Die besondere Brisanz: Das erste große Erfolgserlebnis konnte RASTA Vechta schon verbuchen, ehe die reguläre Saison angefangen hat: Die Niedersachsen gewannen in Bulgarien mit vier Siegen in sechs Tagen das Quali-Turnier zur Champions League. Beim 93:82-Finalsieg gegen Dziki Warszawa (Polen) wurde Nelson Weidemann zum Matchwinner. Der kurzfristig verpflichtete deutsche Nationalspieler erzielte 15 Punkte im letzten Viertel und 25 Zähler insgesamt. Eine Rückschau auf die erfolgreiche Woche gibt es hier. Die Qualifikation zum höchsten FIBA-Wettbewerb hat jedoch auch Opfer gefordert: Das Finale hatte Vechta ohne die angeschlagenen Point Guards Tommy Kuhse, D’Mitrik Trice und Kihei Clark bestreiten müssen. Auf wen von ihnen Headcoach Christian Held (Foto) zum ersten Ligaspiel gegen Bamberg am Donnerstag zurückgreifen kann, ist noch offen. „Wir sind noch dabei, zu evaluieren, wer am Donnerstag spielen kann. Für uns geht es aber gar nicht darum, wer nicht spielen kann, sondern es geht darum, wer spielen kann. Das haben wir in Bulgarien eindrucksvoll bewiesen. Die, die gegen Bamberg spielen können, werden ‚ready‘ sein und die werden einen Fight liefern - das kann ich versprechen“, sagt Held vor dem ersten BBL-Spiel seiner "Rastaner".
Status quo: Die Franken werden mit reichlich Wut im Bauch im RASTA Dome antreten, denn sie kommen mit einer herben Niederlage im Gepäck. Am Sonntag verlor Bamberg beim FC Bayern Basketball mit 72:108 (28:55). RASTA hat im Rahmen des BCL-Qualifikationsturniers Yukatel Denizli Basket (Türkei, 101:98), SL Benfica (Portugal, 98:88), Promitheas Patras BC (Griechenland, 103:73) und Dziki Warszawa (Polen, 93:82) bezwungen. Außerdem hatten die Niedersachsen sämtliche Testspiele in der Preseason gewonnen. Eine ausführliche Teamvorschau gibt es hier zu Bamberg und hier zu Vechta.

Duell im Fokus: Seinen großen Auftritt für RASTA Vechta hatte Nelson Weidemann im fernen Bulgarien vor 210 Zuschauern beim Endspiel des BCL-Qualifikationsturniers, in dem der deutsche Nationalspieler mit 15 Punkten im Schlussviertel zum Matchwinner avancierte und den Niedersachsen die Teilnahme am prestigeträchtigeren Wettbewerb (als dem FIBA Europe Cup) sicherte. Weidemann hat in Vechta zunächst einen Vertrag über drei Monate und sich zudem eine Ausstiegsklausel zusichern lassen; sollte der Guard jedoch weiter so auftrumpfen, dürften ihn die Niedersachsen nur ungern ziehen lassen. Im Heimspiel gegen Bamberg dürfte es Weidemann unter anderem mit einem ein Jahr jüngeren deutschen Guard zu tun bekommen, der – wie Weidemann – auch schon im Dunstkreis der deutschen Nationalmannschaft steht: Joshua Obiesie wechselte im Sommer aus Braunschweig nach Bamberg, das nach München, Würzburg, Frankfurt und Braunschweig seine fünfte Station in der Liga ist. Mit zehn Punkten, sieben Rebounds und zwei Assists war er einer der Lichtblicke der Bamberger bei der empfindlichen Saisonauftakt-Niederlage in München.
Zahlen, bitte: 72 Bamberger Punkte bedeuteten (neben Hamburg) die niedrigste Ausbeute am ersten Spieltag. Der Pokalsieger traf nur 28 Prozent seiner Dreier und leistete sich 18 Ballverluste, nach Braunschweig (19) die zweitmeisten zum Saisonauftakt.
