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Home/Newscenter/Ortswechsel zum dritten Finale: Nutzen die Albatrosse in Berlin ihren Heimvorteil besser als die Bayern ihren in München?

VorberichteOrtswechsel zum dritten Finale: Nutzen die Albatrosse in Berlin ihren Heimvorteil besser als die Bayern ihren in München?

15. Juni 2026
Mit seinem überraschenden 79:86 gegen ALBA BERLIN hat der Titelverteidiger FC Bayern München Basketball am Sonntag nicht nur zum ersten Mal nach 16 Siegen in Folge wieder ein Spiel verloren, sondern auch den Heimvorteil in der Finalserie best-of-five an die Hauptstädter abgegeben. Um die Serie zu gewinnen und damit den ersten Three-peat in seiner Vereinsgeschichte noch perfekt zu machen, muss der Titelfavorit nun mindestens ein Spiel auswärts in der Hauptstadt gewinnen.

Stand: FC Bayern Basketball (1) – ALBA BERLIN (2) 1-1

Status quo: Mit seinem überraschenden 79:86 gegen ALBA BERLIN hat der Titelverteidiger FC Bayern Basketball am Sonntag nicht nur zum ersten Mal nach 16 Siegen in Folge wieder ein Spiel verloren, sondern auch den Heimvorteil in der Finalserie "Best of five" an die Hauptstädter abgegeben. Um die Serie zu gewinnen und damit den ersten Three-Peat in seiner Vereinsgeschichte noch perfekt zu machen, muss der Titelfavorit nun mindestens ein Spiel auswärts in der Hauptstadt gewinnen.

Jonas Mattisseck (Mitte) und seine Kollegen treffen am Mittwoch vor heimischer Kulisse auf den FC Bayern Basketball. (Foto: Christina Pahnke)

Die besondere Bilanz: ALBA trägt seine beiden Heimspiele der Finalserie in der mit nur 8.500 Sitzplätzen vergleichsweise engen Max-Schmeling-Halle aus, die sich aber schon im Halbfinale bei den Siegen gegen Bamberg (105:86, 85:71 und 97:66) mit Hexenkessel-Atmosphäre als echte Festung erwiesen hat. Als Team betreten die Bayern die Berliner Ausweicharena zum ersten Mal. Allenfalls Niels Giffey und Oscar da Silva erlebten in ihren Berliner Jahren einige Abstecher dorthin – und natürlich die Bayern-Trainer: Svetislav Pesic wurde mit ALBA in der Max-Schmeling-Halle von 1997 bis 2000 viermal und Emir Mutapcic sogar siebenmal in Folge deutscher Meister (zunächst als Pesics Assistent und von 2001 bis 2003 als Headcoach).

Was wir bisher gelernt haben: Lieferten sich München und Berlin im ersten Spiel am Freitag noch – mit leichten Vorteilen für die am Ende 102:94 siegreichen Gastgeber (Highlights) – einen spektakulären offensiven Schlagabtausch, wechselte die Serie am Sonntag in den Defensiv-Modus, der den Berlinern besser stand. Trainer Pedro Calles hatte die Berliner Verteidigung stärker auf Münchens Topscorer Andreas Obst zugeschnitten, dem wechselnde Verteidiger permanent auf den Füßen standen. Dem am Freitag noch mit 33 Zählern (11/18 Würfe) erfolgreichen Nationalspieler gelangen am Sonntag nur noch zwölf Punkte (3/13 Würfe). Analog sank Bayerns Dreierquote von 50 auf nur noch 28 Prozent. Umgekehrt fanden die Münchner nur phasenweise Mittel, um das ausgeglichene Berliner Scoring zu stören. ALBA steigerte seine Wurfquote von 51 Prozent am Freitag sogar noch auf 52 Prozent am Sonntag (bei den Dreiern von 43 auf 48 Prozent).

