Die besondere Brisanz: So hat sich RASTA Vechta den Saisonstart bestimmt nicht vorgestellt: Mit vier Niederlagen in vier Spielen tragen die Niedersachsen die rote Laterne und sind zusammen mit Phoenix Hagen das einzige Team ohne Sieg. Im Nachhinein hat RASTA die Qualifikation für die Champions League teuer bezahlt, denn seit dem Turnier in Bulgarien fehlen verletzungsbedingt Tommy Kuhse und Kihei Clark, Youngster Lamin Sabally fiel schon zuvor aus. Und die Aufgaben in der Liga werden nicht einfacher: Am Samstag gibt der Vorjahres-Viertelfinalist ratiopharm ulm seine Visitenkarte im RASTA Dome ab. Die Mannschaft von Headcoach Ty Harrelson , der von 2022-24 sehr erfolgreich Headcoach in Vechta war (siehe alte Bekannte), ist mit zwei Siegen in die Saison gestartet, hat danach gegen Bamberg und Weißenfels jedoch Niederlagen kassiert.
Status quo: Vechta präsentierte sich im Montagabend-Spiel gegen Braunschweig offensiv verbessert, verlor aber dennoch mit 87:93. Ulm musste gegen den SYNTAINICS MBC eine 72:89-Niederlage einstecken. Auch beim Debüt in der Basketball Champions League waren die Rastaner ohne Chance und verloren beim serbischen Meister KK Spartak Subotica mit 64:96. Nichts zu holen gab es auch für Ulm im EuroCup beim Gastspiel in Manresa (89:101).
Alte Bekannte: Ulms Trainer Ty Harrelson hat eine erfolgreiche Vergangenheit mit Vechta: 2023 führte er die Niedersachsen in die erste Liga, in der Saison 2023/24 auf Anhieb in die Playoffs, ehe er im Sommer 2024 nach Ulm wechselte. Nelson Weidemann spielte von 2024 bis 2026 für Ulm. Sein Vertrag dort lief im Sommer 2026 aus; Anfang September verpflichtete Vechta ihn zunächst für drei Monate. Vechtas Eigengewächs Philipp Herkenhoff wechselte 2021 von RASTA nach Ulm, spielte dort vier Jahre und wurde 2023 mit Ulm Deutscher Meister. Im Sommer 2025 kehrte er nach Vechta zurück.

Duell im Fokus: Auf der Vier könnten in Michael Rataj und Philipp Herkenhoff zwei deutsche Power Forwards aufeinandertreffen, die sich beide Deutscher Meister nennen dürfen. Rataj gab 2021/22 sein BBL-Debüt für Ulm, wechselte ans College und gewann 2026 als kurzfristig geholte Verstärkung mit Berlin den Titel. Nun ist er zurück in Ulm und dort aktuell bester Spieler (im Schnitt 15,0 Punkte, 5,5 Rebounds und 2,3 Assists in gut 30 Minuten). Herkenhoff war sein Vor-Vorgänger in Ulm, gewann dort 2023 die Meisterschaft und wechselte 2025 zurück zu seinem Heimatverein Vechta. In der aktuellen Saison sucht der 27-jährige Big Man noch seine Form (3,3 PPG, 3,0 RPG, 16,7 3P% in 14:40 MPG) und es muss außerdem abgewartet werden, ob er gegen Ulm schon wieder spielen kann, nachdem er sich gegen Braunschweig einen Finger verletzt hatte. Da in Lamin Sabally auch Herkenhoffs Ersatz auf der Vier verletzt ist, bliebe Trainer Christian Held ansonsten wohl nur eine Variante mit Small Ball.
Zahlen, bitte: Mit Vechta und Ulm treffen zwei Teams aufeinander, die offensiv noch ihren Rhythmus suchen. RASTA hat mit 76,5 Punkten pro Spiel die niedrigste Ausbeute aller Teams, Ulm liegt mit 79,5 Zählern pro Spiel auf dem 15. Platz.
Die ewige Bilanz spricht eine deutliche Sprache: Zwölf der bisherigen 16 Duelle gingen an Ulm – im Heimspiel in der vergangenen Saison setzten sich jedoch die Niedersachsen mit 85:73 durch.
