Die besondere Brisanz: Es ist das erste Duell seit der dramatischen Viertelfinalserie im Frühjahr zwischen den Fitness First Würzburg Baskets und den Telekom Baskets Bonn. Damals gewann Bonn das fünfte Spiel mit 66:63 und verhinderte so, dass Würzburg das dritte Jahr in Serie ins Halbfinale einzog. In den letzten 33 Sekunden hatten die Würzburger dreimal die Chance zum Ausgleich, aber vergaben dreimal – dafür soll nun in der tectake ARENA aka der fränkischen Turnhölle zumindest eine kleine Revanche her.
Status quo: Beide Teams feierten zuletzt einen Sieg – Würzburg ein 90:67 in Ulm, Bonn ein 77:72 gegen Weißenfels. Dazu erinnert die aktuelle Tabellensituation an die Ausgangslage vor den Playoffs 2026: Damals war Bonn Vierter und Würzburg Fünfter, nun ist Bonn Achter und Würzburg Neunter. Aber es gibt natürlich auch Unterschiede, denn die Bonner haben einen Großteil des Kaders beisammen behalten, während Würzburg eine nahezu komplett neue Rotation stellt.
Am Rande der Bande: Würzburgs slowenischer Trainer Sasa Filipovski trifft auf Bonns serbischen Headcoach Marko Stankovic. Filipovski ist seit dem Dezember 2021 Trainer in Franken und vor allem dafür bekannt, in seiner Set-Offense geduldig Switches für seine Guards zu forcieren und diese Mismatches (klein und schneller gegen lang und langsamer) dann im Eins-gegen-eins auszunutzen. Stankovic dagegen hat in seinen Jahren als Co-Trainer von Tuomas Iisalo dessen defensive Taktik des „tagging up“ übernommen, bei der die fünf Spieler auf dem Parkett nach eigenem Wurf direkt auf ihre Gegenspieler gehen, um Druck auszuüben und etwaige Fastbreak-Punkte zu verhindern. Welche Strategie setzt sich diesmal durch?
Duell im Fokus: Eddie Colbert III (25 Jahre, 2,02 Meter, 100 Kg) startet bei Würzburg auf der Vier, hat in den ersten beiden Partien jeweils ein Double-Double aus Punkten und Rebounds aufgelegt und ist damit der effektivste Akteur seines Teams. Jeff Garrett Jr. (31 Jahre, 2,01 Meter, 100 Kg) startet bei Bonn auf der Vier, ist auch der effektivste Akteur seines Teams und hat zuletzt gegen die Wölfe mit einem Block und zwei Freiwürfen den Sieg sichergestellt. Beide haben Range bis hinter die Dreierlinie und netzen bisher 50 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld. Wir freuen uns auf ein Duell zweier variabler Forwards.

Was die Lokalpresse schreibt: Tim Eisenberger von der Mainpost nennt hier (Paywall) die vier wichtigsten Erkenntnisse nach den ersten drei Pflichtspielen - keine entscheidender als diese: "Filipovski zu vertrauen zahlt sich immer aus ... Nach der Niederlage am Freitag hatte Filipovski noch um Geduld mit seiner Mannschaft gebeten. Dass sich die Leistung seines Teams so schnell bessern würde, hatte selbst der erfahrene Slowene wohl nicht vermutet. In den vergangenen Jahren hat er aber bewiesen, dass er mit seiner akribischen Arbeit in der Trainingshalle Spieler und Mannschaften besser machen kann. Ob diese Fähigkeiten dieses Jahr ausreichen, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Nach dem Sieg gegen Ulm ist nicht nur das Eis gebrochen, sondern vorerst auch der Druck vom Kessel."
Was die KI meint: (ChatGPT) - Welcher Spieler wird in diesem Duell den größten Einfluss ausüben und sein Team zum Sieg führen? "Wenn ich einen Spieler als größten Einflussfaktor nennen müsste, wäre es aktuell Eddie Colbert III. – insbesondere über Rebounds, zweite Chancen und Präsenz in der Zone. Garrett ist der naheliegendste Bonner Gegenspieler. Ich würde für Colbert etwa 16 Punkte und zehn Rebounds erwarten. Garrett sehe ich bei ungefähr 17 Punkten und sieben Rebounds. Das ist natürlich eine statistische Einschätzung und keine sichere Vorhersage des Spielausgangs."
Kochs Nachschlag: Unser Kolumnist Stefan Koch hat sich in seiner aktuellen Kolumne mit der Revanche im Sport beschäftigt, da es an den ersten Spieltagen für einige Clubs die Möglichkeit gab, sich bei einem Gegner für große Niederlagen zu revanchieren. Hier geht zu Kochs Nachschlag:

Die ewige Bilanz: Seit 2011 gab es 33 BBL-Duelle, von denen 18 an Würzburg und 15 an Bonn gingen.
Alte Bekannte: Bonns Leon Kratzer hat 2017/18 in Würzburg gespielt. Würzburgs Lukas Herzog kennt Patrick Heckmann aus gemeinsamen Bamberger (2023/24) und Melvin Jostmann aus gemeinsamen Karlsruher Zeiten (2024/25).
Im Blick des Bundestrainers: Mit Europameister Leon Kratzer (35 Länderspiele), Patrick Heckmann (34), Mike Kessens (4) und Joel Aminu (2) liefen vier Bonner bereits für die DBB-Auswahl auf.
Meilensteine: Jeff Garrett (Bonn) fehlen noch 10 Rebounds zu 750 in der Karriere. Leon Kratzer (Bonn) fehlt noch ein Block, um Patrick Femerling (155 Blocks, 17. Platz) zu überholen und mit Philipp Hartwich, Ajmal Basit und Danilo Barthel (je 156 Blocks, 14. Platz) gleichzuziehen. Kratzer fehlt außerdem noch ein Double-Double, um Trevion Williams, Anthony King, Jamel McLean und Raymar Morgan (jeweils 17 Double-Doubles) zu überholen und mit Larry Gordon (18 Double-Doubles, 19. Platz) gleichzuziehen.
Bewegte Bilder: Hier noch mal die Zusammenfassung des fünften Viertelfinal-Krimis:
German Basketball is mad sexy: Zwischen beiden Vereinen gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Fan-Freundschaft, die auch die Viertelfinalserie überlebte. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn schließlich fand dabei mit Franziska und Martin sogar bereits ein Ehepaar zueinander, wie die Mainpost hier schreibt (Paywall). Also, wenn das nicht mad sexy ist …
Livestream / Fernsehen: Die Partie wird am Freitag ab 19:45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Chris Schmidt.















