Die besondere Brisanz: Letzter gegen Vorletzter? Zwei Teams auf den Abstiegsrängen mit der gleichen Bilanz von vier Siegen und 13 Niederlagen? Brisanter geht es zum Rückrundenstart kaum. Die Basketball Löwen Braunschweig und MLP Academics Heidelberg duellieren sich im Kampf um den Klassenerhalt in einem klassischen „Vier-Punkte-Spiel“ (für die Braunschweiger das erste von zwei, danach geht es zum Drittletzten Hamburg), bei dem beide Teams sicherlich auch den direkten Vergleich im Hinterkopf haben ...
Das Hinspiel: … was den Löwen aber Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Denn am 7. Dezember 2025 kassierten sie eine 75:95-Pleite in Heidelberg. Einen Sieg mit mindestens 20 Punkten Differenz einzufahren, ist ein hartes Brett. Im Hinspiel gewann Heidelberg jedes Viertel und setzte sich Ende des dritten Durchgangs auf 22 Zähler Differenz ab. Michael Weathers avancierte dank 18 Punkten (8/11 FG), sieben Assists, vier Rebounds, zwei Steals und eines Blocks zum effektivsten Spieler der Partie.
Status quo: Ungeachtet des direkten Vergleichs würden sich die Braunschweiger sicherlich überhaupt über einen Sieg freuen, denn die Löwen haben ihre vergangenen fünf Partien verloren – vier davon mit zweistelliger Punktedifferenz, dreimal erzielten sie nicht mehr als 62 Zähler. Die jüngste 62:86-Pleite bei den MHP RIESEN Ludwigsburg verstärkte den Abwärtstrend. Einen Aufwärtstrend erleben trotz des vorletzten Tabellenplatzes hingegen die Heidelberger. Sie fuhren ihren zweiten Crunchtime-Erfolg hintereinander ein, und was für einen: Trotz eines Rückstands von 22 Zählern Differenz zu Beginn der zweiten Hälfte setzten sich die Academics mit 79:77 bei ratiopharm ulm durch, Michael Weathers traf neun Sekunden vor Spielende den Gamewinner.
Duell im Fokus: Nach überstandener Verletzung ist Michael Weathers zurück, was nicht nur die Heidelberger freut, sondern auch die Dyn-Cutter der Top-Ten-Highlights. Der Guard mit den Sprungfedern ist nun mal einer der spektakulärsten Spieler der Liga – was auf Braunschweiger Seite eigentlich auch auf Barra Njie zutrifft, der sein Spektakel durch Speed untermauert. Doch der 25-Jährige kann dies zuletzt nicht in ein effizientes Offensivspiel übertragen, Njie hat in den vergangenen drei Partien zusammen nur elf Zähler markiert und vier seiner 19 Würfe aus dem Feld getroffen. Anders Weathers, der in seinem zweiten Spiel nach seinem Comeback nicht nur den Gamewinner traf, sondern mit 26 Punkten sogar einen Karrierebestwert in der Beletage markierte. Der Lohn: die Auszeichnung zum Spieler der Woche. Und Weathers steht auch im Team der Hinrunde unseres Kolumnisten Stefan Koch.

Zahlen, bitte: Heidelberg und Braunschweig stehen auf den letzten beiden Plätzen, das tun sie auch bei der Punkteausbeute: Die Academics erzielen mit 78,7 Zählern pro Partie die zweitwenigsten, die Löwen mit 77,1 Zählern die wenigsten Punkte der Liga.
Die ewige Bilanz: Apropos 20-Punkte-Siege: In der vergangenen Saison fuhren die Braunschweiger tatsächlich einen solchen einen, am 30. Spieltag setzten sie sich in Heidelberg mit 94:74 durch. Damals waren die Löwen und Academics ebenfalls Tabellennachbarn – als Dritter und Vierter aber als Überraschungsteams der Liga in anderen Regionen unterwegs. In dieser Spielzeit sind beide in den Tabellenkeller gestürzt. Insgesamt haben derweil die Heidelberger mit einer Bilanz von 7-3 seit 2021/22 die Nase vorne.
Meilensteine: Braunschweigs Ferdinand Zylka muss noch einmal von Downtown treffen, um den 150. Dreier seiner Bundesligakarriere zu versenken. Teamkollege Philipp Hartwich fehlt ein Block, um in der digitalen Bestenliste seit 1998/99 Anthony King (153 Blocks) vom 17. Platz zu verdrängen, zwei Blocks, um mit Patrick Femerling (155 Blocks) auf dem 16. Platz gleichzuziehen, bei drei Blocks zieht er mit Ajmal Basit und Danilo Barthel (je 156 Blocks, 14. Platz) gleich.
Am Rande der Bande sitzt bei Heidelberg derzeit Samuell Williamson. Bei Braunschweig fiel gegen Ludwigsburg neben den langzeitverletzten Josh Hawley und Romario Holloway in Philipp Hartwich ein weiterer Big Man aus.
Alte Bekannte: Heidelbergs Paul Zipser und Braunschweigs Joshua Obiesie waren 2021/22 Teamkollegen in München.
Weise Worte: Braunschweigs Geschäftsführer Nils Mittmann ist sich des Ernsts der Lage bewusst. „Das ist eklatant. Vier, fünf Leistungsträger erreichen nicht annähernd ihre Form, so kann man nicht gewinnen“, hat Mittmann der Braunschweiger Zeitung gesagt.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Michael Weathers muss in Heidelberg seit ein paar Wochen ohne seinen Bruder Marcus auskommen. Wenn Brüder getrennt werden, kann aber auch Großes entstehen: Franz Wagner ging in die Heim-EM 2022 ohne Bruder Moritz, der sich in der Vorbereitung verletzt hatte, die DBB-Auswahl holte sich dennoch Bronze. Eine ähnliche Situation drei Jahre später: Diesmal krönte sich die deutsche Nationalmannschaft sogar zum Europameister. Franz erinnerte bei der Ehrung an seinen großen Bruder und trug dessen Trikot. Mad sexy zum einen, verdammt rührend zum anderen.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Sonntag ab 14.45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Richard Bielau.


















