Nachdem ich euch schon die sechs deutschen Spieler meines Hinrundenteams vorgestellt habe, lege ich jetzt mit den internationalen Akteuren nach, wobei es auch hier einige schwere Entscheidungen gab. So findet sich beispielsweise der Liga-Topscorer Alonzo Verge Jr. nicht in meinem Kader, weil er sich zu viele Ballverluste leistet (ligaanführende 4,9 im Schnitt).
Grayson Murphy (Telekom Baskets Bonn, Point Guard)
Ein Hinrundenteam, wie ich es jetzt zusammenstelle, verfügt aufgrund der individuellen Klasse über genug Scoring-Punch. Also braucht man einen Floor General, der das Ganze orchestriert und seine Teamkollegen in Szene setzt. Damit lande ich bei Grayson Murphy. Der Bonner verteilt nicht nur die zweitmeisten Assists der Liga, sondern er passt dabei auch noch großartig auf das Spielgerät auf, was sein unglaublicher Assist-Turnover-Ratio von 4,2:1 belegt. Dazu schnappt er sich mehr als fünf Rebounds pro Partie – kein Point Guard der Liga ist da besser.

Marcus Carr (Fitness First Würzburg Baskets, Point Guard)
Den 26-Jährigen scheint nichts aus der Ruhe zu bringen. Marcus Carr spielt in seinem persönlichen Tempo mit einem hohen Maß an Kontrolle, auch wenn ihn die Verteidiger piesacken. Der Kanadier ist der beste Punktesammler und Vorbereiter einer Spitzenmannschaft, die auch international überzeugt. Er kommt häufig an die Linie, wo er mit 85 Prozent sicher abschließt. Vor allem aber ist er ein Clutch Player, der große Würfe nimmt und trifft. In Brae Ivey und Davion Mintz verfügen die Würzburger über zwei weitere herausragende Guards, aber Carr ist das Kronjuwel.
Michael Weathers (MLP Academics Heidelberg, Shooting Guard)
Ein Spieler, dessen Mannschaft einen Abstiegsplatz einnimmt? Ja, weil Michael Weathers an beiden Enden des Feldes Herausragendes leistet! Defensiv gibt es keinen Akteur in der Liga, der so viel Raum abdeckt. Der 28-Jährige kann unter dem Korb starten und nach einem Close-out einen Wurf in der Ecke blocken. Mit 1,91 Meter ist der Amerikaner hinter zwei Centern der drittbeste Shotblocker der Liga! Nach seiner Verletzung und dem Abgang seines Zwillingsbruders gab es Zweifel, ob der Superathlet wirklich noch mit dem Herzen bei der Sache sei. Die Leistungen nach seiner Rückkehr gegen Oldenburg und in Ulm ließen die Skeptiker verstummen und gaben seinem Team neue Hoffnung.

Justinian Jessup (FC Bayern München Basketball, Small Forward)
Hier hätte ich mich auch für Vladimir Lucic entscheiden können, der mit 36 Jahren immer noch der effektivste Spieler des Tabellenführers ist. Aber der Serbe hat weniger als die Hälfte der Vorrundenpartien bestritten, weshalb sein Teamkollege Justinian Jessup den Vorzug erhält. Der Linkshänder hatte in den ersten Wochen Probleme, sich bei den Bayern zurechtzufinden. Nach dem Trainerwechsel blüht er aber auf. Der frühere Ulmer trifft den Dreier hochprozentig (43 Prozent bei mehr als fünf Versuchen pro Spiel in der easyCredit BBL) und überzeugt mit guten Entscheidungen in seiner Rolle als Secondary Playmaker. Zudem hat er alle seine 37 Freiwürfe in der Bundesliga und in der Euroleague verwandelt!
Justin Bean (ALBA BERLIN, Small Forward)
Diesen Albatros möchtest du einfach im Team haben. Bei Justin Bean beeindrucken sein Wesen, seine Energie – einfach sein gesamtes Auftreten. Du willst nicht nur diesen Spieler, du willst auch diesen Typen, der Einsatz und Teamgeist verkörpert! Der effektivste Berliner ist ein klassischer Combo-Forward, der 42 Prozent seiner Dreipunktewürfe trifft und die meisten Rebounds seiner Mannschaft einsammelt. Die Kombination Berlin und Bean passt im dritten Jahr noch besser, weil sich der 29-Jährige nach seinem gebrochenen Handgelenk in der Vorsaison erneut steigern konnte.

Jaedon LeDee (SKYLINERS, Center)
Vlado Lucic ist aufgrund der zu wenig bestrittenen Partien kein Thema geworden, während Jaedon LeDee es mit knapp über 50 Prozent absolvierter Einsätze gerade so geschafft hat. Vielleicht hätte ich bei ihm sogar alle (Hühner-)Augen zugedrückt, weil es nur schwer zu rechtfertigen ist, den effektivsten Spieler der Liga nicht zu berücksichtigen. Der 26-Jährige ist der beste Rebounder der Liga, wobei er vor allem am offensiven Brett viel Schaden anrichtet. Darüber hinaus ist das Power-Paket auch der zweitbeste Punktesammler nach Vechtas Verge. Wenn er mit seinem tiefen Körperschwerpunkt attackiert, hissen die Verteidiger oftmals die weiße Flagge.
Kochs Nachschlag
Im Nachschlag gibt es das komplette Team im Überblick:
Point Guards: Jack Kayil, Marcus Carr, Grayson Murphy
Shooting Guards: Andreas Obst, Spencer Reaves, Michael Weathers
Small Forwards: Justinian Jessup, Justin Bean
Power Forwards: Christian Sengfelder, Till Pape
Center: Kevin Yebo, Jaedon LeDee
Diese Formation ist Guard-lastig, aber so sind der Basketball und auch die Bundesliga derzeit. Entsprechend habe ich auf jeder Position mindestens einen Spieler, den ich „hochschieben“ kann. Kayil auf die 2, Obst und Weathers auf die 3, Bean auf die 4 und Sengfelder und Pape auf die 5, so dass ich auch effektiv mit kleineren Line-ups operieren kann.
In seiner ersten Kolumne zu seinem persönlichen Hinrundenteam hat Stefan Koch seine sechs deutschen Spieler vorgestellt.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".





















