Science City Jena spielt das schlechteste erste Viertel der Saison und liegt früh mit 5:22 zurück. Die MLP Academics Heidelberg führen zwischenzeitlich sogar mit 20 Punkten, geraten aber am Ende ins Schwimmen und retten sich in die Verlängerung. Da beweist Jena die besseren Nerven und sichert sich den Klassenerhalt. Heidelberg und die Basketball Löwen Braunschweig stehen damit vor dem letzten Spieltag als Absteiger fest.
Spielverlauf: Mit seinem zweiten erfolgreichen Dreier schoss Mateo Seric sein Team nach gut sechs Minuten erstmals zweistellig in Führung (16:4). Doch Jenas folgende Auszeit brachte keine Besserung: Nach dem ersten Viertel verzeichneten die Gastgeber eine Wurfquote von eins von zwölf aus dem Feld sowie acht Ballverluste, welche die Gäste für eine eigene 22:5-Führung zu nutzen wussten. Im zweiten Viertel fand Jena dann in den passenden Modus und gestaltete den Abschnitt nicht nur ausgeglichener, sondern verkürzte den Rückstand sogar um vier Punkte, sodass es mit 30:43 in die Halbzeit ging.
Auch nach dem Seitenwechsel bewies Jena Kampfgeist, allerdings gelang es ihnen nicht, Heidelberg nachhaltig unter Druck zu setzen. Erst mit dem Buzzerbeater von Keith Braxton zum 47:59 kam Science City wieder ins Rollen – und wie! Viertelübergreifend gelang ein 10:0-Lauf, und plötzlich stand Heidelberg bei 54:59 gehörig unter Druck. Durch einen weiteren Dreier von Braxton zum 66:66 glich Jena eineinhalb Minuten vor Ende aus, bevor der nächste Dreier von Joe Wieskamp die erste Führung brachte (69:67). Jetzt aber bewies Heidelbergs Niklas Würzner Nervenstärke, der mit zwei getroffenen Freiwürfen zum 69:69 ausglich und sein Team in die Verlängerung rettete.
In der übernahm Joe Wieskamp das Kommando: sechs Punkte machte der große Flügelspieler in der Overtime, am wichtigsten war sein Dreier zum 80:77 zwanzig Sekunden vor dem Ende. Denn Ryan Mikesell vergab die Chance auf den Ausgleich, und Mateo Seric konnte nach Offensivrebound und Foul nur auf einen Punkt verkürzen. Mit weniger als einer Sekunde auf der Uhr wurde Wieskamp nochmals gefoult und traf den letzten Freiwurf zum Endstand.
Abstiegskampf: Der hat hiermit ein Ende. Science City Jena feiert den zwölften Saisonsieg und damit den Klassenerhalt. Nun steht das Team aus Thüringen drei Siege vor Heidelberg und Braunschweig und ist nicht mehr einzuholen, wie auch der Tabellenrechner belegt.
Duell im Fokus: Es war nicht Mikesell, sondern Seric, der für Heidelberg als Scorer voranging. 17 Punkte machte der Power Forward und sammelte dazu sieben Rebounds ein. Dabei traf der Heidelberger auch drei Dreier. Ihm gegenüber spielte Joe Wieskamp die entscheidende Rolle, was sicher auch daran lag, dass er mit über 40 Minuten so lange wie kein anderer Spieler auf dem Feld stand.

Spieler des Spiels: Wieskamp war mit 19 Punkten erfolgreichster Werfer des Abends und griff dazu sechs Rebounds ab. Drei getroffene Dreier sind für ihn nichts Besonderes, aber einer davon war besonders wichtig, da er die Entscheidung in der Overtime besiegelte. Auf die Frage am Dyn-Mikrofon, ob er denn kommende Saison noch in Jena spielt, antwortete er nur "We will see" - und ließ sich alle Optionen offen.
Zahlen, bitte: Mit zwanzig Punkten lag Jena nach der Halbzeit zurück (30:50), und doch drehte Science City das Spiel. Dabei übernahmen man erstmals im letzten Viertel des Spiels selbst die Führung.
Rekordverdächtig: Zwanzig Punkte in einer zweiten Halbzeit aufzuholen, das klingt schon sehr spektakulär. Allerdings gab es doch noch größere Aufholjagden, wie die Historie zeigt: Die EWE Baskets Oldenburg holten 2017 einen Rückstand von 27 Punkten zur Halbzeit auf, RASTA Vechta gelang das sogar in einem einzigen Viertel.
Die Deutschen: Niklas Würzner machte 14 Punkte, holte vier Rebounds und verteilte sieben Assists. Zudem zeigte er sich gefestigt, als er seinem Team per Freiwurf noch die Chance auf die Overtime eröffnete.
Am Rande der Bande: Bei Heidelberg fehlten wie zuletzt die Guards DJ Horne und Kevin McClain.
Historisches: Es ist ein Novum: Die MLP Academics Heidelberg und die Basketball Löwen Braunschweig steigen 2026 ab – obwohl sie 2025 noch im Viertel- bzw. Halbfinale standen. Und in der bald 60-jährigen Geschichte der Liga sind noch nie in einer Saison zwei Teams sportlich abgestiegen, die im Vorjahr noch in den Playoffs bzw. der früheren Meisterschafts-Endrunde standen. Seit die Liga 1975 erstmals eingleisig wurde, stiegen bisher überhaupt nur vier Vereine sportlich ab, die in der Saison vorher die Postseason erreicht hatten* – und darunter waren kurioserweise auch Heidelberg und Braunschweig:
- BG Göttingen (2011 im Viertelfinale, 2012 abgestiegen)
- SG Braunschweig (1993 im Viertelfinale, 1994 abgestiegen)
- Steiner Bayreuth (1991 im Halbfinale, 1992 abgestiegen)
- USC Heidelberg (1979 Sechster der Endrunde, 1980 abgestiegen)
Für Braunschweig ist es der vierte sportliche Abstieg nach 2006 (dank Liga-Aufstockung von 16 auf 18 Teams per Wildcard gerettet), wie oben aufgeführt 1994 sowie 1989, als man als Aufsteiger mit 0:22 Siegen in der Hauptrunde und 0-6 Siegen in der Abstiegsrunde scheiterte. Der zweifache Deutsche Meister USC Heidelberg (1973, 1977) stieg früher auch bereits drei Mal ab – wie oben aufgeführt 1979, dazu 1982 als Aufsteiger und letztmalig 1985, wonach es 36 Jahre dauerte, bis man 2021 als MLP Academics wieder erstklassig wurde.
*Abgesehen davon gab es zwei Playoff-Teams, die im Jahr darauf sportlich abgestiegen waren, aber per Wildcard erstklassig blieben: 2009 die Eisbären Bremerhaven (Viertelfinalist) und 2002 der Mitteldeutsche BC (Viertelfinalist) sowie einige Playoff-Teams, die meist aus finanziellen Gründen zurückzogen: 2015 die Artland Dragons (Halbfinalist), 2008 die Bayer Giants Leverkusen (Viertelfinalist), 1995 der TuS Bramsche (Viertelfinalist), 1990 Galatasaray Köln (Halbfinalist) und 1988 ASC Göttingen (Viertelfinalist).
Wie gehts weiter: Science City Jena hat es am Sonntag mit ALBA Berlin zu tun; die MLP Academics Heidelberg stehen gegen RASTA Vechta in eigener Halle auf dem Parkett.
Video: Highlights zu dieser Partie gibt es in Kürze hier bei Dyn oder auch auf dem Youtube-Kanal von Dyn und der Liga.



