Die ewige Bilanz ist fast ausgeglichen: Vechta siegte in zehn, Bamberg in zwölf direkten Duellen. Die jüngste Begegnung im RASTA Dome entschieden die Hausherren Anfang April mit 96:93 für sich.
Am Rande der Bande: Vechta musste beim BCL-Quali-Finale auf die drei Guards Tommy Kuhse, D’Mitrik Trice und Kihei Clark verzichten, dazu fällt Lamin Sabally längerfristig aus.
Im Blick des Bundestrainers: Tibor Pleiß (109 Länderspiele), Weidemann (22), Obiesie (9) und Philipp Herkenhoff (8) haben bereits den Adler auf der Brust getragen – kommt mit Lars Thiemann perspektivisch ein weiterer „Rastaner“ hinzu? Der Big Man bringt die physischen Voraussetzungen mit (2,12 Meter, 113 Kilo), mit 26 Jahren ist er noch längst nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen. Herkenhoff, Thiemann und Obiesie kennen sich übrigens aus der deutschen U20-Nationalmannschaft, in der sie 2019 zusammen aufliefen. Vechtas Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele bescheinigt dem Center noch viel Potenzial – so viel, dass in Zukunft einmal Bundestrainer Alex Mumbru dem RASTA Dome einen Besuch abstattet?
Alte Bekannte: Gleich zwei Vechtaer trugen früher das Bamberger Trikot: Tibor Pleiß spielte von 2009 bis 2012 für die damaligen Brose Baskets und gewann mit ihnen das einzigartige Triple-Double (dreimal Meister und Pokalsieger). Nelson Weidemann lief in der Saison 2019/20 für Bamberg auf – damals gemeinsam mit dem heutigen Bamberger Daniel Keppeler. Keppeler kennt auch Timo Lanmüller bestens: Beide spielten gemeinsam für die Tigers Tübingen. Eine gemeinsame Vergangenheit haben zudem Tommy Kuhse und Jonathan Bähre, die 2022/23 in Ludwigsburg Teamkollegen waren. Bähre stand später auch mit Vechtas Lars Thiemann bei den Telekom Baskets Bonn auf dem Feld.
Was die KI meint (ChatGPT) – Wie kann Bamberg am besten die Länge, Spielintelligenz und Dreier-Qualitäten seines ehemaligen Centers Tibor Pleiß verteidigen? „Ich würde Hason Ward primär auf Pleiß ansetzen. Ward hat die Athletik, nach einem kurzen Hedge wieder herauszusprinten und mit seiner Spannweite Würfe zu beeinflussen. Daniel Keppeler wäre die körperlichere Alternative, insbesondere wenn Pleiß tief spielen will. Jonathan Bähre könnte phasenweise eine interessante Variante sein, weil Bamberg damit beweglicher verteidigen kann – allerdings wäre der Größennachteil erheblich: Pleiß misst 2,18 Meter, Bähre 2,08.“
Weise Worte: RASTAs Club-Chef Stefan Niemeyer zur gelungenen BCL-Qualifikation: „Herzlichen Glückwunsch an die Mannschaft, die Coaches und den ganzen Staff! Es war eine besondere Woche, mit besonderen Momenten und tollen Comebacks. Die Mannschaft hat super gekämpft und sich diese vier Siege verdient erarbeitet. Dass wir jetzt zum dritten Mal in der Gruppenphase der Basketball Champions League dabei sind, ist für RASTA Vechta eine großartige Sache. Wir können uns nun auf wunderbare Europapokalabende mit starken Gegnern freuen.“
German Basketball is mad sexy: Vechtas Nelson Weidemann gewann 2016 mit den DBB-Junioren das Albert Schweitzer Turnier, Bambergs Joshua Obiesie gelang dies zwei Jahre später mit der U18-Nationalmannschaft ebenso. Zwei Erfolge des deutschen Basketballs, bevor 2022 der Medaillenregen bei den DBB-Männern begann.
Livestream / Fernsehen: Die Partie wird Donnerstag ab 19:45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Sebastian Meichsner.















