Stand: ALBA BERLIN (2) – BMA365 Bamberg Baskets (3) 1-0
Die besondere Brisanz: Spätestens als kurz vor Ende der Auftaktpartie dieser Halbfinalserie die ALBA-Fans nach einem Foul von Zach Ensminger den Kult-Schlachtruf "Ensminger raus!" aus der Mottenkiste holten, war die langjährige Rivalität zwischen diesen beiden Klubs wieder allgegenwärtig. War es doch Zachs Vater, die Center-Legende Chris Ensminger, der vor 22 Jahren am 25. Mai 2004 mit Bamberg im Halbfinale ALBAs damals sieben Jahre währende Dominanz im deutschen Basketball beendete. Der damalige Bamberger 93:68-Sieg (mit 17 Punkten und acht Rebounds von Ensminger sowie 25 Punkten des jungen Steffen Hamann, hier ein Video) war allerdings der bis heute letzte Bamberger Playoff-Sieg in Berlin – womit wir wieder in der Gegenwart sind. Auch der letzte Bamberger Punktsieg an der Spree (89:80 am 20. November 2016) ist schon fast zehn Jahre her. Berlin bleibt auch nach der 86:105-Niederlage im ersten Playoff-Halbfinalspiel ein hartes Pflaster für Bamberg. Um ins Finale einzuziehen, müssen die BMA365 Bamberg Baskets aber mindestens ein Spiel in Berlin gewinnen. Die nächste Chance dafür ergibt sich schon am Montag.
Die ewige Bilanz: Von jetzt 133 Spielen hat Berlin 84 und Bamberg 49 gewonnen. In eigener Halle hat Berlin von 65 Heimspielen nur elf verloren. Zuletzt gelangen ALBA seit 2016 gegen Bamberg nun zwölf Heimsiege in Folge.
Was wir bisher gelernt haben: Mit einem gesunden Martin Hermannsson und einem fitten Jack Kayil ist ALBA BERLIN ein anderes Team als noch am Pokal-Wochenende. Bambergs Plan, die Verbindung zwischen den beiden Spielmachern und den anderen ALBA-Spielern zu stören, ging nicht auf. Hermannsson (neun Punkte und sechs Assists) zelebrierte lässig seine No-Look-Pässe und bildete im Spielaufbau mit Kayil (18 Punkte und sechs Assists) sowie Malte Delow (14 Punkte und sieben Assists) ein Kreativ-Trio, das Bamberg nicht in den Griff bekam. Während ALBA seine Saisonbestmarke auf 28 Assists schraubte, konnten auf Bamberger Seite weder Cobe Williams (musste zwischenzeitlich auch noch mit einen umgeknickten Knöchel raus) noch Zach Ensminger ihre Mitspieler vergleichbar in Szene setzen.
Status quo: Bis ins zweite Viertel hinein und dann wieder ab den letzten Minuten des dritten Viertels lieferten sich Berlin und Bamberg am Samstag mit aggressiver Defense einen harten Playoff-Schlagabtausch mit sogar leichten Vorteilen für die Gäste. Die Entscheidung fiel aber um die Halbzeitpause herum zwischen der 15. und der 29. Minute, als die Bamberger Defense komplett die Kontrolle über das Spiel verlor. ALBA generierte in diesen nur 14 Minuten mit guter Ballbewegung innen und außen gute Würfe für einen vernichtenden 43:15-Lauf, während die Bamberger Würfe in dieser Phase reihenweise ihr Ziel verfehlten. Bambergs Trainer Anton Gavel konnte das Steuer weder in Auszeiten noch in der Halbzeitpause herumreißen. Erst nach seiner letzten Auszeit gegen Ende des dritten Viertels, in der Gavel an die Ehre der Spieler appellierte ("Wir machen uns hier lächerlich"), fand Bamberg wieder zu seinem Spiel. Wenn die Oberfranken einen Fuß in diese Serie bekommen wollen, darf sich ein solcher Blackout am Montag nicht wiederholen.
