Die besondere Brisanz: Die Veolia Towers Hamburg sind mit 1-6 Siegen Tabellenletzter; Science City Jena steht zwar auf Rang 14, aber nur weil das Team mit einem Sieg mehr eine Vierergruppe mit 2-5 Siegen anführt. Es ist also ein Kellerduell, und bei beiden Teams lief es zuletzt nicht gut. Hamburg hat fünf BBL-Spiele (und das Netto BBL Pokal-Achtelfinale) in Serie verloren. Dazu gibt es aktuell mehrere Ausfälle sowie zwei neue Spieler. Jena zog nach dem Sieg im Ost-Duell gegen Chemnitz Anfang Oktober in den drei folgenden Ligapartien den Kürzeren. Welches Team macht sich von all dem frei und beendet also die Niederlagenserie?
Status quo: Jena kassierte nach drei Wochen Pause innerhalb von drei Tagen zwei Niederlagen: am Freitag vor einer Woche ein 82:93 gegen die SKYLINERS und am Sonntag ein 78:88 bei den BMA 365 Bamberg Baskets. Hamburg bekam zu Hause eine 89:109-Packung vom SYNTAINCS MBC.
Duell im Fokus: Zugegeben, die ersten beiden Partien mit London Perrantes gingen für Jena verloren, aber der ehemalige NBA-Aufbau (2017/18 machte er 14 Spiele für Cleveland) legte in gut 26 Minuten im Schnitt satte Zahlen auf (durchschnittlich 17,5 Punkte bei 54,5 Prozent aus dem Feld sowie 6,0 Assists und 2,5 Rebounds). Es zeichnet sich ab, dass Perrantes für den Rest der Saison ein Anführer in Jena sein wird; damit stellt sich die Frage, wen Hamburg dagegen aufbietet? Vermutlich wird Osaro Rich in der Defense versuchen, Perrantes das Leben schwer zu machen, aber wer wird das Aufbauspiel der Towers leiten? Vermutlich bereits der Mitte der Woche nachverpflichtete Einser Jahvon Blair. Der kanadische Nationalspieler kommt vom französischen Erstligisten Chorale Roanne und füllt bei den Towers eine plötzlich aufgetretene Lücke, denn die beiden etatmäßigen Einser mussten zuletzt gegen Weißenfels verletzt früher runter – siehe nächste Rubrik.
In Zivil: Hamburg muss in den nächsten Wochen ohne die beiden Aufbauspieler Noah Thomasson (Muskelverletzung am rechten Bein) und Zakai Zeigler (Fußverletzung links) auskommen. Da zuletzt gegen Weißenfels auch David Muenkat (Muskelverletzung) fehlte – der beste Rebounder der Liga –, haben die Towers mit Juwan Gary einen weiteren Forward verpflichtet, der gegen Jena debütieren könnte. Science City musste in Bamberg neben Kapitän Robin Christen (verletzt) auch ohne den angeschlagenen Guard Jemarl Baker Jr. auflaufen, für den Point Guard Isaiah Moses in den Kader aufrückte.

Zahlen, bitte: Wie so oft bei Kellerduellen sollte hier nicht in erster Linie ein offensiver Leckerbissen erwartet werden: Mit 76,6 (Jena) und 81,1 Punkten im Schnitt (Hamburg) stehen die Teams auf Rang 17 und 16 nur vor den EWE Baskets Oldenburg im ligaweiten Vergleich. Die Veolia Towers haben mit bisher 92,3 Punkten pro Spiel auch die zweitmeisten in der easyCredit BBL kassiert (hinter den Basketball Löwen Braunschweig). Science City hat da mit 88,3 Gegenpunkten auf Rang sieben aber ebenfalls noch Luft nach oben. Gerade in Sachen Aggressivität dürfte das Team aus Thüringen noch nachlegen: Mit 15,6 Freiwürfen stehen sie ligaweit am seltensten an der Linie, Hamburg holt immerhin 21,6 Freiwürfe raus. Auch die Foulstatistik spiegelt bei den Gastgebern noch Zurückhaltung. Mit 20,1 Fouls langt nur Tabellenführer München seltener zu.
Die ewige Bilanz: In der ersten Liga gab es dieses Duell bislang erst zweimal, und beide Hauptrundenpartien der vergangenen Saison gewann Jena.
Heimstärke empfängt Auswärtsschwäche: Wie bereits thematisiert haben beide Teams erst einen bzw. zwei Siege diese Saison gefeiert – alle jeweils in eigener Halle. Folgerichtig steht Hamburg auswärts bei einer Bilanz von 0-4 Siegen und Jena hat die beiden Ligaerfolge zu Hause geholt.
Was die KI meint (ChatGPT) – Wir stellen einfach mal die Frage aus der Überschrift: Jena und Hamburg im Kellerduell - wer beendet seine Niederlagenserie?
„Wenn ich mir die Fakten genauer anschaue, würde ich tatsächlich auf Jena setzen: Die Thüringer haben den Heimvorteil und fünf der bisherigen sechs direkten Duelle gewonnen. Allerdings ist Jena mit drei Niederlagen in Folge ebenfalls verunsichert, während Hamburg personell angeschlagen ist. Mein Bauchgefühl: Jena gewinnt mit etwa 6–8 Punkten Vorsprung, aber eine Überraschung durch Hamburg ist durchaus möglich."
