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Home/Newscenter/Von Svetislav Pesic bis Aito Garcia Reneses – Jugoslawische und spanische Einflüsse in der Bundesliga

Kochs NachschlagVon Svetislav Pesic bis Aito Garcia Reneses – Jugoslawische und spanische Einflüsse in der Bundesliga

23. Oktober 2026
Wie bereits erwähnt, nehme ich das Achtelfinale des Netto BBL Pokals zum Anlass, um die Geschichte des Einflusses von Trainern aus unterschiedlichen Basketballschulen in unserer Liga zu betrachten. Nachdem es im ersten Teil um die deutschen und amerikanischen Coaches ging, stehen in diesem zweiten die Übungsleiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Spanien im Vordergrund. Am vergangenen Freitag gab es im Achtelfinale die Begegnung der beiden Serben Milenko Bogicevic und Marko Stankovic in Oldenburg, und zwei Tage später trafen in Würzburg mit Sasa Filipovski und Vladimir Jovanovic noch einmal zwei Übungsleiter vom Balkan aufeinander. Zum Abschluss folgte in der Neuauflage des letzten Pokalfinales das spanische Duell zwischen Berlins Pedro Calles und Bambergs Jesus Ramirez (wobei es aktuell mit Braunschweigs Ramon Diaz und Ludwigsburgs Carles Duran zwei weitere spanische BBL-Headcoaches gibt).

Wie bereits erwähnt, nehme ich das Achtelfinale des Netto BBL Pokals zum Anlass, um die Geschichte des Einflusses von Trainern aus unterschiedlichen Basketballschulen in unserer Liga zu betrachten. Nachdem es im ersten Teil um die deutschen und amerikanischen Coaches ging, stehen in diesem zweiten die Übungsleiter aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Spanien im Vordergrund. Am vergangenen Freitag gab es im Achtelfinale die Begegnung der beiden Serben Milenko Bogicevic und Marko Stankovic in Oldenburg, und zwei Tage später trafen in Würzburg mit Sasa Filipovski und Vladimir Jovanovic noch einmal zwei Übungsleiter vom Balkan aufeinander. Zum Abschluss folgte in der Neuauflage des letzten Pokalfinales das spanische Duell zwischen Berlins Pedro Calles und Bambergs Jesus Ramirez (wobei es aktuell mit Braunschweigs Ramon Diaz und Ludwigsburgs Carles Duran zwei weitere spanische BBL-Headcoaches gibt).

Die jugoslawischen Trainer

In den 1990er Jahren nahmen Trainer aus dem ehemaligen Jugoslawien erstmals größeren Einfluss in der Bundesliga, nachdem es zuvor vereinzelte Engagements wie das des ehemaligen Weltklassespielers Ljubodrag Simonovic 1987 in Bamberg gegeben hatte. Im gleichen Jahr kam Svetislav Pesic, nachdem er mit der jugoslawischen Juniorennationalmannschaft Weltmeister geworden war, als Bundestrainer nach Deutschland. 1993 führte er die Nationalmannschaft sensationell zur Europameisterschaft und wechselte danach zu ALBA BERLIN. Mit den Hauptstädtern gewann er den Korac-Cup und vier Deutsche Meisterschaften, später noch eine fünfte mit den Bayern, womit er hinter Dirk Bauermann (neun Titel) die zweitmeisten als Trainer geholt hat und außerdem nur einer von vier Coaches ist, die mit zwei BBL-Clubs Meister geworden sind (hier das Portrait „Der Druckmacher“ über Pesic auf der Liga-Homepage).

  • Jörg Trapp (1974 mit Hagen, 1979 mit Leverkusen)
  • Dirk Bauermann (1990-96 mit Leverkusen, 2005 und 2007 mit Bamberg)
  • Svetislav Pesic (1997-2000 mit Berlin, 2014 mit München)
  • Gordon Herbert (2004 mit Frankfurt, 2025 mit München)

Nachdem Pesic im Frühjahr sein Karriereende verkündet hatte, schrieb ich diesen Nachschlag über ihn. 2000 konnte ich ihn, nachdem ich im Vorjahr mit Gießen noch unterlegen gewesen war, mit den SKYLINERS im Pokalfinale tatsächlich besiegen. Hinterher sagte mir ein serbischer Journalist, es sei seine erste Niederlage in einem Endspiel gewesen. Keine Ahnung, ob das stimmte …

Wurde mit Deutschland Europameister: Svetislav Pesic. (Foto:Archiv/DBB)

