Stand: ALBA BERLIN (2) – BMA365 Bamberg Baskets (3) 0-0
Titel: Berlin: Korac-Cup-Sieger 1995 / Deutscher Meister 1997-2003, 2008, 2020-22 / Pokalsieger 1997, 1999, 2002, 2003, 2006, 2009, 2013, 2014, 2016, 2020, 2022 / Bamberg: Deutscher Meister 2005, 2007, 2010-2013, 2015-2017 / Pokalsieger 1992, 2010-2012, 2017, 2019, 2026.
Die besondere Brisanz: In der Erstliga-Historie gab es kein Spiel häufiger als Bamberg gegen Berlin (siehe ewige Bilanz weiter unten). Bereits neunmal kreuzten sich die Wege in den Playoffs (Bilanz 6-3 für Berlin). 2003 sweepte sich ALBA im Finale mit 3-0 gegen Bamberg zum siebten Titel in Folge, um ein Jahr später von eben diesen Oberfranken und 25 Punkten von Steffen Hamann in einem dramatischen Halbfinale mit 3-2 entthront zu werden (Video). In den letzten 20 Jahren folgten allerdings nur noch zwei Playoff-Duelle. 2011 hatten die Albatrosse mit DEM Dunk vom damaligen Berliner Bryce Taylor (Video) im fünften Finalspiel schon die Hand am Titel, aber die Dreier von John Goldsberry und Brian Roberts drehten die Partie noch zum 72:65 für Bamberg. 2022 räumte ALBA die Oberfranken auf dem Weg zum Threepeat im Viertelfinale mit 3-0 aus dem Weg. In dieser Saison haben indes zwei dramatische Berliner Siege in der Punktrunde und der Bamberger Triumph im Pokalfinale der alten Rivalität neues Leben eingehaucht – und voila: Im Playoff-Halbfinale trifft ALBA als Zweiter der Punktrunde wie in alten Tagen auf den Dritten Bamberg!
VF 1987: 2-1 für 1. FC 01 Bamberg
VF 1988: 2-1 für DTV Charlottenburg
HF 1991: 3-1 für BG Charlottenburg
HF 1995: 3-0 für Berlin
VF 1999: 3-0 für Berlin
Finale 2003: 3-0 für Berlin
HF 2004: 3-2 für Bamberg
Finale 2011: 3-2 für Bamberg
VF 2022: 3-0 für Berlin
Was wir bisher gelernt haben: ALBA kämpfte die Oberfranken Ende Januar in der Berliner Max-Schmeling-Halle (wo auch die beiden ersten Halbfinalspiele ausgetragen werden) in einer Verlängerung mit 87:82 (Highlights) nieder und gewann drei Wochen später auch das Rückspiel in Bamberg 98:92 (Highlights). Damit ist ALBA nicht nur das einzige Team, das Bamberg in dieser Saison zweimal bezwungen hat. Dank der beiden Punktrundensiege hat ALBA im Duell der beiden auf dem zweiten und dritten Platz punktgleichen Teams jetzt im Playoff-Halbfinale auch den Heimvorteil. Das vorletzte Wort im diesjährigen Duell gegen ALBA BERLIN hatten indes die BMA365 Bamberg Baskets am 22. Februar im Münchner Pokalfinale mit ihrem dramatischen 74:72-Sieg.
Status quo: Bamberg ist nicht zuletzt durch seinen Triumph beim BMW TOP FOUR um den BBL Pokal das Überraschungsteam dieser Saison. Trainer Anton Gavel hat aus dem Team mit dem kleinsten geplanten Spieleretat einen Titelkandidaten geformt und wurde dafür in der easyCredit BBL mit großer Mehrheit (78,2 Prozent) zum „Trainer des Jahres“ gekürt. Der Pokalgewinn hat die Bamberger erst recht beflügelt. Seit dem Pokalgewinn haben die BMA365 Baskets von 16 Spielen in der easyCredit BBL (inkl. dem 3-0 gegen Ulm gewonnenen Viertelfinale) nur eines verloren. Die einzige Niederlage mussten die Oberfranken Anfang April in Vechta gegen den Gegner hinnehmen, der jetzt im Viertelfinale von ALBA BERLIN nur mit größter Anstrengung 3-2 bezwungen werden konnte. Hat der Tabellenzweite nach diesem Kraftakt noch genug Luft für eine sicher nicht weniger herausfordernde Halbfinalserie gegen Bamberg? Oder können die Berliner sogar das Momentum aus ihren letzten beiden Siegen gegen RASTA mit ins Halbfinale gegen unter der spielfreien Woche vielleicht sogar etwas eingerostete Bamberger mitnehmen?