Was die Lokalpresse schreibt: Wie die Tabelle und Statistiken zeigen, gibt es bei beiden Teams noch an einigen Stellen Nachholbedarf. Im Gespräch mit der Ostthüringer Zeitung (mit Paywall) äußerte sich Jenas Trainer Steven Esterkamp deutlich und sagte: „Hauptproblem ist die fehlende Disziplin.“ Im Hamburger Abendblatt schauen sie nach den Neuverpflichtungen auf die internationale „French Connection“ an der Elbe; Blair ist diese Saison der sechste Spieler, der aus Frankreich nach Hamburg gekommen ist. Zu den Gründen für seine Verpflichtung heißt es dort mit einem Augenzwinkern: „Wenn man es frech formuliert, passt Jahvon Blair wunderbar ins Team der Veolia Towers Hamburg. Seine Dreierquote der bisherigen Saison liegt bei 20 Prozent. Die seines neuen Clubs, der ihn am Mittwoch unter Vertrag nahm, ist nur geringfügig besser.“
Meilensteine: Steht Osaro Rich gegen Jena auf dem Feld, ist es sein 102. Spiel für die Veolia Towers Hamburg. Damit zieht er mit Lukas Meisner als Rekordspieler des Klubs gleich. Teamkollege Martin Breunig braucht noch drei Offensivrebounds um seinen 500. in der easyCredit BBL einzusammeln.
Im Blick des Bundestrainers: Mit 14,3 Punkten im Schnitt ist Kenny Ogbe der Topscorer Hamburgs und ligaweit der fünftbeste Scorer mit deutschem Pass. Reicht das, damit Alex Mumbru ihn in Abwesenheit der Profis aus NBA und Euroleague für die WM-Quali Ende November beruft? Wohl noch keine Option für das A-Team sind die beiden vormaligen Junioren-Nationalspieler Raphael Falkenthal und Christian Skladanowski.
Alte Bekannte: Jenas Kapitän Robin Christen war 2021/22 in Hamburg aktiv und wurde in der Saison auch erstmals in die Nationalmannschaft berufen. Die Forwards David Muenkat und Christian Skladanowski spielten 2025/26 zusammen in Würzburg.
Trainer-Take: „Jena bewegt den Ball mehr von Seite zu Seite als jedes andere Team in der BBL. Dadurch bringen die Jenaer auch ihre Werfer ins Spiel. Darauf müssen die Hamburger genauso vorbereitet sein wie auf das spanische Pick and Roll. Andererseits können die Towers selbst über das Pick and Roll attackieren. Jena ist anfällig in Ball-Screen-Situationen. Es wirkt so, als sei nicht klar, in welchen Situationen und Spacings sie weniger aggressiv verteidigen wollen. Sie sind häufig überaggressiv, so dass die Kontrahenten ihr Ballmovement ins Laufen bekommen können. Hamburg sollte hier über Extrapässe gute Optionen finden können.“
Weise Worte: Hamburgs Trainer Benka Barloschky schaut zwar nicht entspannt, aber dennoch zumindest zuversichtlich in die Zukunft. So sagte er der Hamburger Morgenpost: „Das ist jetzt auch nicht meine erste Ergebniskrise. Ich habe das vorher auch schon erlebt und deswegen habe ich davor auch keine Angst.“ Was insofern stimmt, da er als Trainer mit seinem Team saison- und wettbewerbsübergreifend schon einmal 24 Spiele in Folge verlor. Allerdings klingt er an gleicher Stelle etwas weniger zuversichtlich, wenn es um seinen Job geht: „Ich habe vor langer Zeit meinen Frieden gemacht mit den Mechanismen des Profisports, dass wir eben am Ende im Ergebnis gemessen werden und dass das für Trainer bedeutet, dass die Reise irgendwann vorbei ist.“
German Basketball is mad sexy: Hamburgs Neuzugang Jahvon Blair war im Jahr 2024 noch mit den Niagara River Lions Champion in der Canadian Elite Basketball League. Sicher wird dort auch guter Basketball gespielt, Kanada ist immerhin Bronze-Medaillengewinner bei der letzten WM. Dass dieser Sport in Deutschland aber noch einen Ticken besser ist, scheint sich dort schon länger rumgesprochen zu haben: Denn außer Blair haben vom Team der Niagara River Lions auch EJ Onu und Lloyd Pandi den Weg in die easyCredit BBL gefunden. Die Liga in dem Land, welches bei der WM 2023 die Goldmedaille mit nach Hause genommen hat und wo der Basketball eben mad sexy ist.
Livestream / Fernsehen: Die Partie wird Montag ab 19:45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Johannes Hülstrung.
Anmerkung der Redaktion:
- Die Vorberichte (sowie auch die Nachberichte) werden geschrieben von unserem zwölfköpfigen Redaktionsteam von Basketball-Journalisten, die sich mit dem deutschen Basketball und speziell mit der easyCredit BBL befassen.
- Für die Rubrik „Trainer-Take“ äußert sich aus einem Pool von Co-Trainern je ein Assistent Coach eines Bundesligisten anonym zu einer anstehenden Partie, an der sein Verein nicht beteiligt ist. Auf welches Team oder welchen Aspekt er sich dabei konzentriert, ist ihm freigestellt.
- KI-Tools werden lediglich für die Rubrik „Was die KI meint“ sowie gelegentlich für die Recherche zur Rubrik „Alte Bekannte“ benutzt.















