Stand: ALBA BERLIN (2) – RASTA Vechta (7) 0-1
Die besondere Brisanz: Die Playoffs bleiben für Pedro Calles eine verflixte Sache. Ausgerechnet sein ehemaliger Klub aus Vechta, mit dem er vor sechs Jahren seine erste Playoff-Serie gewann, sorgte am Sonntag mit einer Gala-Vorstellung in der Berliner Uber Arena für die nun schon 16. Niederlage in Folge des spanischen Trainers in einem Playoff-Spiel. Aber auch seine eigenen ALBA-Spieler machten es dem Trainer mit mangelnder Intensität und fehlendem Fokus, der sich unter anderem auch an der Freiwurflinie offenbarte (nur 17/27 = 63 Prozent), nicht leicht, den Playoff-Fluch zu verjagen. War Vechtas 103:89-Paukenschlag am Sonntag laut genug, um die Berliner Spieler aus ihrer Punktrunden-Mentalität in die raue Playoff-Realität zu holen?
Was wir bisher gelernt haben: RASTA Vechta wurde in den letzten Wochen zu Recht für seine bärenstarke Offensive gepriesen, die in den letzten zehn Spielen im Schnitt 102 Punkte erzielte. Schon im Play-In gegen Trier und jetzt auch zum Playoff-Auftakt in Berlin kaufte das von Trainer Christian Held hervorragend eingestellte Team seinen Gegnern darüber hinaus aber auch mit starker Verteidigung den Schneid ab. Dass Vechta aggressiv in die Berliner Passwege ging, bescherte RASTA am Sonntag zwar 25:16 Fouls. Aber das blieb dank Berliner Freiwurfschwäche und cleverer Foulverteilung weitgehend ohne negative Folgen – im Gegenteil: 14 Steals ließen ALBAs Offensive in dem schnellen Spiel nie so richtig in Fahrt kommen.
Status quo: RASTA hat mit dem 103:89 in Berlin gleich bei der ersten Gelegenheit den Heimvorteil in dieser Viertelfinalserie "Best of Five" geklaut. ALBA muss jetzt am Dienstag zurückschlagen, denn mit einem 0:2-Rückstand zu zwei Spielen nach Vechta zu reisen, käme wohl einem Himmelfahrtskommando gleich.
Duell im Fokus: In Malte Delow (leichte Gehirnerschütterung) und Sam Griesel (spielte nach einer Virus-Infektion nur knapp neun Minuten) fehlten ALBA die beiden Spieler, denen am ehesten zuzutrauen wäre, auf dem Flügel die Kreise von Vechtas Tevin Brown zu stören. Der zuletzt ohnehin gut aufgelegte US-Forward nutzte das für 30 Punkte (5/10 Dreier) und fünf Assists und stellte zudem mit 7/10 Zweiern eine neue Saisonbestleistung auf. In einem Spiel, in dem ALBA auf der Spielmacherposition mit zusammengerechnet 33 Punkten und 14 Assists von Martin Hermannsson und Jack Kayil gegenüber 22 Punkten und sieben Assists von Alonzo Verge und Tommy Kuhse sogar Vorteile hatte, machte das den Unterschied aus.
Zahlen, bitte: Neben dem Übergewicht bei den Steals (17:5) und ALBAs Schwäche an der Freiwurflinie stach in dem Spiel vor allem Vechtas Wurfstärke ins Auge. Während auf Berliner Seite allenfalls Moses Wood den Gegner mit 5/7 Dreiern von außen konstant unter Druck setzte, verwandelte für Vechta nicht nur Tevin Brown selbst unmögliche Dreier mit einer Hand im Gesicht oder aus acht, neun Metern. Auch Tommy Kuhse (4/8) und Lloyd Pandi (3/5) erwischten einen guten Tag an der Dreierlinie. Unter dem Strich machte Vechta 16/32 Dreier (50 Prozent), Berlin nur 12/28 (43 Prozent).

Die ewige Bilanz Von den bisher 16 Punktspielen in der easyCredit BBL gegen ALBA gewann RASTA nur zwei (2018 und 2024 jeweils in Vechta). Das 103:89 war somit RASTAs erster Auswärtssieg in der Hauptstadt. In der aktuellen Saison setzte sich ALBA am 17. Januar mit 18 Punkten von Justin Bean 95:83 in Vechta (Highlights) und am 8. Februar mit 19 Punkten von Moses Wood 84:82 in Berlin (Highlights) durch.
Meilensteine: Philipp Herkenhoff fehlen noch drei Offensiv-Rebounds bis 300. Justin Bean benötigt noch einen Rebound bis 500, Martin Hermannsson einen Dreier bis 150.
Im Blick des Bundestrainers: Der 20-jährige Jack Kayil zählte im ersten Playoff-Spiel seiner noch jungen Karriere mit 16 Punkten und drei Assists (bei nur einem Ballverlust) zu den besseren Berlinern. Für einen Sieg am Dienstag muss aber auch der beste Nachwuchsspieler der Liga wohl noch eine Schippe drauflegen.
Am Rande der Bande: Während Christian Held sein Team pünktlich zu den Playoffs komplett hat, drückt Pedro Calles in Berlin sicher die Daumen, dass er in dieser Serie noch einmal auf Malte Delow zurückgreifen kann. Franz Wagner und Elias Rapieque sind auch in der Stadt, können aber leider nur von außen anfeuern.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Vielleicht startete ALBA ja so verschlafen in die Playoffs, weil einige Fans erst mit Verspätung in der Uber Arena eintrudelten? Dreißig Minuten vor dem Sprungball wurde nämlich ALBAs NBBL-Team zwölf Kilometer westlich in der Sporthalle Charlottenburg mit einem 87:83 gegen ratiopharm ulm Deutscher Jugendmeister. Zweieinhalb Stunden zuvor holte sich auch ALBAs WNBL-Team den Deutschen Meistertitel. So gab es in der Hauptstadt am Sonntag wenigstens etwas zu feiern. German Basketball is mad sexy!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Dienstag ab 18:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Florian von Stackelberg. Als Experte ist Akeem Vargas am Mikro.


















