Stand: ALBA BERLIN (2) – BMA365 Bamberg Baskets (3) 2-2
Status quo: Nach den beiden überzeugenden Berliner Auftaktsiegen gegen Bamberg waren nicht wenige Beobachter schon geneigt, einen Haken hinter diese Serie zu machen. Schließlich gelang es in der Liga-Geschichte seit Einführung des "Best of Five" nur vier Teams in den Playoffs, einen 0:2-Rückstand noch zu drehen. Aber Anton Gavel und seine BMA365 Bamberg Baskets haben die Kräfteverhältnisse in dieser Serie mit zwei genauso überzeugenden Siegen in eigener Halle geradegerückt. Beim Stand von 2:2 erscheint nicht zuletzt dank dieses nun eindeutig für Bamberg sprechenden Momentums plötzlich das für nahezu unmöglich gehaltene möglich zu sein: Bamberg kann aus einem 0:2-Rückstand heraus mit einem Sieg am Dienstag zum 13. Mal in seiner Vereinsgeschichte ins Finale einziehen, wo am Freitag in München bereits der Titelverteidiger FC Bayern Basketball wartet.
Aber die Sache hat einen Haken, denn Pedro Calles und ALBA BERLIN haben die beiden Punktspiele gewonnen, besitzen deshalb im nun alles entscheidenden fünften Spiel in der Berliner Max-Schmeling-Halle Heimrecht – und der scheint nicht ohne zu sein. Selbst in den vier historischen Präzedenzfällen, wo Teams noch aus einem 0:2-Rückstand zurückkamen, setzte sich am Ende im fünften Spiel immer das Heimteam durch. Rettet dieser Heimvorteil jetzt auch die Berliner und führt sie zum 23. Mal (zum 22. Mal als ALBA) ins Finale oder gelingt Bamberg am Dienstag ein dann wirklich historischer Erfolg?
- Finale 1988/89: Bayreuth – Leverkusen 3:2 (nach 0:2)
- Halbfinale 1999/00: Leverkusen – Frankfurt 3:2 (nach 0:2)
- Viertelfinale 2001/02: Bonn – Bamberg 3:2 (nach 0:2)
- Viertelfinale 2002/03: Bonn – Leverkusen 3:2 (nach 0:2)
Die besondere Brisanz – Siegen oder Fliegen: In der seit 1998 geführten digitalen Datenbank werden 51 fünfte Partien geführt (hier unten mehr Details dazu): 35 gewann die Heimmannschaft, 16 die Gastmannschaft. An 17 dieser 51 "Do or die"-Spiele war Berlin beteiligt (Bilanz 11-6, davon 10-3 in Berlin, zuletzt im Viertelfinale gegen Vechta). Bamberg hat 13 fünfte Spiele bestritten (Bilanz 8-5). Das einzige fünfte Spiel, das Bamberg dabei auswärts gewinnen konnte, war der legendäre 93:68-Sieg, mit dem Bamberg 2004 den damaligen Serienmeister ALBA BERLIN stürzte (damals spielte bei Bamberg Center Chris Ensminger eine wichtige Rolle, dessen Sohn Zach Ensminger es dem Vater nun gleich tun möchte). 2011 schaltete Bamberg ALBA im Finale mit 3:2 aus – noch mit Anton Gavel als Spieler. Als Trainer bestreitet Gavel, der als Spieler mit Bamberg und den Bayern acht von neun fünften Spielen gewonnen hat (dreimal gegen Berlin) jetzt zum ersten Mal ein fünftes Spiel. Pedro Calles kennt diese knifflige Situation bereits aus dem Viertelfinale gegen Vechta.
Zahlen, bitte: Für die perfekt eingestellte, aber auch kompromisslos physisch agierende Defense, mit der Bamberg den Berlinern in eigener Halle den Schneid abkaufte, investierten die Oberfranken beim 81:67-Sieg am Samstag 28 Fouls (Berlin nur 17). Aber Berlin unterließ es, diese durchaus riskante Marschroute an der Freiwurflinie zu bestrafen, indem es die Hälfte seiner 26 Freiwürfe verschenkte. Mit einer halbwegs normalen Ausbeute an der Linie hätte ALBA bis ins vierte Viertel hinein in Führung gelegen und nicht schon nach den spielentscheidenden Bamberger Dreiern sieben Minuten vor Schluss die Flinte ins Korn werfen müssen.
Was wir bisher gelernt haben: Bamberg erzielte in den ersten vier Spielen mit weitgehend konstanten Wurfquoten (41 bis 48 Prozent) in Berlin 86 und 71 sowie in Bamberg jeweils 81 Punkte, stellte sich aber in der Verteidigung von Spiel zu Spiel besser auf ALBAs Offensive ein. Dieselben Berliner, die Bamberg im Auftaktspiel noch mit 105 Punkten (Saisonbestleistung) überrollten, machten im zweiten Spiel nur noch 85, im dritten nur noch 73 und zuletzt am Samstag nur noch 67 Punkte. Analog dazu sanken die Berliner Wurfquoten in der Serie kontinuierlich bei den Zweiern von 78 auf 65, 59 und zuletzt 49 Prozent, bei den Dreiern von 43 auf 33, 24 und zuletzt 21 Prozent.
Duell im Fokus: Der Druck der Bamberger Defense auf die Berliner Aufbauspieler, der in den beiden ersten Spielen in Berlin noch nicht so recht Wirkung zeigte, war in den beiden letzten Spielen in Bamberg der Schlüssel zum Erfolg, wie auch beim RBB analysiert wird. ALBAs Offensive wurde langsamer und wirkte oft statisch. Um ihr Team wieder ins Laufen zu bringen, müssen Martin Hermannsson und Jack Kayil bis zum Dienstag wieder lernen, auch gegen den immensen defensiven Druck, den vor allem Cobe Williams und Austin Crowley auf sie ausüben, kühlen Kopf zu bewahren. Es könnte durchaus sein, dass ihnen das in eigener Halle besser gelingt als in der hitzigen Atmosphäre der Bamberger Brose Arena. Während auf Bamberger Seite in dieser Serie in Ibi Watson (14,8 PPG), Cobe Williams (12,8 PPG) und Demarcus Demonia (11,5 PPG) die üblichen Verdächtigen die Liste der Topscorer anführen, schiebt sich bei ALBA neben Jack Kayil (12,8 PPG) immer stärker der nachverpflichtete Michael Rataj (12,5 PPG) als Scorer in den Fokus.

Die ewige Bilanz: Von jetzt 136 zwischen den alten Rivalen absolvierten Spielen hat Berlin 85 und Bamberg 51 gewonnen. In eigener Halle hat Berlin dabei von 66 Heimspielen gegen Bamberg nur elf verloren. Der letzte Bamberger Sieg in der Hauptstadt (89:80 am 20. November 2016) ist schon fast zehn Jahre her. Die einzigen Playoff-Siege in Berlin gelangen Bamberg 2004 in der bereits oben erwähnten legendären Halbfinalserie (damals im ersten und fünften Spiel) - aber die Fans aus Freak City glauben auch diesmal an ihre Chance und pilgern in Massen in die Hauptstadt, während ein Sponsor die Kosten für die Reisebusse übernimmt.
Im Blick des Bundestrainers: Die ersten beiden Halbfinalspiele in Berlin nutzte der Nationalspieler Jack Kayil mit 18 bzw. 17 Punkten, um mit Blick auf den kommenden NBA-Draft Werbung in eigener Sache zu betreiben. Bei den beiden Niederlagen in Bamberg ließ sich der beste Nachwuchsspieler der easyCredit BBL von der Bamberger Defense jedoch zu oft zu falschen Entscheidungen und überhasteten Würfen verleiten und tat sich und seinem Team mit 4/19 Würfen (21 Prozent) aus dem Feld keinen Gefallen.
Alte Bekannte: Für Bennet Hundt wäre ein Einsatz am Dienstag das 200. Spiel in der easyCredit BBL. Seine bisher beste Saison in mittlerweile acht BBL-Jahren spielte der gebürtige Berliner mit 8,7 PPG und 4,3 APG übrigens 2020/21 für Bamberg. Auf Seiten der Oberfranken rückte für den angeschlagenen EJ Onu in den letzten beiden Spielen der 22-jährige Finn Döntgens in die Startformation, der von 2019 bis 2021 in Berlin nicht den Durchbruch ins NBBL-Team geschafft hatte. Im Postgame-Interview auf Dyn ließ der junge in Castrop-Rauxel geborene Center seiner Genugtuung über seine sechs Punkte zum Bamberger Sieg gegen sein Ex-Team freien Lauf: "Die haben mir damals in der JBBL gesagt, dass ich nicht gut genug bin."
Am Rande der Bande: Nach der Rückkehr von EJ Onu ist das Bamberger Team wieder komplett. Bei ALBA verpasste Alex O'Connell die beiden Spiele in Bamberg, während Moses Wood mit einem angeschlagenen Daumen die Zähne zusammenbiss.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Außer der italienischen und der polnischen Liga zelebriert keine europäische Topliga die Playoffs mit Spielen im Modus best-of-five in allen drei Runden (Viertel- und Halbfinale und Finale) so opulent wie die easyCredit BBL. Das ist gut so – demonstrieren doch die beiden Viertelfinalserien von Berlin (gegen Vechta) und Bonn (gegen Würzburg) und jetzt der dramatische Halbfinal-Krimi zwischen Berlin und Bamberg einmal mehr, wie sexy German Basketball ist!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Dienstag ab 20:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wo es jetzt auch den Playoff-Pass gibt (hier die Details zum Angebot). Kommentator ist Arne Malsch, es moderiert Anett Sattler. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es die Partie live und free hier im SPORTBILD-Stream und hier auf Sportschau.de.


















