Ein Jahrzehnt nach dem Abschied aus der ersten Liga ist der Traditionsverein zurück. Die ProA-Meisterschaft 2026 ist das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses, den Geschäftsführer Martin Schmidt im kaufmännischen und Trainer Chris Harris im sportlichen Bereich geprägt haben. Phoenix ist es gelungen, eine klare Philosophie zu etablieren und jeden im Umfeld - Spieler, Verantwortliche, Fans - mitzunehmen.
Saisonziel: Leicht zu benennen, schwer zu erreichen: Der Klassenerhalt ist das einzige und große Saisonziel der Feuervögel, alles darüber hinaus wäre ein Bonus, denn: Die Westfalen zählen zu den finanzschwächsten Teams der Liga.
Spielweise: Die äußerst aktive Zeichensprache von Headcoach Chris Harris (Foto oben: Jörg Laube / Phoenix Hagen) am Seitenrand ist für Außenstehende schwer zu verstehen, aber Grundlage jedes Spiels ist eine aggressive Verteidigung und schnelles Umschalten auf Transition bzw. Angriff. Auch im Setplay ist Hagen bemüht, den Ball schnell zirkulieren zu lassen, wobei frühe Abschlüsse keine Seltenheit sind.
Was ist neu: Die Liga. Zehn Jahre nach Insolvenz sind die Feuervögel zurück auf der großen Bühne.
Zahlen, bitte: 96,4 Punkte pro Spiel, ligaweit die meisten Assists und mit 38,4 Prozent auch die beste Dreierquote - das waren Hagens Top-Werte in der vergangenen ProA-Meistersaison.
Die große Personalie: Patricio Garino. Der 33-jährige Argentinier bringt eine Vita mit, die in diesem Kader herausragt: NBA, Baskonia, Zalgiris, ACB, EuroLeague und jahrelange Erfahrung mit der argentinischen Nationalmannschaft. Nach schweren Knieproblemen hat er sich zuletzt bei Estudiantes wieder stabilisiert und kam in der vergangenen Saison in Spaniens zweiter Liga auf knapp zehn Punkte pro Spiel.
Wichtigster Zugang: … ist laut Coach Harris Cameron Krutwig - vor allem, weil er der einzige echte Center im Team der Hagener ist. Die vergangenen beiden Jahre verbrachte Krutwig in Spanien: In der Saison 2024/2025 legte er für Zweitligist Palencia 11,3 Punkte und 6,8 Rebounds auf. Letzte Saison kam er in der ACB für Forca Lleida in knapp 15 Minuten auf 5,1 Punkte und 2,9 Boards. Krutwig ähnelt von der Spielanlage und seiner Spielübersicht dem jungen John Bryant und wird fast ausschließlich auf der Fünf zum Einsatz kommen und sich dort mit seinen 2,06 Metern mit weitaus längeren Centern unserer Liga messen dürfen.
Under Pressure: Anthony Polite. Der variable Guard, der auch auf der Drei eingesetzt werden kann, hat nach einer Knieverletzung die vergangenen zwei Jahre pausiert bzw. zuletzt in der Schweiz als Co-Trainer gearbeitet. Davor war er in Hamburg (13,2 Punkte und 5,2 Rebounds pro Partie) und mit Rio Breogan in der spanischen ACB und der Champions League aktiv, wo er sich sicher von Downtown präsentierte (43,9 Prozent). Bleibt die Frage: Wie fit ist er nach zwei Jahren ohne Wettkampfpraxis? Mit der Verpflichtung von Polite geht Hagen ins Risiko: Wenn es sich lohnt, ist der Guard eventuell der Steal des Sommers.
Alte Bekannte: Bjarne Kraushaar, Tim Uhlemann, Marcus Graves, Fabian Bleck, Marvin Omuvwie: Das Quintett bleibt dem Meister in der ersten Liga erhalten. Erfahrenster Akteur ist Power Forward Bleck mit 373 BBL-Spielen. Auch Kraushaar, Uhlemann (beide Gießen) und Omuvwie (Bamberg, Göttingen, Ulm) haben Erfahrung in der Beletage.

