Die besondere Brisanz: Fünf Niederlagen in Folge haben RASTA Vechta vom zwölften auf den 15. Platz und damit in den Abstiegskampf abstürzen lassen. Mit 6:12-Siegen hat RASTA nur noch einen Sieg mehr auf dem Konto als Hamburg und Heidelberg, die sich mit zuletzt jeweils drei Siegen in Folge anschicken, der roten Zone zu entfliehen. Und der Spielplan verheißt nichts Gutes: Am Sonntag geht es für RASTA nach Berlin zum mit vier Siegen in Folge aktuell heißesten Team der Liga. Anschließend kommt Ulm, das gerade die Bayern bezwungen hat, nach Vechta. Im letzten Spiel vor der Länderspielpause geht es dann zu den ebenfalls aktuell extrem heißen Bonnern. Stefan Koch beleuchtet in der aktuellen Ausgabe seiner Kolumne "Kochs Nachschlag" die Situation im diesjährigen Abstiegskampf.
Status quo: Berlin erzielt im Schnitt 86,1 und Vechta 85,3 Punkte pro Spiel. Beide rangieren mit diesen Werten in der Offensiv-Statistik auf dem dritten und vierten Platz. Dafür, dass ALBA mit 13:5-Siegen Tabellenzweiter ist und RASTA mit 6:12 nur auf dem 15. Platz steht, sind die unterschiedlichen Leistungen in der Verteidigung verantwortlich. Während die Berliner die drittwenigsten Punkte zulassen (77,6 Gegenpunkte pro Spiel), ist die Vechtaer Defense mit im Schnitt 90,1 Gegenpunkten das offenste Scheunentor in der Liga.

Duell im Fokus: Trainer Christian Held hatte seinen Topscorer Alonzo Verge zuletzt gegen Frankfurt nicht in den Spieltagskader berufen. Damit fehlten Vechta beim 95:98 gegen die Hessen zwar die 19,5 Punkte, die Verge im Schnitt erzielt, es blieben aber auch die acht Fehlwürfe und 4,9 Ballverluste (Liga-Spitzenwert) erspart, für die der US-Guard im Schnitt ebenfalls verantwortlich ist. Dass Verge nicht gespielt habe, so Sportdirektor Gerrit Kersten-Thiele gegenüber der Oldenburgischen Volkszeitung, sei dem Eindruck des Spiels davor und der Trainingswoche geschuldet gewesen, aber das Thema sei nach guten Gesprächen abgehakt. Demnach wird der Liga-Topscorer am Sonntag in Berlin wieder auf dem Parkett stehen, und die Fans können sich auf ein Duell gegen den gerade 20 Jahre alt gewordenen Jack Kayil freuen, der ALBA BERLIN in den letzten vier Spielen mit durchschnittlich 20 Punkten zu vier Siegen geworfen hat (gegen Bamberg und Trier jeweils mit persönlichem BBL-Rekord von 24 Punkten).
Zahlen, bitte: Vechta und Berlin sahen sich am vergangenen Spieltag mit außergewöhnlichen Dreier-Quoten ihrer Gegner konfrontiert. Frankfurt trumpfte in Vechta in der ersten Halbzeit mit 12/17 Dreiern und Trier gegen Berlin in der ersten Halbzeit mit 12/22 Treffern von Downtown auf. „So dürften die in der zweiten Halbzeit nicht weiter treffen“, wird die Parole in der Vechtaer und Berliner Kabine geheißen haben – und tatsächlich: Trier gelangen im zweiten Durchgang nur noch 5/12 Dreier, und ALBA gewann nach einem 39:54-Rückstand noch 99:92. Auch die Dreier-Quote der SKYLINERS sank nach dem Seitenwechsel auf nur noch 5/11, und RASTA raffte sich nach einem 46:71-Rückstand noch zu einer spektakulären Aufholjagd auf, die allerdings beim letzten Wurf von Lloyd Pandi zur Sirene beim Stand von 95:98 tragisch verhungerte.
Das Hinspiel: ... ist gerade drei Wochen her und markierte eine Woche nach RASTAs Overtime-Niederlage gegen Würzburg den Beginn der Vechtaer Niederlagenserie. Trainer Pedro Calles konnte - ausgerechnet an alter Wirkungsstätte, wo er 2018 zum ersten Mal in der easyCredit BBL als Chefcoach an der Seitenlinie stand - sein 250. Bundesligaspiel völlig stressfrei feiern. ALBA führte nach zwölf Minuten schon 32:14 und konnte im Schlussviertel zulassen, dass die Gastgeber das Resultat noch auf 83:95 korrigierten. Justin Bean (18) und Moses Wood (15) legten zusammen 7/12 Dreier auf. Tibor Pleiß (17) erzielte die meisten Punkte für RASTA.
Die ewige Bilanz: Seit 2013 gab es in der easyCredit BBL 15 Begegnungen zwischen Vechta und Berlin, von denen ALBA 13 und RASTA nur zwei (beide in Vechta) gewannen. Auf die erste Berliner Niederlage in Vechta am 10. November 2018 war Pedro Calles besonders stolz, denn er triumphierte damals als RASTA-Trainer 80:69 gegen die spanische Trainerlegende Aito Garcia Reneses: „Mal in einem Spiel gegen Coach Aito antreten zu dürfen, ist für mich als Spanier einfach speziell, ich hatte mich sehr darauf gefreut und bin jetzt umso glücklicher – dafür haben meine Spieler gesorgt.“
Meilensteine: Joschka Ferner fehlt noch ein Dreier bis 200. Jonas Mattisseck fehlt noch ein Steal bis 150.
Am rande der Bande: Während Vechtas Headcoach Christian Held sein Team (ohne den entlassenen Center Malcolm Dandridge) endlich komplett hat, muss Pedro Calles in Berlin auf Martin Hermannsson verzichten, der sich in der Champions League am Mittwoch am Daumen verletzt hat.
Alte Bekannte: Der in Berlin groß gewordene Jack Kayil verließ ALBA im Sommer 2023 in Richtung Vechta, weil er dort neben der NBBL in der ProA spielen konnte anstatt in Berlin für Lok Bernau in der ProB. Wie 2023 mit ALBAs U19 gewann er 2024 – beim diesem zweiten Titel als MVP – auch mit Vechta die NBBL. Nach einem Wechsel zum von seinem Agenten in Belgrad protegierten Club (Mega Basket) kehrte der Nationalspieler im vergangenen Sommer auf Leihbasis in seine Geburtsstadt Berlin zurück.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Diese Rubrik ist unser Running Gag, aber keine Muss-Rubrik. Generell Pedro Calles holte 2018 seinen Landsmann Miguel Zapata, der zuvor in Teheran (9 Millionen Einwohner) und Mexiko City (22 Millionen Einwohner) als Trainer gearbeitet hatte, als Assistenztrainer nach Vechta und nahm ihn 2020 auch mit nach Hamburg, wo Zapata aber nicht so recht heimisch wurde und wieder nach Vechta zurückkehrte, wo er heute noch das familiäre Dorfleben schätzt: „Ich mag keine großen Städte!“, gestand er vor einem Jahr dem Hamburger Abendblatt und ist zumindest in dieser Sache anderer Meinung als Pedro Calles, der sich jetzt in der deutschen Hauptstadt pudelwohl fühlt. Einig sind sich die beiden Spanier aber in einer anderen Sache: „German Basketball is mad sexy!”
Fernsehen / Livetsream: Die Partie wird Sonntag ab 14.45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Patrick Fritzsche.


















