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Home/Newscenter/Pedro Calles gegen seinen Playoff-Fluch und den alten Klub: Vechtas Offense bläst zum Sturm auf die Berliner Mauer

VorberichtePedro Calles gegen seinen Playoff-Fluch und den alten Klub: Vechtas Offense bläst zum Sturm auf die Berliner Mauer

15. Mai 2026
ALBA BERLIN ist seit dem 17. Spieltag – also über die komplette Rückrunde – Tabellenzweiter der easyCredit BBL. RASTA Vechta hingegen rangierte am 21. Spieltag noch auf dem drittletzten Tabellenplatz in der Gesellschaft der späteren Absteiger Heidelberg und Braunschweig, um dann jedoch wie verwandelt aus der Länderspielpause zurückzukehren. RASTA rollte das Feld mit 10-3 Siegen von hinten auf und zählt mit dieser Bilanz neben Bamberg (12-1) und München (10-3) zu den heißesten Teams der letzten zehn Wochen. Dass Berlin im gleichen Zeitraum auf nur 9-4 Siege kam, sorgt dafür, dass sich dieses Viertelfinale bereits wie ein Halbfinale zweier Teams auf Augenhöhe anfühlt.

Stand: ALBA BERLIN (2) – RASTA Vechta (7) 0-0

Die besondere Brisanz: Vechtas Trainer Christian Held geht mit RASTA Vechta in seine erste Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Auch ALBA BERLINs Trainer Pedro Calles feierte sein Playoff-Debüt 2019 mit Vechta und führte den damaligen Aufsteiger mit 3-1 gegen Bamberg sensationell ins Halbfinale (0-3 gegen München). In späteren Jahren wurden die Playoffs für den Spanier aber zum Albtraum. 2021 und 2022 schied er mit Hamburg gegen Berlin bzw. Bonn und 2023 mit Oldenburg gegen Ludwigsburg jeweils gleich im Viertelfinale sang- und klanglos mit 0-3 aus. Im Vorjahr führte Calles ALBA zwar nach seiner Amtsübernahme im März noch vom 12. Platz in die Playoffs, wo aber erneut im Viertelfinale mit 0-3 gegen Ulm Endstation war. Beendet Calles jetzt nach fünf Sweeps (15 Playoff-Niederlagen) in Folge seinen Playoff-Fluch ausgerechnet gegen seinen Ex-Club, mit dem er 2019 seine einzige und bisher letzte Playoff-Serie gewonnen hat?

Tibor Pleiß (mit Ball) und RASTA Vechta reisen mit viel Selbstbewusstsein zum Playoff-Auftakt nach Berlin. (Foto: Florian Ullbrich)

Was wir bisher gelernt haben: Anders als im Vorjahr werden die Playoffs in dieser Saison wieder – wie zuletzt 2024 – nicht mit wechselndem Heimrecht, sondern im Modus 2-2-1 gespielt. Diese Reisekosten sparende Spielfolge gibt dem schwächer platzierten Team – hier Vechta – zum Auftakt der Serie gleich zwei Chancen, den Heimvorteil zu stehlen. Gerade ein angriffslustiges Team wie Vechta kann diesen Modus zum Auftakt der Serie nutzen, um das besser platzierte Team – hier Berlin – doppelt unter Druck zu setzen. 2024 stand es in drei Viertelfinalpaarungen nach den ersten beiden Spielen 1-1, Chemnitz klaute im Halbfinale das erste der beiden Spiele in Berlin – und ALBA klaute wiederum im Finale das zweite Spiel in München.

Status quo: ALBA BERLIN ist seit dem 17. Spieltag – also über die komplette Rückrunde – Tabellenzweiter der easyCredit BBL. RASTA Vechta hingegen rangierte am 21. Spieltag noch auf dem drittletzten Tabellenplatz in der Gesellschaft der späteren Absteiger Heidelberg und Braunschweig, um dann jedoch wie verwandelt aus der Länderspielpause zurückzukehren. RASTA rollte das Feld mit 10-3 Siegen von hinten auf und zählt mit dieser Bilanz neben Bamberg (12-1) und München (10-3) zu den heißesten Teams der letzten zehn Wochen. Dass Berlin im gleichen Zeitraum auf nur 9-4 Siege kam, sorgt dafür, dass sich dieses Viertelfinale bereits wie ein Halbfinale zweier Teams auf Augenhöhe anfühlt. Unser Experte Stefan Koch freut sich in seiner Kolumne Kochs Nachschlag auf eine großartige Serie.

Duelle im Fokus: Neben Alonzo Verge (mit 18,2 PPG zweitbester Scorer der Liga), der mit 6,5 Assists die Assist-Statistik anführt, punkteten für RASTA in den letzten Wochen auch TJ Bamba und Tevin Brown regelmäßig zweistellig. Am Dienstag beim Play-In-Sieg gegen Trier glänzte zudem die Nachverpflichtung Malik Parsons mit einer Saisonbestleistung von 24 Punkten. Zwar haben die Berliner gegen diese imposante Firepower im Backcourt genügend defensive Gegenmittel wie Jonas Mattisseck, Jack Kayil, Malte Delow oder Sam Griesel in ihrem Arsenal, aber wer nun gegen wen funktioniert, wird sich vielleicht erst im Verlauf der Serie herauskristallisieren und spannend zu verfolgen sein. Im Frontcourt ist Vechta – abseits vom Duell der 2,18-Meter-Riesen Tibor Pleiß und Norris Agbakoko – mit Philipp Herkenhoff größer, mit TJ Bamba (zuletzt auch oft auf der Vier zu sehen) aber kleiner aufgestellt als Berlin, was zu interessanten Mismatches auf den Positionen drei und vier führen könnte. In den beiden Punktspielen waren bezeichnenderweise Justin Bean und Moses Wood Berlins Topscorer gegen RASTA. Ein spannendes Duell ist natürlich auch das der alten Hasen Martin Hermannsson und Tommy Kuhse auf der Eins.

