Die besondere Brisanz: Gute Freunde kann man nicht trennen – und gute Feinde auch nicht! Zwar sind die großen Zeiten des Klassikers Berlin gegen Bamberg mit packenden Playoff-Duellen in den Neunziger-, Nuller- und Zehnerjahren schon Geschichte. Aber der Pokal hat die Rivalität zwischen den „großen Bs“ auch in der jüngeren Ligageschichte am Leben erhalten. 2019 machte Nikos Zisis im Pokalfinale die Brose Arena mit einem legendären Dreier 2,4 Sekunden vor Schluss zum Bamberger 83:82-Sieg zum Tollhaus. Ein Jahr später revanchierte sich ALBA auf dem Weg zum Double-Gewinn im Pokal-Halbfinale. In der vergangenen Saison warf Bamberg die Berliner schon im Viertelfinale aus dem Pokal – und wer weiß: In vier Wochen treffen sich beide womöglich beim TOP FOUR in München im Finale wieder? Jetzt steht aber erst einmal das letzte Hinspiel der aktuellen Saison auf dem Programm. Das Rückspiel folgt schon drei Wochen später in Bamberg.
Status quo: Die nach der Länderspielpause (und der Verletzung von Martin Hermannsson) etwas aus dem Tritt geratenen Berliner haben sich mit zuletzt 5:1-Siegen (einzige Niederlage 73:76 in Oldenburg) wieder stabilisiert und rangieren mit 11:5-Siegen auf dem dritten Tabellenplatz. Dass ALBA in der Champions League keine Play-Ins spielen musste, schenkte Trainer Pedro Calles in den ersten Wochen des neuen Jahres viel Zeit für Training. Die Bamberger Formkurve präsentierte sich im gleichen Zeitraum mit 3:3-Siegen wechselhafter. Vor allem die hohen Niederlagen gegen Ulm (83:102) und Ludwigsburg (79:100) ließen aufhorchen. Umso erleichterter wurde am vergangenen Wochenende der Derbysieg gegen Würzburg gefeiert, durch den Bamberg wieder auf den neunten Platz (8:7-Siege) vorgerückt ist.

Duell im Fokus: Den Bamberger Topscorer Ibrahim Watson (15,6 PPG) kennen die Berliner noch gut aus der vergangenen Saison, als der US-Forward mit sechs Dreiern gegen ALBA seinen Karrierebestwert erzielte und Bamberg mit daraus resultierenden 23 Punkten zum 87:82-Sieg gegen ALBA warf. Allerdings fehlte auf Berliner Seite damals Malte Delow (9,3 PPG), der in den letzten vier Spielen regelmäßig zweistellig gepunktet hat, in der Verteidigung starke Leistungen zeigte und am Mittwoch auch in der Champions League beim Berliner Sieg in der Türkei mit 18 Zählern Topscorer war. Ibi Watson präsentierte sich am vergangenen Wochenende mit 26 Punkten (4/9 Dreier) zum 92:86 gegen Würzburg ebenfalls wieder in Topform.
Alte Bekannte: Der Berliner Bennet Hundt spielte in der von der Corona-Pandemie überschatteten Saison 2020/21 für Bamberg.
Noch ältere Bekannte: Wie groß dieses Duell ist, zeigt auch die Liste der Spieler, die seit der Jahrtausendwende für beide Klubs gespielt haben, ein „Who is Who“ der BBL-Legenden. Zum einen trugen die Nationalspieler Maodo Lo, Johannes Thiemann, Louis Olinde, Steffen Hamann, Sven Schultze, Demond Greene, Ademola Okulaja, Mithat Demirel, Lucca Staiger, Yassin Idbihi und Kenny Ogbe sowohl das Berliner als auch das Bamberger Trikot, ebenso die ausländischen Profis Casey Jacobsen, Derrick Phelps, DeJuan Collins, Julius Jenkins, Sharrod Ford, Alex Renfroe, Leon Radosevic, William McDowell-White und Bryce Taylor. Die BBL-Veteranen Filip Stanic, Nelson Weidemann und Kevin Wohlrath spielten in der Jugend für ALBA und später als Profis für Bamberg.
Die ewige Bilanz: Keine Duell wurde in der 60-jährigen Ligageschichte öfter ausgetragen als Berlin gegen Bamberg. Hier die Top Fünf der meistgespielten Paarungen in Liga und Pokal:
Anzahl / Paarung:
129: Berlin - Bamberg
126: Bamberg - Gießen
118: Leverkusen - Hagen
116: Berlin - Leverkusen
108: Bamberg - Ludwigsburg
Von den 129 Spielen zwischen Berlin und Bamberg gewannen die Hauptstädter 81 und 48 gingen an die „Bamberger Bauern“ (Berliner Fan-Jargon). Neunmal duellierten sich Berlin und Bamberg in Playoff-Serien, in den Achtzigerjahren noch als DTV Charlottenburg und 1.FC Bamberg. Sechsmal triumphierten die Berliner (u.a. im Finale 2003) und dreimal die Bamberger (u.a. im Finale 2011). Wer noch tiefer in die Historie dieses Duells eintauchen möchte und auch mehr über andere Klassiker des deutschen Basketballs wissen möchte, wird in der neuesten Ausgabe von "Kochs Nachschlag" umfangreich fündig.

Max-Schmeling-Halle: ALBA muss für dieses Spiel in die kleinere Max-Schmeling-Halle ausweichen. Die 1996 eröffnete Arena war zwölf Jahre lang die regelmäßige Heimspielstätte der Albatrosse. Die ersten acht Meistertitel holte der Klub in dieser Halle und konnte das 1998, 1999, 2000, 2001 und 2003 auch dort feiern, weil der dritte Sieg der jeweiligen Finalserie in der MSH errungen wurde. 2002 und 2003 wurde zudem das Pokalwochenende dort ausgetragen – der Sieger hieß in beiden Jahren ALBA BERLIN. Und 2004 riss in dieser Halle mit einer 68:93-Niederlage im fünften Halbfinale gegen die vom jungen Steffen Hamann und Chris Ensminger (dessen Sohn Zach heute für Bamberg spielt) angeführten Bamberger aber auch die Berliner Erfolgsserie (Video unten). Seit dem Umzug in die neue Arena am Ostbahnhof 2008 muss ALBA an diesem Wochenende zum 20. Mal (Liga und Pokal) in die altehrwürdige Arena ausweichen. Nur 2015 (gegen Oldenburg) und 2016 (im Playoff-Viertelfinale gegen Frankfurt) zogen die Albatrosse dabei den Kürzeren und haben in der Schmeling-Halle seitdem 16 Siege in Folge errungen.
Zahlen, bitte: Bamberg erzielt mit der zweitbesten Wurfquote (47,7 Prozent) die zweitmeisten Punkte in der easyCredit BBL. Die Berliner rangieren mit ihrer Wurfquote von 46,4 Prozent und 85,2 Punkten jeweils nur auf dem fünften Rang. Im Defensiv-Ranking hat aber ALBA die Nase vorne: Die Berliner stellen nach Gegenpunkten (76,4 pro Spiel) und nach gegnerischer Wurfquote (42,0 Prozent) die zweitbeste Defense in der Liga. Bamberg gewährt seinen Gegnern im Schnitt 84,3 Punkte (10. Platz) und eine Wurfquote von 42,9 Prozent (3. Platz).
Meilensteine: Gleich drei Albatrosse sind am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle womöglich noch mehr auf Diebestour als sonst. Malte Delow fehlen nur noch zwei Steals bis 150, Martin Hermannsson noch drei bis 100 und Jonas Mattisseck noch vier bis 150.
Am Rande der Bande: Anton Gavel hatte zuletzt alle Spieler an Bord. In Berlin fehlte am Mittwoch in der Champions League nur Alex O'Connell mit Knieproblemen.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Der NBA-Tross hat sich nach dem Spiel der Memphis Grizzlies gegen Orlando Magic wieder aus der Hauptstadt verabschiedet. Bei vielen Zaungästen hat sich der Blick auf die deutsche Basketballszene aber durch den Besuch offenbar verändert. So erläutert Joe Vardon in der New York Times ausführlich die Hintergründe für den EuroLeague-Rückzug von ALBA BERLIN sowie die Perspektive einer möglichen Teilnahme an der von der NBA in Europa geplanten Liga und kommt dabei zu dem Ergebnis: „Alba may have the strongest grassroots basketball program of any pro team in the world.“ Ist doch schon lange unsere Rede, Joe: German Basketball is mad sexy!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Sonntag ab 16:10 Uhr live hier bei Dyn und ab 16:30 auch im Free-TV bei WELT TV übertragen. Kommentator ist Patrick Fritzsche.






