Pesics direkter Vorgänger in Berlin war der Kroate Faruk Kulenovic. Sein Nachfolger wurde 2000 sein vorheriger Assistent Emir Mutapcic (und mit Luka Pavicevic und Sasa Obradovic gab es später in Berlin zwei weitere Cheftrainer aus der jugoslawischen Schule). Der Bosnier Mutapcic führte die Erfolgsgeschichte der Albatrosse fort und gewann als Cheftrainer drei Meisterschaften, nachdem er zuvor viele National- und Bundesligaspieler beim TuS Lichterfelde entwickelt hatte. Als Headcoach arbeitete „Muki“ danach noch bei den New Yorker Phantoms Braunschweig.

Auf Pesics Empfehlung hin verpflichteten die Telekom Baskets Bonn 1995 seinen Freund Bruno Socé, der die Rheinländer auf Anhieb in die Beletage führte und dort in seinem ersten Jahr schon die Endspiele um die Meisterschaft erreichte. Auch 1999 und 2001 führte er die Bonner bis in die Finalserie, unterlag aber wie 1997 den Berlinern. Der Kroate galt als Verfechter aggressiver Verteidigung und großer Disziplin. Sein Nachfolger in Bonn wurde der bosnische Co-Trainer Predrag Krunic, der 2009 mit Oldenburg Deutscher Meister wurde.

Bruno Soce war von 1995 bis 2001 Trainer der Telekom Baskets, stieg mit Bonn auf und erreichte dreimal die BBL-Finals. (Foto: Imago)

Die spanischen Trainer

Als ALBA BERLIN 2016 den Spanier Himar Ojeda zum Sportdirektor ernannte, war dies der Beginn einer spanischen Welle in der Hauptstadt, die mittlerweile auch andere Strände der Liga befeuchtet hat. Seit der Verpflichtung des Grandseigneurs Aito Garcia Reneses 2017 haben die Berliner ausschließlich auf Trainer von der iberischen Halbinsel gesetzt.

Aito Garcia Reneses (links) und sein damaliger Co-Trainer Israel Gonzalez feiern die Meisterschaft von 2021. (Foto: Camera 4)

Aito hinterließ als großartiger Lehrer und Talententwickler nachhaltige Spuren und gewann nach den großen Erfolgen in seiner spanischen Heimat auch Meistertitel mit den Berlinern, was auch seinen Nachfolgern Israel Gonzalez und Pedro Calles gelang (hier meine Kolumne im August 2021 zum Abschied von Aito aus Berlin). Calles hatte zuvor bereits als Headcoach für Vechta, Hamburg und Oldenburg gearbeitet. Fünf der letzten sieben Meistertitel der Liga wurden unter spanischen Cheftrainern errungen. Neben den bereits genannten Coaches konnte sich Pablo Laso 2024 mit dem FC Bayern München Basketball die Krone aufsetzen. Als sechsmaliger spanischer Meister und zweifacher Euroleague-Champion kam er mit einer Reputation in die Liga, die nur mit der von Pesic und Aito vergleichbar ist. Allerdings verließ der Baske die Münchner bereits nach einer Saison.

Auch die Spanier Pedro Calles (2026 mit Berlin, links) und Pablo Laso (2024 mit Bayern) führten ihre BBL-Teams zum Titel. (Foto: Christina Pahnke)

Kochs Nachschlag

Welche Elemente haben diese unterschiedlichen Basketball-Schulen in die Liga gebracht? Die amerikanischen Pioniere haben eine Professionalität vermittelt, die man in Deutschland zuvor nicht kannte. Die Trainer aus dem ehemaligen Jugoslawien – mit Svetislav Pesic an der Spitze – etablierten ein neues Niveau bei den Trainingsumfängen und der Trainingsintensität. Die spanischen Coaches betonen (ähnlich wie ihre Kollegen vom Balkan) das Teamplay, geben ihren Spielern aber gleichzeitig auch mehr Freiheiten, indem sie die schnelle Entscheidungsfindung in den Vordergrund rücken. Vielleicht ist durch diese unterschiedlichen Einflüsse ein deutscher Stil entstanden, der das Beste dieser Schulen zu nutzen weiß. Denn aktuell steht der deutsche Basketball besser denn je da. Die Nationalmannschaft ist amtierender Welt- und Europameister und acht Akteure verdienen ihre Brötchen in der NBA!

Unser Kolumnist

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".