Stand: FC Bayern Basketball (1) – ALBA BERLIN (2) 0-0
Titel: München: Deutscher Meister 1954, 1955, 2014, 2018, 2019, 2024, 2025 / Deutscher Pokalsieger 1968, 2018, 2021, 2023, 2024 / Berlin: Korac-Cup-Sieger 1995 / Deutscher Meister 1997-2003, 2008, 2020-22 / Deutscher Pokalsieger 1997, 1999, 2002, 2003, 2006, 2009, 2013, 2014, 2016, 2020, 2022
Die besondere Brisanz: Als ALBA BERLIN in den neunziger Jahren unter Svetislav Pesic und Emir Mutapcic sieben Meistertitel in Folge errang, wurden die Albatrosse gerne als „das Bayern München des Basketballs“ beschrieben. Mittlerweile schicken sich die echten Bayern an auch in der easyCredit BBL eine ähnlich dominante Rolle zu spielen wie ihre Fußball-Kollegen. Die Münchener sind mit ihren an der EuroLeague orientierten finanziellen Möglichkeiten der einzige deutsche Club, der die besten deutschen Nationalspieler wie Liga-MVP Andreas Obst davon abhalten kann, ins Ausland zu ziehen. Und ein entsprechend hochkarätiger Kader soll nun im ersten Threepeat der Vereinsgeschichte gipfeln. Verhindern können das nur noch die Berliner. ALBA-Trainer Pedro Calles hat in seinem Aufgebot keine sechs erfahrenen Welt- und/oder Europameister wie die Bayern, aber fünf zumeist jüngere Nationalspieler, die darauf brennen, das – welch schöner Zufall – von den ehemaligen Berliner Meistertrainern Pesic und Mutapcic trainierte Münchener Star-Ensemble ein wenig zu ärgern – oder ihm gar die Show zu stehlen? Dieser Frage hat sich auch Stefan Koch in seiner aktuellen Kolumne gewidmet.

Playoff-Historie: Der FC Bayern Basketball (seit 2012) und ALBA BERLIN (seit 1992) sind die einzigen Bundesligisten, die immer in den Playoffs sind (Berlin ist mit dem Vorgängerverein Charlottenburg sogar immer dabei gewesen seit 1986 die Playoffs mit drei Runden eingeführt wurden, München ist zumindest seit dem Wiederaufstieg 2011 immer dabei). Die Bayern treffen dabei in der 36. Playoff-Serie der Klubhistorie schon zum zehnten Mal auf Berlin (zum siebten Mal im Finale!) und haben gleich die ersten sechs Playoff-Serien gegen Berlin allesamt gewonnen. Nach dem Sweep im Viertelfinale 2013 landeten sie dabei im Finale 2014, im Halbfinale 2015 und im Viertelfinale 2017 die entscheidenden Siege jeweils in Berlin, bevor sie das Finale 2018 im fünften und das Finale 2019 im dritten Spiel wieder „dahoam“ für sich entschieden. Sein Ende fand dieser Münchener Lauf in der von Corona überschatteten Saison 2019/20. Ludwigsburg schaltete die Bayern im Viertelfinale des Münchener Bubble-Turniers aus, um dann im Finale an ALBA zu scheitern. In den folgenden Jahren bezwangen die Berliner die Bayern ohne Schützenhilfe im Finale, landeten dabei 2021 unter Coach Aito bzw. 2022 unter Israel Gonzalez die entscheidenden Siege ebenfalls in München und feierten somit alle drei Titel ihres Threepeats an der Isar. 2024 war es wieder an den Bayern, unter Trainer Gordon Herbert den vierten Finalsieg und den Titel an der Spree zu feiern.
Viertelfinale 2013: München – Berlin 3-0
Finale 2014: München – Berlin 3-1
Halbfinale 2015: Berlin – München 2-3
Viertelfinale 2017: München – Berlin 3-1
Finale 2018: München – Berlin 3-2
Finale 2019: München – Berlin 3-0
Finale 2021: Berlin – München 3-1
Finale 2022: Berlin – München 3-1
Finale 2024: München – Berlin 3-1
Rekordverdächtig: Berlin und München treffen also seit 2014 bereits das siebte Mal in den Finals aufeinander. Damit brechen die beiden Rivalen in nur zwölf Jahren den Rekord der fast 60-jährigen Geschichte der Basketball Bundesliga. Bislang hatten diesen der Rekordmeister Bayer 04 Leverkusen und Berlin mit sechs Finalduellen gehalten (1985, 1991, 1992, 1995, 1996 und 2000), Leverkusen und Berlin hatten dafür aber ganze 15 Jahre benötigt.