Duelle im Fokus: Auch unter den Körben hatte ALBA dank Norris Agbakoko und J'Wan Roberts gegen Daniel Keppeler und den glücklosen EJ Onu etwas überraschend Vorteile. Dass Agbakoko unter früher Foulbelastung litt, wurde für Berlin nicht zum Nachteil, weil der nachverpflichtete Michael Rataj (14 Punkte), der sich ohnehin immer mehr zum X-Faktor im Berliner Team mausert, aushelfen konnte und als Stretch-Fünfer ALBAs Offensive sogar um eine neue Facette bereicherte. Auf der Vier half Rataj zudem, Demarcus Demonia halbwegs im Zaum zu halten. Bamberg Topscorer Ibi Watson machte seine obligatorischen 16 Zähler, konnte gegen Sam Griesel bzw. Malte Delow aber nie einen seiner gefürchteten Läufe starten.

Zahlen, bitte: Bambergs 86 Punkte und die Zweierquote von 57 Prozent entsprechen ungefähr den Werten, die die Oberfranken auch über die gesamte Saison auflegen (89,7 PPG und 57,5 Prozent Zweier). Einzig die Dreierquote von 31 Prozent blieb unter dem Bamberger Saisonschnitt (37 Prozent). ALBA BERRLIN stellte unterdessen mit seinen 105 Punkten am Samstag eine neue Bestmarke in den bisherigen Playoffs auf und übertraf seinen Saisonschnitt von 55,5 Prozent Zweiern und 33,8 Prozent Dreiern mit 78 Prozent Zweiern (!) und 43 Prozent von Downtown deutlich.
Meilensteine: Zach Ensminger (Bamberg) fehlen noch zwei Dreier bis 100 und Malte Delow (Berlin) noch zwei Dreier bis 200.
Am Rande der Bande: Am Samstag hatten Pedro Calles und Anton Gavel alle Mann an Bord. Justin Bean in der ersten und Cobe Williams in der zweiten Halbzeit mussten für einige Zeit vom Parkett, konnten nach Behandlung durch die medizinische Abteilung aber später wieder mitwirken.
Sonstiges: In den USA ist ein Streit in der College-Liga NCAA über die Spielberechtigung von Spielern entbrannt, die bereits in der EuroLeague oder in nationalen Profi-Ligen wie der easyCredit BBL aktiv waren. Sports Illustrated vermutet, dass der von Jack Kayil bzw. seinen Agenten verkündete Verbleib im Draft-Prozess in diesem Zusammenhang steht. Es spricht für Kayils Reife, dass er diesen Trubel um seine Zukunft in den jetzigen BBL-Playoffs offenbar total ausblenden kann.
Was die Lokalpresse schreibt: Sebastian Schneider schreibt als Autor für den rbb über Verkehrspolitik, Geschichte und Architektur. Als erklärter Basketball-Fan verfolgt er in Berlin auch die größeren ALBA-Spiele und schreibt darüber wie hier in seinem Beitrag “Der Korb ist so groß wie ein Planschbecken” höchst unterhaltsam.
Im Blick des Bundestrainers: Alex Mumbru dürfte sich darüber gefreut haben, dass 77 der 105 Berliner Punkte auf das Konto von deutschen Spielern gingen. Der Bundestrainer verbringt das Wochenende in Berlin, um unter anderem mit den Berliner Nationalspielern Jack Kayil, Malte Delow, Jonas Mattisseck und Norris Agbakoko zu sprechen. Auch der Name von Michael Rataj dürfte nach dessen jüngsten Playoff-Auftritten mittlerweile im Notizbuch des Bundestrainers stehen.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Die wettbewerbsübergreifende Konkurrenz war am Samstag in Berlin groß: Im TV wurde z. B. das Finale der Champions League übertragen, und im Berliner Olympiastadion spielte Metallica. Trotzdem fanden gut 6.000 Nerds den Weg in die Max-Schmeling-Halle, die auf Fußball und Heavy Metal pfeifen, weil sie wissen: German Basketball is mad sexy!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Montag ab 18:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wo es jetzt auch den Playoff-Pass gibt (hier die Details zum Angebot). Kommentator ist Heiko Schaffartzik. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es die Partie live und free hier im SPORTBILD-Stream.

