In Zivil: Während das Trio Kuhse/Clark/Sabally dem Team von Headcoach Christian Held seit Wochen fehlt, gab D'Mitrik Trice gegen Braunschweig sein Debüt für Vechta. Herkenhoff war zwar mit zum Europapokalspiel gereist, spielte aber nicht. Mit zehn Punkten in knapp 14 Minuten deutete Trice an, dass er ein wichtiger Baustein im Team von RASTA sein kann.
Im Blick des Bundestrainers: Deutschland hat auf den großen Positionen wahrlich keinen Mangel an guten Spielern, aber wenn Ulms Power Forward Michael Rataj weiter so performt wie zu Saisonbeginn, könnte er seinem Nationalmannschafts-Debüt im Juli dieses Jahres weitere Einsätze unter Alex Mumbru folgen lassen.
Was die Lokalpresse schreibt: Der SWR berichtet über finanzielle Probleme beim Ulmer Verein BBU. Gegenstand ist die Rückzahlung eines städtischen Tarifs.
Trainer-Take: „Ulm sollte Vechta im Halbfeld halten und die Transition-Optionen inklusive der Drag Screens kontrollieren. Vechta läuft viel spanisches Pick-and-Roll, das Ulm gut verteidigen muss. Offensiv ergibt es Sinn für die Ulmer, die großen Ringbeschützer Tibor Pleiß, Philipp Herkenhoff und Lars Thiemann vom Korb wegzulocken und dann Face-up zu attackieren. Das gibt dann auch die Möglichkeit, Außenspieler aufzuposten, zumal Vechta auf diesen Positionen nicht allzu groß ist. Gegen die Drop-Verteidigung im Pick and Roll kann Ulm die Zone attackieren und daraus den Ball bewegen.“
Was die KI meint (ChatGPT) – wird sich Nelson Weidemann an Ulm rächen, weil der Klub ihn im Sommer nicht weiterverpflichtet hat? „Sportlich halte ich einen starken Auftritt für gut vorstellbar. Weidemann dürfte Ulms Spielweise und viele Abläufe noch bestens kennen. Gleichzeitig passt seine aggressive Verteidigung gut zu dem, womit Vechta Ulms junge Guards unter Druck setzen kann. Weidemann ist ein guter Kandidat für ein „Jetzt-erst-recht-Spiel“ gegen Ulm. Zwölf bis 16 Punkte plus viel Druck in der Verteidigung halte ich für realistisch. Von Rache würde ich journalistisch aber nur mit Augenzwinkern sprechen.“
Meilensteine: Tibor Pleiß fehlen noch neun Defensiv-Rebounds bis 750, Philipp Herkenhoff noch 38 Punkte bis 1.500. Ibi Watson fehlt noch ein Punkt bis 1.000.
Weise Worte: „Man merkt, dass wir uns unser Selbstvertrauen neu erarbeiten müssen. Nichtsdestotrotz, so blöd das klingen mag, denke ich, dass wir – zwar kleinteilig – hier und da einen Schritt in die richtige Richtung gemacht haben“, blickt Vechtas Coaches Christian Held trotz der jüngsten Niederlage gegen Braunschweig optimistisch nach vorne.
German Basketball is mad sexy: Michael Rataj und Philipp Herkenhoff sind zwei feine Beispiele, wie mad sexy auch die easyCredit BBL in den vergangenen Jahren war. Herkenhoffs Titel 2023 mit Ulm vom siebten Platz aus war die größte Sensation in der Geschichte der Liga. Ebenso war Ratajs Titel drei Jahre später mit Berlin nach einem Pausenrückstand von 27:47 im fünften BBL-Finale in München einmalig in der Ligahistorie.
Livestream / Fernsehen: Das Spiel wird am Samstag, 10. Oktober, ab 19.45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Sebastian Meichsner.
Anmerkung der Redaktion:
- Die Vorberichte (sowie auch die Nachberichte) werden geschrieben von unserem zwölfköpfigen Redaktionsteam von Basketball-Journalisten, die sich mit dem deutschen Basketball und speziell mit der easyCredit BBL befassen.
- Für die Rubrik „Trainer-Take“ äußert sich aus einem Pool von Co-Trainern je ein Assistent Coach eines Bundesligisten anonym zu einer anstehenden Partie, an der sein Verein nicht beteiligt ist. Auf welches Team oder welchen Aspekt er sich dabei konzentriert, ist ihm freigestellt.
- KI-Tools werden lediglich für die Rubrik „Was die KI meint“ sowie gelegentlich für die Recherche zur Rubrik „Alte Bekannte“ benutzt.
