Zahlen, bitte: Vechta war in der Punktrunde mit einer Wurfquote von 48,3 Prozent (gleichauf mit den Bayern) und 90,1 Punkten pro Partie (Rang zwei hinter Trier) das offensivstärkste Team in der easyCredit BBL und markierte im März und April mit 121 Punkten gegen Ludwigsburg, 123 gegen Trier und 120 gegen Braunschweig die drei höchsten in dieser Saison erzielten Punktausbeuten. Berlin verdankt seinen zweiten Tabellenplatz vor allem seiner defensiven Mauer, die ALBAs Gegnern in der Punktrunde nur 77,9 Zähler (zweitbester Wert hinter den Bayern) und nur 42,7 Prozent aus dem Feld (nur übertroffen von der Bamberger Defense) zugesteht. Ludwigsburg kam in Berlin nur auf 47 Punkte (Saison-Minusrekord). Auch den Bayern gelangen bei ihrer Niederlage in Berlin nur 61 Punkte.

Rekordverdächtig: Seit der Saison 1990/91 hat ALBA in jedem Jahr die Playoffs erreicht und startet somit (ohne die Corona-Saison, in der Berlin seine Meisterschaft beim Münchener Bubble-Turnier gewann) zum 35. Mal in Folge in diese Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Auch der Vorgängerclub DTV Charlottenburg war seit Einführung des Playoff-Viertelfinales in der Saison 1985/86 regelmäßig dabei. Dies eingerechnet steht Berlin in dieser Saison bereits zum 40. Mal in Folge in den Playoffs. Bei seinen bisherigen 39 Viertelfinal-Teilnahmen scheiterte der elffache Meister nur zwölfmal (zuletzt 2023 und 2025 gegen Ulm) gleich im Viertelfinale.

Die ewige Bilanz: Auf Vechta trifft ALBA in seiner langen Playoff-Historie zum ersten Mal. RASTA erreichte erstmals 2019 die Playoffs (und qualifizierte sich als Aufsteiger unter Pedro Calles mit 3-1 gegen Bamberg sensationell für das Halbfinale). Eine zweite Playoff-Teilnahme endete 2024 mit 1-3 im Viertelfinale gegen Chemnitz. Von bisher 16 Begegnungen in der easyCredit BBL gegen ALBA gewann RASTA nur zwei (2018 und 2024 jeweils in Vechta). In der aktuellen Saison setzte sich ALBA am 17. Januar mit 18 Punkten von Justin Bean 95:83 in Vechta (Highlights) und am 8. Februar mit 19 Punkten von Moses Wood 84:82 in Berlin durch.

Meilensteine: Philipp Herkenhoff fehlen noch drei Offensiv-Rebounds 300, Justin Bean acht Rebounds bis 500 und ein Steal bis 100. Martin Hermannsson benötigt noch zwei Dreier 150. Malte Delow fehlen noch sieben Dreier bis 200.

Alte Bekannte: Philipp Herkenhoff und Luc van Slooten standen bereits 2019 in den Playoff-Serien gegen Bamberg und München unter Pedro Calles im Vechtaer Aufgebot. Der damals 20-jährige Herkenhoff kam als Starter sogar auf im Schnitt 10,8 Punkte und 5,2 Rebounds.

Im Blick des Bundestrainers: Der in Berlin groß gewordene Jack Kayil verließ ALBA im Sommer 2023 in Richtung Vechta, weil er dort neben der NBBL in der ProA spielen konnte anstatt in Berlin für Lok Bernau in der ProB. Wie 2023 mit ALBAs U19 gewann er 2024 – bei diesem zweiten Titel als MVP – auch mit Vechta die NBBL. Nach einem Wechsel zum von seinem Agenten in Belgrad protegierten Club (Mega Basket) kehrte der Nationalspieler im vergangenen Sommer auf Leihbasis zwar nur für eine Saison in seine Geburtsstadt Berlin zurück, aber der Move erwies sich für beide Seiten als Gewinn. Kayil ist mit seiner Unberechenbarkeit auf der Eins in Berlin ein perfekter Partner für den umsichtigen Martin Hermannsson. Als bester Nachwuchsspieler der easyCredit BBL und der Basketball Champions League steigerte der 20-Jährige seinen Bekanntheitsgrad so stark, dass Spekulationen aufkommen, ob er im Sommer vielleicht nicht erst ans College (Gonzaga), sondern gleich in die NBA wechselt.

Am Rande der Bande: ... setzte zuletzt bei Vechta regelmäßig Booker Coplin als siebter Ausländer aus. Berlin hat seit der Trennung von Martynas Echodas nur noch fünf Import-Spieler im Aufgebot.

Sonstiges: ALBA-Kapitän Jonas Mattisseck hat unter der Woche seinen Vertrag in Berlin bis 2028 verlängert.

In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Vechta ist mit knapp 34.000 Einwohnern der kleinste Standort in der easyCredit BBL und Berlin mit 3,7 Millionen der größte. Auch, dass sich zwei so unterschiedliche Standorte jetzt in den Playoffs begegnen, trägt dazu bei, dass German Basketball so mad sexy ist!

Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Sonntag ab 18:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Heiko Schaffartzik. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro.