Nachdem ich zuletzt über den Kampf um die Play-Ins geschrieben habe, soll es heute darum gehen, welche Teams außer den bereits qualifizierten München, Berlin, Bamberg und Bonn die besten Chancen haben, direkt die Playoffs zu erreichen. Aber vorher ein paar Worte zur außergewöhnlichen Gesamtlage zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde.
Kochs Vorspeise
Was für eine Dramatik: 14 der 18 BBL-Klubs kämpfen noch um entscheidende Tabellenplätze für Playoffs, Play-Ins und Klassenerhalt, wie der Tabellenrechner auch zeigt.
- Ganz unten strampeln mit Jena (11-21), Heidelberg und Braunschweig (jeweils 9-23) drei Klubs gegen den Abstieg, wobei die beiden erstgenannten Teams am Donnerstag sogar gegeneinander spielen (wer wie nicht absteigt, wird hier erklärt).
- Chemnitz, Oldenburg und Rostock (jeweils 15-17) kämpfen noch darum, es überhaupt in die Play-Ins zu schaffen.
- Ludwigsburg (17-15), Vechta und Trier (jeweils 16-16) könnten sich noch direkt für die Playoffs qualifizieren, aber auch sogar noch aus den Play-Ins purzeln.
- Würzburg (18-14) und Ulm (18-15) stünden aktuell in den Playoffs, die Franken könnten sogar noch das Heimrecht für das Viertelfinale sichern, beide Teams könnten aber auch noch auf die Play-In-Ränge abrutschen.
- Bonn (20-12) könnte Dritter bis Fünfter werden (womit das Heimrecht im Viertelfinale also noch nicht gesichert ist) und tritt am letzten Spieltag sogar beim aktuell Dritten Bamberg an.
- Bamberg (22-10) könnte Zweiter oder Dritter werden, allerdings auch noch auf den vierten Platz abrutschen und damit eventuell bereits im Halbfinale auf Titelverteidiger München treffen (gegen den allerdings zwei der drei Saisonduelle gewonnen wurden).
- Berlin (23-10 Siege) könnte auch noch Zweiter oder Dritter werden, also ggf. ein fünftes Halbfinale zu Hause oder auswärts haben.
Sicher ist nach 32. Spieltagen bisher nur dies: München wird vom Spitzenplatz in die Playoffs gehen, und im Niemandsland der Tabelle können Weißenfels, Hamburg und Frankfurt (Plätze 13-15) nicht mehr in die Postseason kommen und nicht mehr absteigen.
Der Hauptgang
Kommen wir jetzt zum Kampf um die direkten Playoff-Ränge!
Fitness First Würzburg Baskets (5., 18-14)

Nach dem so wichtigen Erfolg gegen Ulm besteht für die Unterfranken sogar noch die Chance, das Heimrecht in der ersten Runde zu ergattern. Dafür müssten die Bonner allerdings noch zwei Mal verlieren. Das eigene Restprogramm Würzburgs ist mit einem Auftritt in Hamburg und der Heimpartie gegen den direkten Konkurrenten Ludwigsburg lösbar. Die Doppelbelastung durch die Champions League existiert nicht mehr, die dort gegen starke Teams wie Galatasaray Istanbul, Malaga und Badalona gemachten Erfahrungen können in der entscheidenden Saisonphase aber extrem hilfreich sein.
ratiopharm ulm (6., 18-15)

Die „Uuulmer“ sind so etwas wie die Wundertüte dieser Spielzeit. Die Ausschläge nach oben und unten sind groß und unkalkulierbar. Als einzige Mannschaft neben ALBA BERLIN bestreiten die Schützlinge von Ty Harrelson nur noch eine Begegnung, es geht nach Frankfurt. Da die SKYLINERS personell geschwächt sind und im Niemandsland der Tabelle festsitzen, verfügen die Gäste über gute Chancen. Allerdings dürfen sich die Ulmer nicht erneut 26 Ballverluste leisten wie zuletzt in Würzburg. Zudem müssen sie ihre zuletzt eklatante Auswärtsschwäche überwinden. Fünf der letzten sechs Partien in fremden Hallen, unter anderem bei den Abstiegskandidaten Heidelberg und Braunschweig, gingen verloren.
MHP RIESEN Ludwigsburg (7., 17-15)

Das Restprogramm der Ludwigsburger hat es in sich. Zunächst empfangen die Barockstädter den Tabellenführer aus München, und danach müssen sie in Würzburg antreten. Unter diesem Aspekt ist die Wochenendniederlage in Braunschweig noch bitterer. Bei den Löwen wäre der Sieg mit mehr Konsequenz möglich gewesen. So verpassten die Schwaben ohne den an der Wade verletzten Kapitän Yorman Polas Bartolo den selbsterklärten Pflichtsieg, was sie wahrscheinlich einen Platz unter den ersten Sechs kosten wird. Aktuell ist die Abhängigkeit vom Dreipunktewurf und der Form von Stefan Smith sehr hoch. Die Gefahr ist groß, das formulierte Ziel der direkten Playoff-Teilnahme zu verpassen.
RASTA Vechta (8., 16-16)

Diese Mannschaft ist heiß wie Frittenfett! Daran ändert auch die knappe Niederlage bei den Bayern nichts. Vechta war dicht dran, in München zu gewinnen, und bestätigte die gute Form nach zuvor neun Siegen aus zehn Spielen. Auch ohne ihre verletzte Nachverpflichtung Tibor Pleiß marschieren die Marley-Jünger. Ihre Offensive ist in den letzten Wochen die beste der Liga. Trotz des vermeintlich guten Restprogramms mit Partien gegen Rostock und in Heidelberg wird die direkte Playoff-Qualifikation aber schwierig, weil die Mannschaft von Christian Held auf Schützenhilfe angewiesen ist.
VET-CONCEPT Gladiators Trier (9., 16-16)

Rechnerisch ist die direkte Playoff-Teilnahme für den Neuling noch möglich, aber realistisch ist sie kaum mehr. Nachdem die Trierer gegen Oldenburg die vierte Niederlage in Serie einstecken mussten, geht es eher darum, sich nach hinten abzusichern. Denn Chemnitz, Oldenburg und Rostock, die alle nur einen Sieg weniger auf dem Konto haben, verfügen über den besseren direkten Vergleich in den Duellen mit den Gladiatoren. Geht man davon aus, dass Oldenburg (in München) und Rostock (in Vechta) mindestens noch einmal verlieren werden, könnte Trier mit einem Heimsieg am letzten Spieltag gegen den SYNTAINICS MBC die Play-Ins buchen.
Kochs Nachschlag
Ich tippe, dass Würzburg und Ulm ihre Playoff-Plätze behalten werden. Ich erwarte nicht, dass Ulm in Frankfurt patzen wird. Die Ulmer sind sich der Bedeutung dieser Partie bewusst und haben eine ganze Woche zur Vorbereitung, während die Hessen zuvor noch in Chemnitz antreten müssen und personell gebeutelt sind. Sollten die SKYLINERS aber trotzdem für eine Überraschung sorgen, dann gebe ich Vechta die besten Chancen, davon zu profitieren und direkt in die Playoffs einzuziehen.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.
Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital, DAZN und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Im Podcast "Talkin‘ Basketball", der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist, sprechen er und Oliver Dütschke regelmäßig mit Protagonisten aus der deutschen Basketballszene. Seine Kolumne zum BBL-Geschehen findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag".




