Duelle im Fokus: Auf der Eins und der Fünf ergeben sich in diesem Finale interessante Duelle der Gegensätze. Der defensivstarke, aber offensiv in dieser Saison mit durchschnittlich 3,9 Punkten (36 Prozent aus dem Feld) unauffällige Justus Hollatz startet gegen Martin Hermannsson. Der Isländer dirigiert Berlins Offensive mit 11,9 Zählern (46 Prozent Wurfquote) und 5,3 Assists mit lässiger Souveränität, gilt jedoch nicht unbedingt als bissiger Verteidiger. Auf der Centerposition erlebt Nationalcenter Johannes Voigtmann mit seinen genialen Anspielen und einer bis hinter die Dreierlinie reichenden Korbgefährlichkeit in den Playoffs ein Comeback als Starter, nachdem er in der Punktrunde von Svetislav Pesic nur knapp zwölf Minuten pro Spiel eingesetzt worden war, was die Experten mit Defiziten in der Defense erklärten. Nun trifft der Co-Kapitän des Welt- und Europameisters auf den defensivstarken Norris Agbakoko, der in der Offensive aber berechenbar bestenfalls aus der Halbdistanz scort. Trotzdem war Agbakoko in den ersten beiden Spielen noch vor Hermannsson (25 Punkte und 15 Assists) zusammengerechnet mit 30 Punkten Berlins Topscorer. Bei den Bayern blühte Hollatz offensiv mit fünf von acht Dreiern und 21 Punkten als drittbester Scorer hinter Andi Obst (45) und Nemo Dimitrijevic (24) auf. Bester Münchner Passgeber war unterdessen Center Voigtmann mit elf Assists.

X-Faktor: Xavier Rathan-Mayes und Svetislav Pesic gerieten bei einer Auswechslung im Schlussviertel des ersten Spiels heftig aneinander, wie Dyn hier zeigt. Der Kanadier blieb für den Rest des Spiels auf der Bank und sah auch am Sonntag im zweiten Spiel keine einzige Minute auf dem Parkett. Lässt Pesic den korbgefährlichen MVP des Halbfinales (im Schnitt 19 Punkte gegen Bonn!) nach dieser zweistündigen Bedenkzeit in Berlin wieder von der Leine?

Zahlen, bitte: Im Halbfinale gegen Bamberg machte sich Berlin mit im Schnitt 16,6 Ballverlusten und zuweilen wackeliger Freiwurfquote das Siegen noch schwerer als es gegen diesen heiß gelaufenen Gegner ohnehin war. In München passten die Berliner bei nur 13 (am Freitag) bzw. zehn (am Sonntag) Ballverlusten besser auf den Ball auf. Die Berliner Freiwürfe fanden bei der Niederlage am Freitag zu 85, beim Sieg am Sonntag aber wieder nur zu 65 Prozent ihr Ziel. München war mit 95 bzw. 94 Prozent in beiden Begegnungen an der Linie hingegen nahezu makellos. Die Bayern gewannen in beiden Spielen das Rebound-Duell in der ersten Halbzeit deutlich (17:9 bzw. 22:12), um es nach dem Seitenwechsel jeweils 15:20 bzw. 15:21 zu verlieren.

Im Blick des Bundestrainers: Alex Mumbru sieht hier aus seiner Sicht ganz besondere Endspiele. Denn in den BBL-Finals stehen in beiden Kadern zusammen zwölf DBB-Nationalspieler, die in den ersten beiden Partien 56,0 Prozent der Gesamtpunkte beider Teams erzielt (202 von 361 Zählern) und 55,4 Prozent aller Spielminuten (443 von 800) abgegriffen haben. Sieben der zehn Starter sind deutsche Nationalspieler, und unter den acht Akteuren, die bisher in den Finals am längsten gespielt haben, stehen außer Berlins Martin Hermannsson (25:14 MPG) und Justin Bean (23:20) eben auch Andi Obst (27:42), Joe Voigtmann (26:09), Oscar da Silva (24:04) und Justus Hollatz (21:19) von den Bayern sowie Berlins Norris Agbakoko (22:47) und Jack Kayil (21:50).