Status quo: Ja, die Bayern haben von allen Teams unserer Liga die meisten Pflichtspiele absolviert, doch trotz dieser vielen Kilometer auf dem Tacho geht der Titelverteidiger auch ausgeruht in die Endspielserie: Sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale packten die Bayern gegen Trier und Bonn per Sweep den Besen aus, ihre Gegner (Bonn im Halbfinale, nun Berlin im Finale) mussten zuvor über die volle Distanz von fünf Spielen gehen. Die Albatrosse haben somit nur zwei Tage Pause vor dem ersten Finalspiel, die Bayern hingegen ganze sieben. Immerhin: Ein solch dominanter 97:66-Erfolg wie die Berliner ihn über Bamberg einfuhren, kann natürlich auch beflügeln. Zudem zeigten die Albatrosse bereits zum Halbfinalauftakt gegen Bamberg, dass eine Serie über fünf Spiele (wie die im Viertelfinale gegen Vechta) nicht unbedingt müde Beine machen muss.
Was wir bisher gelernt haben: Die Bayern können Sweeps, die Berliner können fünfte Spiele. Mit einer Playoff-Bilanz von 6-0 und einer Punktedifferenz von +132 gehen die Münchener in die Endspielserie. Dominanter traten in den Playoffs zuletzt die Bamberger auf, die 2016 mit 6-0 und +173 sich für die Finals qualifiziert hatten. Die Albatrosse können hingegen mit Druck umgehen: Nach zwei Bamberger Siegen lag im Playoff-Halbfinale das Momentum bei den Oberfranken, doch die Berliner ließen keine Zweifel an den Finals-Einzug aufkommen. Im Viertelfinale hatten die Albatrosse gegen Vechta mit 1-2 zurückgelegen, gewannen mit dem Rücken zur Wand aber zwei Spiele nacheinander, um die Serie zu drehen.
Duelle im Fokus: Beide Teams sind so tief besetzt, da fällt es schwer, aktuell einen teaminternen Playoff-MVP zu bestimmen. Die Berliner wurden bisher unter anderem von ihrem Spielmacherduo getragen: Jack Kayil ist nominell zwar der Backup von Martin Hermannsson, beide stehen in der Crunchtime aber schon mal zusammen auf dem Feld. Mit 13,3 bzw. 13,4 Punkten im Schnitt bilden die beiden das Berliner Topscorer-Duo der Playoffs. Defensiv schreit das nach einer Aufgabe für Justus Hollatz, der in den Playoffs offensiv zwar harmlos agieren mag (2,8 PPG), dafür aber sicher im Ballvortrag agiert (24 AST, 7 TO in den Playoffs). Hollatz' Backup ist Nenad Dimitrijevic, der mit 61,1 Prozent aus dem Feld und 61,9 Prozent von Downtown in der Endrunde heißgelaufen ist und aktuell sogar der effektivste Spieler der Playoffs ist.

Dimitrijevic kam während der Saison nach München, auch die Berliner tätigten eine Nachverpflichtung, die eingeschlagen hat: Michael Rataj kam erst mit Ende der Wechselfrist in die Hauptstadt, zeigte kaum Anlaufschwierigkeiten und avancierte mit 13,2 Zählern pro Partie zum Berliner Topscorer im Halbfinale gegen Bamberg. Am Zonenrand kann Rataj ein Mismatch sein, doch auch die Münchener haben einen deutschen Big Man in den Reihen, der im Low-Post versiert ist: Oscar da Silva. Mit 14,3 Punkten pro Partie ist da Silva unter den Finalisten der besten Punktesammler in den Playoffs. Mit seiner Durchschlagskraft hat Rataj das Zeug zum Publikumsliebling, auch da Silva schlug bei seinem Wechsel nach Berlin 2011 direkt ein.
Feuerkraft auf der Zwei: Xavier Rathan-Mayes kompensierte den Ausfall von Andi Obst in den letzten beiden Spielen gegen Bonn mit 20 bzw. 27 Zählern (6/9 3P) und zeigte, welche Mikrowelle er sein kann. Wenn Liga-MVP Obst wieder an Board ist und sein weltweit gefürchtetes Handgelenk eingestellt hat, zu dem sich in Justinian Jessup ein weiterer Edelschütze gesellt, dann haben die Bayern auf der Zwei einiges an Feuerkraft aufzubieten. Aber ganz egal, welcher Guard gerade heiß läuft: Er wird wohl vor allem vom Berliner Kettenhund Jonas Mattisseck bearbeitet werden. Auch Kayil, Malte Delow und Sam Griesel werden zeigen müssen, was sie in der Verteidigung drauf haben.

Ein wenig in den Hintergrund gerückt ist bei Berlin Justin Bean – der im Lauf der Hauptrunde von einigen noch als teaminterner MVP in die Diskussion gebracht wurde. Das Hauptargument dafür ist Beans Vielseitigkeit, dank der er ein Spiel in vielen Facetten beeinflussen kann. Auf den Forward-Positionen trifft Bean unter anderem auf Vladimir Lucic, der bei den Bayern zwar auch nicht als Scorer vorangehen muss, den man dank seiner schlitzohrigen Erfahrung aber gerade in einer Finals-Serie nicht unterschätzen darf.
Trainerduell im Fokus: An der Seitenlinie stehen zwei Coaches mit ganz unterschiedlichem Background: Auf der Münchener Seite die 76-jährige, serbische Trainerlegende Svetislav Pesic, der die Balkan-Schule in Deutschland salonfähig gemacht hat, auf der Berliner Seite der 42-jährige Spanier Pedro Calles, der unter anderem von Aito inspiriert wurde. Während Calles seine ersten Finals als Profi-Headcoach absolvieren wird, steht für Pesic der letzte Tanz an. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hat Pesic sein Karriereende nach dieser Saison angekündigt, dann wird nach knapp 45 Jahren eine wirklich große Karriere zu Ende gehen, wie sie hier im August 2024 anlässlich seines 75. Geburtstags beschrieben wurde. Sollten die Bayern ihren Titel unter ihm verteidigen, wäre Pesic damit auch etwas Einzigartiges gelungen: Deutscher Meister in vier verschiedenen Jahrzehnten – 1997, 1998, 1999 und 2000 mit Berlin sowie 2014 und dann eben 2026 mit München. Zudem hätte er dann seit den Achtzigern (1987 war er Junioren-Weltmeister mit Jugoslawien) in fünf Jahrzehnten in Folge einen Titel als Vereins- oder Nationaltrainer gewonnen. Pesic hat sich nach der Amtsübernahme in dieser Saison die Unterstützung von Emir Mutapcic geholt, bei den Berlinern sitzt unter anderem Vladimir Bogojevic als Assistant Coach auf der Bank – der von 1997 bis 2000 unter Pesic in Berlin spielte und mit ihm dreimal Meister wurde.

Der siebte Threepeat in der 60. Saison? Der FC Bayern Basketball könnte in der bald 60-jährigen Geschichte unserer Liga als vierter Klub einen Threepeat holen. Bisher haben drei Klubs sechs Mal mindestens drei Meisterschaften in Serie geholt:
Leverkusen 1970-1972 (3)
Leverkusen 1990-1996 (7)
Berlin 1997-2003 (7)
Bamberg 2010-2014 (4)
Bamberg 2015-2017 (3)
Berlin 2020-2022 (3)
Zahlen, bitte: Kein Team hat in diesen Playoffs mehr Punkte pro Spiel aufgelegt als die Bayern (90,5 PPG), die sich im Vergleich zur Hauptrunde (87,6 PPG) gesteigert haben. Auch die Berliner haben in der Endrunde (87,1 PPG; Hauptrunde: 85,8 PPG) einen kleinen Sprung gemacht. Die Münchener überzeugen dabei mit der besten Quote aus dem Feld (50,9 Prozent) aller Playoff-Teams, stehen aber auch in der Verteidigung gut: 73,5 Zähler pro Partie und eine Quote von 42,1 Prozent aus dem Feld ihrer Gegner sind Playoff-Bestwerte.
Die ewige Bilanz: Die ersten vier schon zwischen 1987 und 1989 ausgetragenen Spiele gegen die Basketballer des FC Bayern gewann der DTV Charlottenburg. Aber seit dem Münchener Wiederaufstieg 2011 haben die Bajuwaren den Spieß gegen die Preußen umgedreht und führen in der ewigen Bilanz mittlerweile mit 41:37-Siegen. Dass die Bayern nicht wenige ehemalige Berliner nach München lockten (2013 in Deon Thompson, Nihad Djedovic, Yassin Idbihi und Heiko Schaffartzik sogar vier auf einen Schlag), befeuerte bei beiden Fanlagern eine Rivalität, die in der Folge ausgiebig gepflegt werden konnte. Die Wege beider Clubs kreuzten sich nämlich innerhalb der vergangenen 14 Jahre über die Punktrunde hinaus in neun Playoff-Serien, acht Pokal-Duellen und auch im internationalen Wettbewerb ungewöhnlich oft. In der Saison 2014/15 gab es sogar neun Auflagen dieses Klassikers. In der aktuellen Saison gab es bisher nur zwei Vergleiche: Im Hinspiel am 26. Oktober sorgte ALBA mit einem 67:61 vor über 12.000 Zuschauern in Berlin für die erste Saisonniederlage der Bayern. Im Rückspiel am 1. Mai revanchierte sich München im ausverkauften SAP Garden mit 85:79.
Am Rande der Bande: Bei den Bayern fehlte in den letzten beiden Spielen gegen Bonn Andi Obst erkrankt, zudem kamen Stefan Jovic und Kamar Baldwin in den Playoffs nicht zum Einsatz. Bei Berlin spielte Alex O'Connell (muskuläre Probleme) in den letzten drei Partien gegen Bamberg nicht.
Im Blick des Bundestrainers: Für Alex Mumbru ist es bei insgesamt zwölf aktuellen und ehemaligen DBB-Nationalspielern quasi so etwas wie das Duell zwischen Akteuren des A-Teams und des B-Teams. Bei München im Kader gibt neben DBB-Veteran Elias Harris (36 Länderspiele) sechs Goldmedaillengewinner: Niels Giffey (WM-Gold 2023, 118 Länderspiele), Oscar da Silva (31) und Leon Kratzer (33, beide EM-Gold 2025) sowie Johannes Voigtmann (128), Andi Obst (94)und Justus Hollatz (60, EM- und WM-Gold). Bei Berlin dagegen spielen fünf Nationalspieler, die noch nie bei einem großen Turnier dabei waren, aber öfter während der Saison in den FIBA-Fenstern geackert haben, einige zuletzt im November und im Februar in der WM-Quali: Malte Delow (8 Länderspiele), Jonas Mattisseck (9), Norris Agbakoko (3), Bennet Hundt (11) sowie Nachwuchshoffnung Jack Kayil (6). In Trainingsspielen gewinnt bei so etwas ja auch gerne mal das B-Team, aber diesmal ist es halt kein Trainingsspiel, sondern es sind die BBL-Finals um die Deutsche Meisterschaft.

Rekordverdächtig: Die Bayern können also die Erfahrung von insgesamt 500 Länderspielen in den Ring werfen, die Berliner dagegen können bei den deutschen BBL-Minuten klotzen: Malte Delow (22:24 MPG), Jack Kayil (21:24), Sam Griesel (19:32), Jonas Mattisseck(19:10), Norris Agbakoko (18:39), Michael Rataj (16:37) und Bennet Hundt (9:11) fallen bei Berlin mit 56,4 Prozent ligaweit die meisten Minuten an deutsche Spieler. Womit sich auch die Frage stellt, welcher Club eigentlich die tiefere deutsche Rotation zur Verfügung hat? Und sehen wir nach einem deutschen MVP der Hauptrunde auch einen deutschen Finals-MVP?
Alte Bekannte: Die Münchener Oscar da Silva, Niels Giffey und David McCormack haben eine Berliner Vergangenheit, bei McCormack liegt diese gerade mal eine Saison zurück. Bayerns Headcoach Svetislav Pesic war wie erwähnt von 1993 bis 2000 Trainer bei ALBA, wo er vier deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege feierte. Bei den Berlinern lief Michael Rataj in Jugendzeiten für die Bayern auf. Berlins Martin Hermannsson und Münchens Nenad Dimitrijevic spielten 2021/22 zusammen in Valencia.
Sonstiges: In den diesjährigen Playoffs haben sich bislang immer die Teams mit Heimvorteil durchgesetzt. Das gab es zuletzt in der Saison 2017/18, als sich in den Finals … auch der Hauptrundenerste München und der Zweite Berlin gegenüberstanden. Damals krönten sich die Bayern mit 3-2 zum Meister.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Wenn man von München nach Berlin reist und umgekehrt, durchquert man die Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg, aber eigentlich nicht Niedersachsen. Wobei, so sicher wären wir uns angesichts des neuen Slogans des Bundeslandes nicht, denn: „Niedersachsen ist groß“. Wie groß? Für das Kampagnenvideo stand niemand geringerer als der Welt- und Europameister Dennis Schröder vor der Kamera. 8,2 Millionen Einwohner in Niedersachsen werden spätestens jetzt wissen: Dieser deutsche Basketball ist verdammt sexy.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Freitag ab 20:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wo es jetzt auch den Playoff-Pass gibt (hier die Details zum Angebot). Kommentator ist Chris Schmidt, es moderiert Anne Kamphausen. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es die Partie live und free hier im SPORTBILD-Stream.



















