Am Freitag beginnt die 61. Saison in der easyCredit BBL. In diesem ersten Teil meiner dreiteiligen Vorschau befasse ich mich mit dem Mittelfeld, also den Teams, die um die Play-Ins kämpfen sollten und an die Playoff-Tür klopfen könnten. Neben dem Halbfinalisten und Pokalsieger Bamberg sind mit Würzburg und Vechta zwei weitere Playoff-Mannschaften der vergangenen Saison darunter. Dazu kommen die beiden Play-In-Teilnehmer, die in der neuen Spielzeit erstmals (Rostock) und nach zweijähriger Abstinenz wieder (Ludwigsburg) in die Playoffs möchten. Frankfurt traue ich eine positive Überraschung zu.
BMA365 Bamberg Baskets
Die personellen Veränderungen: Der Abgang von Headcoach Anton Gavel wiegt schwer, aber mit der Verpflichtung von Jesus Ramirez, dem BBL-Trainer des Jahres 2025, haben die Verantwortlichen die Nachfolge exzellent geregelt. Auf den deutschen Positionen konnten mit Joshua Obiesie und Jonathan Bähre zwei bekannte Gesichter verpflichtet werden. Dazu kommen die doppelten Staatsbürger Brendan Terry und Yuval Hochstadter.

Der Ausblick: Obwohl das Budget im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, wird es wahrscheinlich keine märchenhafte Spielzeit wie die letzte, aber die Bamberger werden sich eher in Richtung der Postseason als gen Abstiegskampf orientieren.
Der Knackpunkt: Bis auf Richard Balint sind alle Ausländer neu. Wie stark ist das Quintett aus Jordan Jones, Mylik Wilson, Jordan Wright, Trevon Scott und Hason Ward?
SKYLINERS
Die personellen Veränderungen: Der Kader wirkt stärker als in der letzten Saison. Mit Ryan Arcidiacono, Judah Mintz und Routinier Thomas Klepeisz wurde ein interessantes Guard-Trio verpflichtet. Roman Bedime bewies in Chemnitz, dass er die Voraussetzungen für einen verlässlichen Rotationsspieler mitbringt. Der aus Polen gekommene Race Thompson wird viel auf der Fünf spielen müssen und dort Längennachteile haben.

Der Ausblick: Mit der Aussicht auf die neue Arena und der Teilnahme am EuroCup wird der Blick nach oben gerichtet. Jedenfalls kann man als Bankenmetropole auch für die NBA Europe interessant werden. Zunächst einmal sollte diese Saison besser als die vorherige werden.
Der Knackpunkt: Ist die physische Präsenz an den Brettern ausreichend, um in die Postseason einzuziehen?
MHP RIESEN Ludwigsburg
Die personellen Veränderungen: Nach einem mäßigen Jahr unter Mikko Riipinen soll jetzt Carles Duran die Neuausrichtung nach der John-Patrick-Ära orchestrieren. Dazu wurde mit David McCray eine Klubikone als sportlicher Leiter installiert. Mit Patrick Cartier konnte er einen interessanten Spieler mit deutschem Pass finden. Von den neuen Ausländern verfügt nur Darius Perry über Bundesliga-Erfahrung.

Der Ausblick: Auf dem Papier sieht die Mannschaft nicht besser als in der vergangenen Spielzeit aus. Entsprechend dürfte das Erreichen der Postseason eine knappe Angelegenheit werden.
Der Knackpunkt: Schafft es Duran, eine organisiertere und effektivere Offensive zu etablieren?
ROSTOCK SEAWOLVES
Die personellen Veränderungen: Robin Amaize ist zwar kein faktischer Neuzugang, aber ein eminent wichtiger Spieler, der zurückkehrt, nachdem er die komplette letzte Saison wegen eines Achillessehnenrisses versäumte. Zach Copeland legte vor drei Jahren knapp 18 Zähler für Bamberg auf, und auch Johnathan Stove und Artur Konontsuk haben sich bereits in der Liga bewiesen.

Der Ausblick: Die Playoffs sind das erklärte Ziel. Darüber hinaus möchte sich der Klub, der erstmals am EuroCup teilnimmt, auch europäisch etablieren. Trotz solider Voraussetzungen besteht die Gefahr, dass man zu viel auf einmal erreichen möchte.
Der Knackpunkt: Können TJ Crockett Jr. und Copeland koexistieren, oder wird es ein Hauen und Stechen um die Würfe geben?
RASTA Vechta
Die personellen Veränderungen: Die Marley-Jünger haben sehr viel Qualität ziehen lassen müssen. Alonzo Verge Jr., Malik Parsons, Tevin Brown und TJ Bamba sorgten im Schnitt für 58 Punkte. Zudem gingen mit Joschka Ferner und Luc van Slooten zwei deutsche Rotationsspieler. Als Reaktion auf die Verletzung von Guard D’Mitrik Trice haben die Niedersachsen Nelson Weidemann und Kihei Clark mit Dreimonatsverträgen ausgestattet.

Der Ausblick: Diese Mannschaft ist sowohl im deutschen Kern als auch bei den ausländischen Profis schwächer als in der Vorsaison besetzt. Deshalb wäre das erneute Erreichen der Playoffs eindeutig ein Erfolg.
Der Knackpunkt: Schafft es Tommy Kuhse wieder, eine magische Saison wie 2023/24 zu spielen?
Fitness First Würzburg Baskets
Die personellen Veränderungen: Auch bei Würzburg ist die Liste der Abgänge lang und prominent. Das überragende Guard-Duo Marcus Carr (Bologna) und Davion Mintz (Dubai) wurde von EuroLeague-Teams verpflichtet, Brae Ivey zog es in die Türkei und Johnathan Stove, David Muenkat und Eddy Edigin zur nationalen Konkurrenz. Sam Griffin ist der wichtigste neue Ausländer und Brandon Tischler die bedeutendste deutsche Verpflichtung.

Der Ausblick: Der Stil mit der Guard-orientierten Offensive wird sich nicht ändern. Aber die individuelle Qualität ist nicht die gleiche wie in der Vorsaison. Mit Sasa Filipovski steht aber ein Coach an der Seitenlinie, der es immer irgendwie hinbekommt.
Der Knackpunkt: Kann Eddie Colbert III erfolgreich in die Rolle des Stretch-Vierers schlüpfen und den Würzburgern damit eine neue Dimension verleihen?
Kochs Nachschlag
Frankfurt, Rostock und Würzburg sehe ich aus diesem Sextett am ehesten in den Play-Ins. Um den vierten Platz streiten sich nach meiner Einschätzung Bamberg, Ludwigsburg und Vechta. Da ich zusätzlich auch noch bei Hamburg, Oldenburg und Weißenfels Chancen auf die Play-Ins sehe, verspricht dieses Rennen – wie schon in der vergangenen Saison – viel Spannung und Dramatik.
In den anderen beiden Kolumnen zum Saisonstart geht es um die Spitzenteams und den Abstiegskampf.

Unser Kolumnist
Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".
