Zugegeben: die meisten der Welt- und Europameister, obwohl von Bundesligisten ausgebildet, spielen mittlerweile im Ausland, und dazu wechselten viele deutsche Talente im vergangenen Sommer ans College, aber in den BBL-Finals ist davon nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil spielen die einheimischen Akteure in der Finalserie die größte Rolle, seit das Bosman-Urteil von 1995 den Profisport des neuen Jahrtausends für immer veränderte. Die Bestwerte bei Punkten und Spielzeit seitdem waren die Finals von 1999 (Berlin gegen Bonn), 2000 (Berlin gegen Leverkusen) und 2002 (Köln gegen Berlin). Danach hatten die einheimischen Profis in der Regel weniger Einfluss beim Höhepunkt der Saison – siehe beispielsweise die vergangenen beiden Jahre 2024 und 2025:

Finals:      Deutsche Punkte:      Deutsche Minuten:
2026:        56,0 Prozent               55,4 Prozent
1999:        47,6 Prozent               53,8 Prozent
2000:        47,6 Prozent               53,7 Prozent
2002:        45,4 Prozent               52,9 Prozent
2024:        39,2 Prozent               47,7 Prozent
2025:        38,8 Prozent               45,9 Prozent

Lesetipp: Natürlich hat sich auch unser Kolumnist Stefan Koch in seinem aktuellen Text dieser bemerkenswerten Statistik angenommen.

Die ewige Bilanz: In Berlin und München treffen in diesem Finale die beiden dominierenden Clubs der letzten zwölf Jahre aufeinander. Die Bayern wurden in diesem Zeitraum fünfmal und ALBA dreimal Meister. Seit 2013/14 stehen sie sich zum sechsten Mal im Finale gegenüber. In der ewigen Bilanz führt München mit 42:37 Siegen, aber in eigener Halle haben die Berliner mit 21:15 die Nase vorne. In der Punktrunde hat ALBA in den letzten drei Jahren jeweils seine Heimspiele gewonnen (in dieser Saison 67:61 am fünften Spieltag), aber im Rahmen der 2024 gewonnenen Finalserie (3:1) holten die Bayern beide Spiele in Berlin und feierten dort auch ihren Titel.

Rekordverdächtig: Vladimir Lucic feiert am Mittwoch in Berlin seinen 37. Geburtstag. Der serbische Forward spielt in seiner zehnten Saison sein 283. Spiel für die Bayern in der easyCredit BBL – dicht gefolgt mit nur einem Spiel weniger von Jonas Mattisseck. Lediglich 14 aktuelle BBL-Spieler haben noch mehr BBL-Einsätze auf dem Buckel, darunter Niels Giffey (396, davon 245 für ALBA), Andreas Obst (349) und Elias Harris (297). Aber keiner von ihnen hat wie Lucic und Mattisseck alle Spiele ausschließlich für ein und denselben Club gespielt.

Meilensteine: Oscar da Silva fehlen noch sieben Rebounds bis 500.

Alte Bekannte: Auf der Vier liefern sich der Ex-Berliner Oscar da Silva und der frühere Münchener Michael Rataj ein Schlüsselduell in dieser Serie. Am Freitag hatte da Silva mit zehn Punkten, sechs Rebounds und drei Steals die Nase vorne, am Sonntag Rataj mit 15 Punkten bei nur einem Fehlwurf.

Am Rande der Bande hat Pedro Calles in Berlin sein komplettes Aufgebot am Start. Svetislav Pesic steht angesichts eines tieferen Kaders vor der Qual der Wahl, hat sich aber offenbar für die Finals auf eine feste Zwölfer-Rotation festgelegt, wobei der letztjährige Berliner David McCormack auf der Fünf den Vorzug vor Wenyen Gabriel erhält.

Sonstiges: Jack Kayil hat die letzte Chance, seine Anmeldung für den NBA-Draft zurückzuziehen, am 12. Juni verstreichen lassen. Mit 15 Punkten und nun offenbar wieder freiem Kopf für gute Entscheidungen hatte der junge Nationalspieler nach zuletzt etwas schwächeren Spielen im Halbfinale am Sonntag maßgeblichen Anteil am Berliner Überraschungssieg im SAP Garden.

In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Bei der gerade laufenden Fußball-Weltmeisterschaft spielt die DFB-Auswahl in den ersten 18 Tagen also genau drei Vorrundenspiele? Nun ja, die deutschen Basketballer waren bei der vergangenen Basketball-WM nach nur 17 Tagen bereits mit 8-0 Siegen Weltmeister. Wollten wir nur kurz erwähnen. Das ist auch mittlerweile drei Jahre danach immer noch mad sexy!

Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Mittwoch ab 20 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wo es jetzt auch den Playoff-Pass gibt (hier die Details zum Angebot). Kommentator ist Chris Schmidt, es moderiert Anett Sattler. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro.