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Team-PreviewTelekom Baskets Bonn: Zu früh zu gut?

15. September 2026
Nach den großen strukturellen Veränderungen vor einem Jahr wollten sich die Telekom Baskets Bonn selbst etwas Zeit geben, bis die Neuausrichtung nennenswerten Ertrag abwirft. Doch die Rheinländer waren ihrem Zeitplan voraus und stehen nun vor der Herausforderung, die durch das Playoff-Halbfinale geweckten Erwartungen zu bestätigen und gleichzeitig die Weichen für ihre mittelfristige Zukunft zu stellen.

Nach den großen strukturellen Veränderungen vor einem Jahr wollten sich die Telekom Baskets Bonn selbst etwas Zeit geben, bis die Neuausrichtung nennenswerten Ertrag abwirft. Doch die Rheinländer waren ihrem Zeitplan voraus und stehen nun vor der Herausforderung, die durch das Playoff-Halbfinale geweckten Erwartungen zu bestätigen und gleichzeitig die Weichen für ihre mittelfristige Zukunft zu stellen.

Saisonziel: Die Bonner starteten im Sommer 2025 ein Projekt, das auf zwei Jahre ausgelegt ist und mit dem vierten Platz nach der Hauptrunde ein äußerst positives Zwischenzeugnis erhielt. Alles andere als eine Playoff-Teilnahme wäre nun eine Enttäuschung.

Spielweise: Hinten soll die Truppe von Coach Marko Stankovic ordentlich Beton anrühren, um anschließend nach vorne auszuschwärmen. Im Halbfeld waren die Bonner allzu oft der Kreativität und dem guten Auge von Grayson Murphy ausgeliefert – hier muss Abhilfe geleistet werden, um weniger ausrechenbar zu sein.

Was ist neu: Nicht viel. Die meisten im vergangenen Sommer geschlossenen Verträge laufen bis 2027 (oder darüber hinaus). In John-Michael Wright und Marcus Foster, der ursprünglich nur in der Vorbereitung aushelfen sollte, kam Verstärkung für den Backcourt. Ach ja, und dann ist da noch …

Wichtigster Zugang: … der aus München an den Rhein zurückgekehrte Europameister Leon Kratzer (35 Länderspiele), der mit Bonn 2023 bereits die Basketball Champions League gewann. Bei den Bayern kam der Center (2,11 Meter) nur zu 19 Einsätzen in der easyCredit BBL und soll nun wieder eine deutlich größere Rolle ausfüllen. Zusammen mit Mike Kessens und Kur Jongkuch (beide 2,06 Meter) ist das ein amtliches Center-Trio.

Zahlen, bitte: Lediglich 27,2 Prozent der Bonner Dreierversuche fanden 2025/26 den Weg ins Ziel – der schlechteste Wert der easyCredit BBL. Mit Wright (25/26: 36,9 Prozent) und Foster (40,4 Prozent) soll diese Schwachstelle gezielt angegangen werden.

Grayson Murphy (mit Ball) führt auch in dieser Saison Regie bei den Telekom Baskets Bonn. (Foto: Sebastian Derix)

Die große Personalie: Bei den South Bay Lakers spielte Grayson Murphy an der Seite von Bronny James. Auf dem Hardtberg ist er der unermüdliche Antreiber der Bonner Offensivmaschinerie. Mit durchschnittlich 6,4 Assists verteilte der Amerikaner vergangene Saison ligaweit die drittmeisten Assists, und mit je zehn Zählern und Rebounds sowie zwölf Assists legte er beim 73:71-Erfolg über Oldenburg (04.10.2025) das erste Triple-Double der Club-Historie auf.

Alte Bekannte: Gleich neun Akteure des Kernkaders aus der vergangenen Saison sind den Magentafarbenen erhalten geblieben. Die Bindung untereinander sowie das Zusammenspiel mit der Fanbasis dürften entsprechend gut sein.

Der Trainer: Er kam im Sommer 2022 als Co-Trainer nach Bonn, war Teil jener Mannschaft, die 2023 sensationell die Basketball Champions League gewann – und ging anschließend nicht mit Tuomas Iisalo nach Paris. Stattdessen blieb Marko Stankovic den Telekom Baskets treu, um im Verlauf der Saison 2024/25 zunächst als Interimstrainer die Kohlen aus dem Feuer zu holen, ehe er vergangene Saison erstmals in voller Verantwortung mit dem vierten Hauptrundenplatz das in ihn gesetzte Vertrauen bestätigte.

Der Anführer: Bonn definiert sich über Verteidigung. Dafür steht Tylan Birts, dessen bis 2027 geltende Arbeitspapiere bereits vorzeitig bis 2028 verlängert wurden. „Sein Einfluss geht weit über das Spielfeld hinaus. Er ist durch seine Erfahrung sowohl in der Kabine als auch im täglichen Miteinander eine große Hilfe. Sein Kampfgeist, Siegeswille sowie seine offensiven und defensiven Fähigkeiten passen sehr gut zu unserem Team und unseren Zukunftsplänen“, sagt Coach Stankovic. Und in Patrick Heckmann (34 Länderspiele), Joel Aminu (2) und Jeff Garrett Jr. sind weitere erfahrene BBL-Veteranen am Start.

Highlight-Maschine: Er kam durchweg von der Bank und bescherte Bonn jenen Push, den es von einer zweiten Fünf braucht. Alijah Comithier brachte 2025/2026 bereits satte 12,9 Punkte aufs Tableau und wird auch in Zukunft im Fastbreak sowie in Transition ein oft gefundenes Ziel langer Pässe sein, die er gern standesgemäß per Druckkorbleger von oben verwandelt – und er wird dies nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung noch bis 2028 in Bonn tun.

Jung und talentiert: In Malik Idbihi (Jahrgang 2009) steht ein interessanter Youngster im erweiterten Kader, dessen Vater Yassin (21 DBB-Länderspiele) uns von seinen BBL-Stationen in Köln, Braunschweig, Berlin, München und Bamberg in guter Erinnerung ist.

Offene Fragen: Können die Telekom Baskets ihre größte offensive Schwäche im Halbfeld (lies: die Dreierquote) beheben? Und schaffen es die Verantwortlichen, den Begehrlichkeiten finanzkräftigerer Clubs (weiter) entgegenwirken zu können, um über den Sommer 2027 hinaus für personelle Stabilität zu sorgen?

Bis zum Start der Saison 2026/27 am Freitag, den 18. September wird es auf der Liga-Homepage zu jedem Team eine Preview geben, wobei Braunschweig (Wildcard) und Hagen (Aufsteiger) zuerst vorgestellt werden und Berlin, München und Bamberg als Champion, Vizemeister und Pokalsieger als letztes.