen über das beste deutsche Gerüst und über die besten ausländischen Profis. Deshalb ist (insbesondere nach der verkorksten letzten Spielzeit) die Meisterschaft Pflicht.
Der Knackpunkt: Wird diese Gruppe zu einer Einheit, oder wird sie wie in der vergangenen Saison nur eine Ansammlung hochtalentierter Basketballer?
VET-CONCEPT Gladiators Trier
Die personellen Veränderungen: Die Überraschungsmannschaft der Vorsaison hat sich deutlich verstärkt. Mit Austin Crowley, Moritz Krimmer, EJ Onu und Bennet Hundt kommen vier Spieler an die Mosel, die alle 2026 einen Titel gewonnen haben. Onu und Justin Simon werden die Verteidigung erheblich stärken, absolutes Highlight ist aber die Rückkehr von Eli Brooks, der mit Jordan Roland wieder einen hochinteressanten Backcourt bilden wird.

Der Ausblick: Die Neuverpflichtungen unterstreichen, dass Trier mittlerweile auch finanziell in der deutschen Beletage angekommen ist. Der Klub ist auf dem besten Wege, sich zu einer festen Größe in der vorderen Tabellenhälfte zu entwickeln.
Der Knackpunkt: Wie gehen Spieler, die zu einem großen Teil vor zwei Jahren noch in der ProA aktiv waren, mit der Doppelbelastung durch den europäischen Wettbewerb um?
ratiopharm ulm
Die personellen Veränderungen: Wie geht es mit diesem Programm nach dem Abgang des Kaderplaners Thorsten Leibenath weiter? Zunächst einmal mit einem großen personellen Umbruch, der einige Chancen eröffnet. Mit Ibi Watson kam einer der besten BBL-Spieler der vergangenen Saison. Michael Rataj hatte einen wichtigen Anteil an der Berliner Meisterschaft, und Jaylen Sims und Armel Traore bringen NBA-Erfahrung mit.

Der Ausblick: Mit zwei 18-jährigen Point Guards in die Saison zu starten, ist ein Wagnis. Da das Duo aktuell verletzt ist, wird es Zeit brauchen, bis es für sich und mit der Mannschaft Rhythmus gefunden hat. Die direkte Playoff-Teilnahme ist möglich, aber keinesfalls sicher.
Der Knackpunkt: Können die beiden Teenager Adam Atamna und Teo Milicic diese Mannschaft schon in drei Wettbewerben auf der Spielmacherposition führen?
Kochs Nachschlag
Am schwersten war es für mich, Chemnitz und Ulm in diesen Kreis aufzunehmen. Deshalb sind es auch diese beiden Teams, die ich nicht im Halbfinale erwarte. Beim Blick in meine Glaskugel sehe ich die Bonner und Trierer dort, während die Bayern in einer Neuauflage des ewigen Klassikers gegen Berlin die Meisterschaft zurück an die Isar holen.
In den anderen beiden Kolumnen zum Saisonstart geht es hier um das Mittelfeld und hier um den Abstiegskampf.

Unser Kolumnist
Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".
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