Die besondere Brisanz: Sechs Zweitligisten sind im Pokal gestartet, doch nur einer hat die erste Runde überlebt: die JobStairs GIESSEN 46ers! Sie sind damit der letztverbliebene Klub aus dem Unterhaus im Wettbewerb - sozusagen "das gallische Dorf der Unbeugsamen". Die Hessen haben in eigener Halle die HAKRO Merlins Crailsheim mit 79:73 eliminiert und wollen gerne weiterschreiben an ihrer Cinderella Story. Doch nun geht es nach Chemnitz zu einem der unangenehmsten Auswärtsspiele in der Beletage. Die NINERS gelten in der heimischen Messe als Favoritenschreck und müssen sich jetzt auch mal in der Rolle des Favoriten beweisen.
Pokalhistorie: Im Pokal standen sich die beiden Teams noch nie direkt gegenüber. Die NINERS Chemnitz erreichten in der Saison 2021/22 zum ersten und bislang letzten Mal das TOP FOUR. Dort unterlagen sie dem späteren Pokalsieger ALBA BERLIN im Halbfinale. Der Traditionsklub aus Gießen ist dreimaliger Pokalsieger (1969, 1973, 1979), die Erfolge liegen aber schon einige Jahrzehnte zurück. Doch bringen Sie bei diesem ersten Aufeinandertreffen im Pokal, den Favoriten zu Fall, wäre Gießens der erste Zweitligist im Pokal-Viertelfinale seit den Cuxhaven BasCats 2007/08. Passend dazu hier die größten Erfolge von Zweitligisten im Pokal-Wettbewerb:
- 1999/00: Zweitligist SER Rhöndorf schafft es bis ins TOP FOUR, scheitert dort aber im Halbfinale mit 53:76 am späteren Pokalsieger Frankfurt SKYLINERS.
- 1994/95: Zweitligist TG Landshut schafft es bis ins TOP FOUR, scheitert dort aber im Halbfinale mit 62:93 am späteren Pokalsieger TSV Bayer 04 Leverkusen.
- 1990/91: Zweitligist SG Braunschweig (heute die Basketball Löwen Braunschweig) schafft es bis ins Pokalfinale, scheitert dort aber in Hin- und Rückspiel am TSV Bayer 04 Leverkusen (81:98 und 80:126)
Status Quo: Chemnitz hat die letzten beiden Ligaspiele für sich entschieden, zuletzt gab es einen 86:81-Erfolg bei den Basketball Löwen Braunschweig, die bis dahin noch ohne Niederlage waren. Gießen hat in der Liga bisher nur zwei Spiele absolviert - und die waren denkbar knapp. Zuerst gab es mit einem Punkt einen Sieg in Karlsruhe (78:77), anschließend eine Niederlage in Hagen - ebenfalls mit nur einem Punkt Differenz (85:86).
Duell im Fokus: DeAndre Lansdowne gegen Robin Benzing - Veteranen mit der Lizenz zum Schießen. Dass Benzing kein Gewissen hat, wissen wir spätestens seit diesem Sommer, als sein langjähriger Weggefährte Per Günther den „Vollen-Benzing“ wissenschaftlich einwandfrei aufdröselte. In der ersten Pokalrunde netzte der ehemalige Kapitän der DBB-Auswahl vier von fünf Dreiern und kam auf 17 Punkte. Lansdowne ist wie Benzing mittlerweile 34 Jahre alt und spielt eine ähnliche Rolle. Er ist nicht mehr die erste Option in der Offensive, kann als begnadeter Scorer aber zu jeder Zeit heiß laufen. So wie zuletzt in Braunschweig: Dort übernahm der Neuzugang eben die Verantwortung und verwandelte 37 Sekunden vor Schluss den Dreier zum Sieg.

Alte Bekannte: Gießens Luis Figge spielte zwei Jahre lang in Chemnitz und war 2020 sogar Teil der Aufstiegsmannschaft aus Sachsen. DeAndre Lansdowne kennt aus seiner Zeit in Braunschweig noch zwei Weggefährten, lief er doch in der Saison 2018/19 gemeinsam mit Figge und Dejan Kovacevic im Trikot der Löwen auf.
Zahlen, bitte: Gießen wird daran interessiert sein, das Spiel so lange wie möglich eng zu halten. Dann können sie zum Schluss auch auf ihre bisherige Freiwurfstärke bauen. Nach den ersten beiden Spielen führen sie die zweite Liga mit einer Freiwurfquote von 80,9 Prozent an (38 Treffer aus 47 Freiwürfen). Und in einer engen Schlussphase könnten die zweiten Chancen ebenfalls wichtig werden. Die Gäste sammelten bisher im Schnitt 14,5 Offensivrebounds ein, Chemnitz ist dabei sogar zweitbestes Team der easyCredit BBL mit 15 Offensivrebounds pro Spiel.
Ewige Bilanz: Nachdem Chmenitz in der abgelaufenen Spielzeit beide Spiele gewann, führen sie mit 3:1 Siegen.
Weise Worte: Chemnitz' Trainer Rodrigo Pastore kann die Favoritenrolle gegen Gießen natürlich nicht abweisen, mahnt auf der Homepage der NINERS Chemnitz aber auch: "Ihr Erfolg über Crailsheim in der ersten Pokalrunde sollte uns Warnung genug sein."
Und Gießens aktueller und ehemaliger Kapitän des deutschen Nationalteams, Robin Benzing, erzählte der Freie Presse mit Blick auf den kommenden Gegner im Interview, dass er sich durchaus hätte vorstellen können, das Trikot der NINERS zu tragen: "Ich bin auch Fan von Trainer Rodrigo Pastore, der ein sehr guter Coach ist und eine große Kontinuität in den Chemnitzer Verein gebracht hat. (...) Ich hätte gern noch einmal unter ihm gespielt."
Am Rande der Bande: Nationalspieler Dominic Lockhart wurde in Gießen ausgebildet, er fehlt allerdings weiterhin verletzt.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird ab 19:45 Uhr live bei Dyn übertragen, Chris Schmidt kommentiert das Spiel.
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