Duelle im Fokus: Während Anton Gavel in dieser Saison in Bamberg mit einer – bis auf eine Ausnahme gegen Hamburg – durchgängig identischen Starting Five operierte, verändert Pedro Calles in Berlin seine Startaufstellung des Öfteren – manchmal auch notgedrungen. So mussten die Berliner im Pokalfinale ohne den damals am Daumen verletzten Martin Hermannsson auskommen. Gerade dieser Point Guard ist pünktlich zu den Playoffs jetzt in Topform (wie auch der Berliner Tagesspiegel hier thematisiert) und war gegen Vechta als verlässlicher Topscorer (17,4 PPG) und souveräner Regisseur (7,2 APG) MVP des Viertelfinales. Macht der Isländer mit Jack Kayil an seiner Seite im Spielmacher-Duell gegen Cobe Williams und Zach Ensminger auch im Halbfinale gegen Bamberg den Unterschied aus? Der beste Nachwuchsspieler der Liga wird im übrigen nach der Saison nicht ans College wechseln, sondern setzt voll auf die NBA-Draft, wie Basketball-Worldnews hier schreibt.
Auch auf der Position vier hat Justin Bean für sein Duell gegen Demarcus Demonia (auch dank seines Gamewinners MVP des Pokalwochenendes) im nachverpflichteten Michael Rataj im Vergleich zum BMW TOP FOUR eine Verstärkung an seiner Seite. Auf dem Flügel präsentierte sich Bambergs Topscorer Ibi Watson nach kurzer Verletzung zuletzt wieder in der gewohnten Wurflaune (28 Punkte im dritten Spiel in Ulm), während Berlins Moses Wood gegen Vechta seinen Shooting Touch verlor (20 Zähler im ersten und nur noch zwei im fünften Spiel). Unter dem Korb wartet EJ Onu (2,11 m) als bester Verteidiger und Shotblocker der Liga auf die ganz unterschiedlichen ALBA-Center Norris Agbakoko (2,18 m) und J'Wan Roberts (2,03 m).

Trainerduell im Fokus: Pedro Calles wurde 2019 gleich in seiner ersten BBL-Saison 2018/19 Trainer des Jahres, nachdem er RASTA Vechta als Aufsteiger direkt in die Playoffs geführt hatte (und im Viertelfinale damals sensationell Bamberg aus dem Rennen warf). Auch Anton Gavel legte 2022/23 ein sensationelles Trainer-Debüt in der Liga hin und führte Ulm sogar vom siebten Platz der Punktrunde noch zum Meistertitel. Zum Trainer des Jahres wurde damals indes – noch vor den überraschend verlaufenden Playoffs – Tuomas Iisalo gekürt. In dieser Saison kamen die starken Bamberger Leistungen rechtzeitig genug, um Gavels Leistung zu würdigen (was nach dem Pokalsieg auch sein früherer Trainer Stefan Koch in seiner Kolumne tat). Gavel steht in dieser Saison zwar erst zum dritten Mal in den Playoffs, hat mit 13-5 aber schon mehr Siege auf dem Konto als Calles, der in seiner bereits sechsten Playoff-Saison zwar mehr Erfahrung aufweist, aber erst bei 6:18-Siegen steht.
Zahlen, bitte: Im Viertelfinale legten Berlin (88,8 PPG mit einer Dreierquote von 34,6 Prozent) und Bamberg (88,7 PPG mit einer Dreierquote von 34,8 Prozent) gegen ganz unterschiedliche Gegner nahezu identische Zahlen auf. In der Punktrunde machte Bamberg (89,9 PPG) im Schnitt noch 4,4 Punkte mehr als Berlin und traf seine Dreier mit 37,4 Prozent um 3,9 Prozentpunkte besser als ALBA. Die Berliner drückten dafür in der Punktrunde die gegnerischen Scores auf 77,9 Zähler (Bamberg nur auf 81,7 PPG) und verteidigten auch die gegnerischen Dreier etwas effektiver (32,0 gegenüber 33,7 Prozent). Im Viertelfinale musste Berlin im Schnitt 89,4 Vechtaer Punkte (mit einer 40-prozentigen Dreierquote) hinnehmen. Bamberg hatte nur 82,7 Ulmer Punkte (mit einer 34-prozentigen Dreierquote) gegen sich.