Der Anführer: Marcus Graves war in der Meistersaison Hagens wichtigster Mann. Er lenkte das Tempo, organisierte den Angriff und kann selbst punkten. Seine 42,6 Prozent Dreier und 5,4 Assists aus der Vorsaison zeigen, wie komplett sein Offensivspiel in der ProA war. Nun muss der 30-Jährige beweisen, dass er auch gegen athletischere Erstliga-Guards das Team tragen kann.
Der nächste Schritt: US-Profi Trenton Gibson spielt seit drei Jahren in Europa (Niederlande, Belgien, Polen), ist ein kräftiger Guard mit einem stabilen Wurf, kann auf allen drei Außenpositionen spielen und hat Leadership-Erfahrung. Jetzt bekommt er die Chance zu beweisen, dass er auch in der deutschen Beletage mithalten kann.
Highlight-Maschine: Adam Kunkel wurde als Nachfolger des nach Ulm abgewanderten Devin Schmidt verpflichtet und weist ein ähnliches Spielerprofil als Scharfschütze und Dreierexperte auf. Er zieht auch schon mal aus acht Metern Entfernung ab und verfügt über ein gutes Ballhandling. Während der vergangenen zwei Spielzeiten spielte Kunkel mit Zunder Palencia in der zweiten spanischen Liga; dass er damals mit Cameron Krutwig aufgelaufen ist, wird allen drei helfen: Kunkel, Krutwig und Hagen.
Jung und talentiert: Nicola Schultze ist mit 19 Jahren der jüngste Spieler im Hagener Kader und der Sohn des mehrfachen deutschen Meisters und Olympioniken Sven Schultze. Nicolas Schwester Lilli (17) spielt bei ALBA BERLIN in der WNBL.
Der Trainer: Chris Harris ist seit acht Jahren Cheftrainer in Hagen, mit dem Aufstieg in die Beletage hat auch er sich seinen großen Traum verwirklicht. „Ich bin 2004 nach Hagen gekommen, als Phoenix in seine allererste Saison gestartet ist. Ich bin mit dem Verein gewachsen und habe gesehen, was diese Sportart den Einwohnern dieser Stadt bedeutet. Hagen hat mir unheimlich viel gegeben. Ich freue mich sehr, wenn ich der Stadt und den Menschen einen kleinen Beitrag zurückgeben kann.“
Offene Fragen: Polite seit zwei Jahren ohne Matchpraxis, Garino mit einer Verletzungshistorie - beide Personalien müssen funktionieren, damit Hagens Chancen auf den Klassenerhalt steigen.
Vermisstenanzeige: Devin Schmidt hätten sie bei den Feuervögeln gerne weiter im Phoenix-Dress gesehen. Der Scharfschütze machte aber den berühmten nächsten Schritt und wechselte zum BBL-Rivalen Ulm. Randnotiz / Sonstiges: Eine der traditionsreichsten Basketballhallen in Deutschland beherbergt wieder Erstliga-Basketball: In der „Ische“, wie die Ischelandhalle nach wie vor heißt, läuft keine gegnerische Mannschaft entspannt auf. Bei den kommenden Heimspielen wollen die heißblütigen Fans wieder der sechste Mann für Hagen sein. Die Euphorie in Hagen lodert jedenfalls: Alle 1.450 Dauerkarten waren schnell vergriffen.
Bis zum Start der Saison 2026/27 am Freitag, den 18. September wird es auf der Liga-Homepage zu jedem Team eine Preview geben, wobei Braunschweig (Wildcard) und Hagen (Aufsteiger) zuerst vorgestellt werden und Berlin, München und Bamberg als Champion, Vizemeister und Pokalsieger als letztes.




















