Stand: ALBA BERLIN (2) – RASTA Vechta (7) 2-2
Status quo: Berlin und Vechta liefern sich eine tolle und packende Playoff-Serie, die nun am Mittwoch in der Hauptstadt in einem jetzt alles entscheidenden fünften Spiel ihre Krönung erlebt. RASTA klaute ALBA gleich im Auftaktspiel mit einem 103:89 in Berlin den Heimvorteil und ging nach dem Berliner Ausgleich (90:85) im ersten Heimspiel mit 91:82 erneut in Führung. Doch ALBA glich die Serie in Vechta mit einem 85:79-Sieg erneut aus und holte sich damit den Heimvorteil zurück. Sicher wäre auch eine Fortsetzung dieses Duells in einer Serie "Best of Seven" höchst unterhaltsam, aber die Bamberger können ja nicht ewig auf ihren Halbfinalgegner warten. Im Falle eines Berliner Sieges müssten die Oberfranken am kommenden Samstag zum ersten Halbfinalspiel in Berlin antreten. Sollte Vechta gewinnen, startet das Halbfinale gegen RASTA mit zwei Spielen (30. Mai und 1. Juni) in Bamberg.

Die besondere Brisanz – siegen oder fliegen: Fünfte Spiele sind das Nonplusultra einer Playoff-Serie und treiben die Spannung auf die Spitze. In der seit 1998 geführten digitalen Datenbank sind 49 fünfte Partien gelistet (hier unten mehr Details dazu): 33 gewann die Heim-, 16 die Gastmannschaft. Vechta ist zum ersten Mal an einem solchen Highlight beteiligt. Berlin hat in seiner längeren Vereinsgeschichte schon 16 fünfte Spiele bestritten (Gesamtbilanz 10-6, davon 9-3 in Berlin). Bereits im Viertelfinale musste ALBA schon sechsmal über die volle Distanz gehen, war dabei aber regelmäßig – stets mit Heimvorteil – erfolgreich. Das letzte Mal, dass in der erste Runde zwei Serien ins fünfte Spiel gingen, war 2018 (damals besiegte München Frankfurt und Berlin Oldenburg).
Das denkt Stefan Koch: Unser Kolumnist Stefan Koch hat sich in seinem neuesten Beitrag ausführlich mit fünften Spielen in den Playoffs beschäftigt. Dabei geht er nicht nur auf die beiden aktuellen Serien ein, sondern spricht auch über eigene Erfahrungen.

Was wir bisher gelernt haben: Jedes der bisherigen vier Spiele hatte andere Helden. Tevin Brown (mit 18,3 PPG hinter Ulms Mark Smith der zweitbeste Scorer der bisherigen Playoffs) führte RASTA im Auftaktspiel mit 30 Punkten und fünf Assists zum 103:89-Sieg. 48 Stunden später führte Justin Bean seine Berliner mit einer ähnlich MVP-würdigen Vorstellung (zehn Punkte, elf Rebounds, sechs Assists und drei Steals) zum 90:85-Sieg. Beim 91:82 im dritten Spiel überraschten Alonzo Verge (24 Punkte und zehn Assists) und Tibor Pleiß (22 Punkte und zehn Rebounds) die Berliner mit ihrem nahezu perfekten Zusammenspiel beim Pick & Roll (Highlights). Im vierten Spiel klappte das nicht mehr so reibungslos – zum einen, weil die Berliner dieses Two-Man-Game etwas besser verteidigten, und zum anderen, weil Vechtas 36-jähriger Center nicht zum zweiten Mal innerhalb von 48 Stunden dreißig Minuten Vollgas geben konnte. Martin Hermannsson führte ALBA mit 18 Punkten und großer Kaltschnäuzigkeit in der Crunchtime zum 85:79-Sieg.
Duelle im Fokus: Neben den oben aufgezeigten Protagonisten haben Pedro Calles und Christian Held noch zahlreiche weitere Kandidaten im Aufgebot, die das fünfte Spiel entscheiden könnten. Als Alternativen zu den von Jonas Mattisseck bzw. Lloyd Pandi stark unter Druck gesetzten Spielmachern Alonzo Verge (14,8 PPG und 7,3 APG) und Martin Hermannsson (17,0 PPG und 6,5 APG) könnten z. B. auch Jack Kayil oder Tommy Kuhse das Spiel am Mittwoch an sich reißen. Die Rekonvaleszenten Malte Delow und TJ Bamba könnten ebenso zum X-Faktor werden wie Berlins Dreierspezialist Moses Wood oder die Nachverpflichtungen Malik Parsons und Michael Rataj.
Zahlen, bitte: Die – für umkämpfte Playoffs bemerkenswert hohen – Wurfquoten machen diese Viertelfinalserie außergewöhnlich. Vechta trifft aus dem Feld 49,4 Prozent und Berlin 48,2 Prozent. Beide Quoten werden in den anderen Viertelfinalpaarungen nur von den 51,6 Prozent übertroffen, die München bei seinem souveränen Sweep gegen Trier aufgelegt hat. Vechta attackiert die Berliner Verteidigung vor allem mit seiner starken Dreierquote von 43,1 Prozent effektiv, schwächelt aber merkwürdigerweise an der Freiwurflinie (nur 69,9 Prozent). Problematisch sind für ALBA in Kombination mit den flinken Vechtaer Fingern (10,3 SPG) die vielen Ballverluste (15,3 pro Spiel), deren Zahl die Berliner aber nach 16 und 19 in den ersten beiden Begegnungen zuletzt reduzieren konnten. ALBA hat mit einer Zweierquote von 59,0 Prozent und 37,3 Rebounds pro Spiel in der Zone Vorteile gegenüber RASTA (nur 53,9 Prozent Zweier und 30,8 RPG).
Die ewige Bilanz Von bisher 16 Punktspielen in der easyCredit BBL gegen ALBA gewann RASTA nur zwei (2018 und 2024 jeweils in Vechta). Das 103:89 zum Auftakt dieser Playoff-Serie war somit RASTAs erster Auswärtssieg in der Hauptstadt. In der Gesamtbilanz hat ALBA mit 16-4 Siegen (9-1 in Berlin) die Nase vorne.
Rekordverdächtig: Vechta würde (nach 2019 unter Trainer Pedro Calles) zum zweiten Mal das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft erreichen. Berlin würde zum 32. Mal (zum 27. Mal als ALBA) ins Halbfinale einziehen, würde aber umgekehrt bei einer Niederlage gegen RASTA zum erst dritten Mal in seiner Vereinsgeschichte (nach 2012 und 2013 bzw. 2016 und 2017) zweimal in Folge schon im Viertelfinale scheitern.
Im Auge des Bundestrainers ... und unter Beobachtung diverser NBA-Scouts steht in dieser Serie der als bester deutscher Nachwuchsspieler der easyCredit BBL ausgezeichnete 20-jährige Jack Kayil, der in der ersten Playoff-Serie noch mit seinen Würfen hadert. Nach 40 Prozent in der Punktrunde (34,4 % Dreier) traf der junge Nationalspieler in den ersten vier Viertelfinalspielen seine Würfe nur zu 31 Prozent (25 Prozent Dreier). Trotzdem ist er mit 13,0 Zählern pro Partie ALBAs zweitbester Scorer.
Am Rande der Bande: Nachdem TJ Bamba wegen einer Prellung an der Hand nur im dritten Spiel aussetzen musste, sind beide Teams für den großen Showdown am Mittwoch wieder komplett.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Das Auto mit Vechtaer Kennzeichen, das in der Hauptstadt immer wieder im Umfeld der Albatrosse gesichtet wird, gehört keinem Spion aus dem Oldenburger Land, sondern Pedro Calles. "Dort habe ich mein Auto gekauft", klärt der Spanier in der Berliner Morgenpost auf. Calles kam 2012 als Athletiktrainer zu den damals von Stefan Koch trainierten Artland Dragons, wechselte 2015 als Assistant Coach nach Vechta und wurde dort 2018 Headcoach. Warum der Spanier mit seiner Familie seinerzeit überhaupt aus Spanien nach Deutschland kam, müssen wir an dieser Stelle ja wohl nicht mehr erläutern.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Mittwoch ab 18:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wo es jetzt auch den Playoff-Pass gibt (hier die Details zum Angebot). Patrick Fritzsche kommentiert und Patrick Femerling ist der Experte. Zusätzlich gibt es die Partie frei empfangbar im linearen Fernsehen bei WELT TV (und damit auch kostenfrei hier im Stream sowie im Rahmen des Dyn Sport Mix auch auf den Dyn-Partnerplattformen Amazon Prime Video, Zattoo, Joyn, Pluto TV und ASTRA) sowie live und free hier im SPORTBILD-Stream.


