Die ewige Bilanz Von den 132 bisherigen Spielen in Liga und Pokal gewann Berlin 83 und Bamberg 49. Davon waren 87 Begegnungen Punktspiele (55-32 für Berlin), 32 Playoff-Spiele (22-10 für Berlin) und zwölf Pokalspiele (7-5 für Bamberg). 2013 gewann ALBA zudem den damals noch als Saison-Eröffnung ausgespielten Champions Cup (Meister vs. Pokalsieger) gegen Bamberg. Kein Duell wurde in der 60-jährigen Ligageschichte öfter ausgetragen als Berlin gegen Bamberg (wer noch tiefer in die Historie des Duells eintauchen möchte, wird in dieser Ausgabe von „Kochs Nachschlag“ umfangreich fündig). Hier die Top Fünf der meistgespielten Paarungen in Liga und Pokal:
Anzahl / Paarung:
132: Berlin - Bamberg
126: Bamberg - Gießen
118: Leverkusen - Hagen
116: Berlin - Leverkusen
109: Bamberg - Ludwigsburg
Rekordverdächtig: Seit der Einführung der Playoffs 1984 gab es erst zwei Saisons (2023 und 2025), in denen weder Berlin noch Bamberg im Halbfinale vertreten waren. Bamberg steht zum 25. Mal im Halbfinale und Berlin zum 32. Mal (zum 27. Mal als ALBA). Beide Klubs stehen zum 16. Mal nebeneinander im Halbfinale, treffen dort aber nach 1991 (ALBA 3-1), 1995 (ALBA 3-0) und 2004 (Bamberg 3-2) erst zum vierten Mal direkt aufeinander. Im Finale duellierten sich beide Teams nur 2003 (ALBA 3-0) und 2011 (Bamberg 3-2). Ein drittes Finale ist zumindest für diese Saison ausgeschlossen ...
Meilensteine: Zach Ensminger (Bamberg) fehlen noch drei Dreier bis 100 und Malte Delow (Berlin) noch sechs Dreier bis 200.

Am Rande der Bande könnten (wie schon gegen Vechta) in Berlin auch gegen Bamberg prominente Ex-Albatrosse wie Franz Wagner, Johannes Thiemann, Stephen Arigbabu oder Henrik Rödl zu sehen sein, die nach dem Ende ihrer Saisons im Ausland Zeit haben, mal wieder BBL-Basketball zu gucken.
Alte Bekannte: Bennet Hundt spielte in der von der Corona-Pandemie überschatteten Saison 2020/21 für Bamberg. Umgekehrt steht kein ehemaliger Berliner im aktuellen Bamberger Aufgebot. Aber in früheren Jahren gab es jede Menge Querverbindungen zwischen beiden Clubs. So trugen die Nationalspieler Maodo Lo, Johannes Thiemann, Louis Olinde, Steffen Hamann, Sven Schultze, Demond Greene, Ademola Okulaja, Mithat Demirel, Lucca Staiger, Yassin Idbihi und Kenny Ogbe sowohl das Berliner als auch das Bamberger Trikot, ebenso die ausländischen Profis Casey Jacobsen, Derrick Phelps, DeJuan Collins, Julius Jenkins, Sharrod Ford, Alex Renfroe, Leon Radosevic, William McDowell-White und Bryce Taylor. Die BBL-Veteranen Filip Stanic, Nelson Weidemann und Kevin Wohlrath spielten in der Jugend für ALBA und später als Profis für Bamberg.
Kochs Nachschlag: Wie unser Kolumnist Stefan Koch auf diese Serie blickt, lässt sich in seinem aktuellen Text nachlesen.

Sonstiges: Deutschland stehen in der Champions League 2026/27 voraussichtlich nur zwei feste Startplätze (und einer im Quali-Turnier) zu. In diesem Halbfinale geht es somit ganz nebenbei auch um BCL-Startplätze für die kommende Saison. Wer ins Finale einzieht, hat seinen Auftritt dort sicher. Der Verlierer muss darauf hoffen, dass die als Europaligist nicht an der BCL interessierten Münchener Bonn den Zutritt zum Finale versperren.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: 20 Meisterschaften seit 1992, dazu 18 Pokaltitel, macht 35 Trophäen. Mehr als die Hälfte der 69 verfügbaren Titel in Deutschland gingen in den letzten 35 Jahren an Berlin oder Bamberg. Dieses Duell ist schon ziemlich sexy.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Samstag ab 14:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wo es jetzt auch den Playoff-Pass gibt (hier die Details zum Angebot). Kommentator ist Arne Malsch. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es die Partie live und free hier im SPORTBILD-Stream.




















