Stand: FC Bayern Basketball (1) – Telekom Baskets Bonn (4) 0-0
Titel: München: Deutscher Meister 1954, 1955, 2014, 2018, 2019, 2024, 2025 - Deutscher Pokalsieger 1968, 2018, 2021, 2023, 2024 / Bonn: Basketball Champions League Sieger 2023 / Deutscher Vizemeister 1997, 1999, 2001, 2008, 2009, 2023 / Vize-Pokalsieger 2005, 2009, 2012
Die besondere Brisanz liegt in der Gretchenfrage inmitten von Playoffs: Ist es für ein Team besser, eine Serie frühzeitig zu beenden und sich einige Tage auszuruhen? Oder ist es besser, die nächste Runde direkt vor der Brust zu haben, um im Rhythmus zu bleiben und nicht etwaigen Rost anzusetzen?
Status quo: Der FC Bayern Basketball wird zu erstem Ansatz tendieren. Denn der Titelverteidiger machte in seiner Viertelfinalserie gegen Trier kurzen Prozess mit dem Aufsteiger, dominierte rekordverdächtig (u.a. mit 99:62 im dritten Spiel) und wird nach dem 3-0 (womit die Bayern zwölf Ligaspiele in Serie gewonnen haben) sechs Tage Pause vor dem ersten Halbfinalspiel gehabt haben. Die Telekom Baskets Bonn mussten gegen Würzburg hingegen über die volle Distanz von fünf Spielen, beim 66:63-Erfolg im letzten Duell erneut in die Crunchtime und werden nur zwei Tage Pause gehabt haben.
Was wir bisher gelernt haben: Dass die Bonner die Crunchtime mögen, die Bayern (aufgrund ihrer Dominanz) die Crunchtime meiden. 13 Ligaspiele inklusive Playoffs von Bonn wurden mit maximal fünf Punkten Differenz entschieden, kein Playoff- bzw. Play-In-Team absolvierte mehr enge Spiele. Bemerkenswert: Das Team von Headcoach Marko Stankovic hat neun dieser 13 Spiele gewonnen. Die Bayern absolvierten hingegen nur fünf enge Spiele – die wenigsten aller Postseason-Teams. Wenn die Mannschaft von Svetislav Pesic in die Crunchtime muss, präsentiert sie sich aber nervenstark: Vier jener fünf Partien haben die Bayern gewonnen.
Rekordverdächtig: Die Bayern cruisten also ins Halbfinale. Bei ihrem Sweep gegen Trier verzeichnete der Titelverteidiger eine Punktedifferenz von insgesamt +85. Dominanter trat ein Team in den Playoffs zuletzt … 2015/16 auf, als die Bamberger mit 3-0 und einer Punktedifferenz von +113 Würzburg aus den Playoffs fegten.

Duelle im Fokus: Natürlich muss man den Spieler im Auge haben, der der bislang effektivste in diesen Playoffs ist, und das ist … Münchens Oscar da Silva. Obwohl der 27-jährige Big Man von der Bank kommt, führt er die Bayern mit 15,7 Punkten und 5,7 Rebounds an. Beeindruckend ist seine Treffsicherheit: da Silva hat 19 seiner 24 Würfe aus dem Feld (79,2 FG%) verwandelt! Er zeigt im Low-Post seine Finesse, was er auch ausnutzen könnte, wenn er im Duell der Vierer von der Bank auf Bonns Patrick Heckmann trifft. Könnte Marko Stankovic deswegen eher einen seiner physischen Starter auf da Silva ansetzen? Jeff Garrett und Michael Kessens könnten da Silva auch offensiv beschäftigen, weil sie in den Playoffs dort auch Akzente gesetzt haben: Kessens war mit 16 Punkten und zwölf Rebounds im entscheidenden fünften Spiel gegen Würzburg der mit Abstand effektivste Spieler der Partie, Garrett traf beim 80:76 im dritten Spiel den entscheidenden Dreier. Sowohl da Silva als auch Kessens standen in unserer Starting Five des Viertelfinals.
Ein Bonner Schlüsselspieler für den entscheidenden Sieg gegen Würzburg war auch Grayson Murphy. Der Spielmacher zeigte vor allem im dritten Viertel seine Vielseitigkeit, Murphy gehört zu den besten Passgebern der Liga. An seine Statistiken aus der Hauptrunde, als Murphy phasenweise auch in der MVP-Diskussion geführt wurde, kam er gegen Würzburg aber nicht heran, vor allem beim eigenen Abschluss schwächelte er (35,0 FG%; 17,6 3P%; 50,0 FT%). Gegen einen Verteidiger wie Justus Hollatz dürfte es für Murphy nicht gerade einfacher werden. Auf der Eins ist auch das Duell mit Nenad Dimitrijevic interessant, der dank 13,7 Punkten und 6,7 Assists der dritteffektivste Spieler des Viertelfinals war. Paradox: Er trifft in den Playoffs aus dem Feld (60,9 FG%) und von Downtown (66,7 3P%) besser als von der Linie (55,6 FT%).
Wenn wir schon beim Wurf sind: Liga-MVP Andi Obst hat in dieser Saison für die Bayern in 68 Pflichtspielen ganze 186 Dreier versenkt. Die Bonner als Team? 309 Dreier in 41 Pflichtspielen. Die Bonner haben in der Startformation in Joel Aminu und Tylan Birts gleich zwei gute Flügelverteidiger in den Reihen, die Obst verfolgen könnten, Birts machte im Viertelfinale einen guten Job gegen Würzburgs Spielmacher Marcus Carr. In einem Dreier-Shootout gegen Obst hätten die beiden Bonner aber schlechte Karten: Nach 28,7 Prozent in der Hauptrunde hat Birts gegen Würzburg nur 17,4 Prozent seiner Versuche von Downtown getroffen, Aminu steigerte sich immerhin von 26,8 auf 30,4 Prozent. Obst netzte gegen Trier 36,8 Prozent seiner Versuche ein, in Justinian Jessup (50,0 3P% gegen Trier) haben die Bayern auch noch einen zweiten Edelschützen in den Reihen, den es zu bewachen gilt.

Trainerduell im Fokus: In Münchens Svetislav Pesic und Bonns Marko Stankovic stehen sich zwei serbische Trainer gegenüber, die sich wohlwollend begegnen dürften, denn beide waren früher für Partizan Belgrad aktiv: Pesic spielte dort von 1967 bis 1971, Stankovic trainierte von 2007 bis 2017 diverse Jugendteams von Partizan. Während Stankovic' Zeit dort konnte er sich das erste Mal mit Pesic austauschen, Pesic war 2008/09 und 2011/12 nämlich als Headcoach von Roter Stern Belgrad aktiv. „Als junger Trainer freute es mich, mit einem so erfahrenen Trainer zu sprechen. Ich habe ihn über viele Jahre verfolgt. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer Europas“, sagt Stankovic. Zum ersten Mal als Cheftrainer an der Seitenlinie standen sich beide aber erst im Rückspiel dieser Saison gegenüber. Um wieder in die Vergangenheit zu gehen: Pesic feierte seine erste Meisterschaft 1997 als Trainer von ALBA BERLIN gegen Bonn, nun möchte die Trainerlegende, die Stefan Koch hier in seiner Kolumne gewürdigt hat, seine sechste und letzte holen – und muss dabei erneut Bonn besiegen.
Zahlen, bitte: Die Bonner sind das beste Team beim Offensiv-Rebound. In der Hauptrunde schnappte sich die Stankovic-Truppe durchschnittlich 15,5 Bälle nach eigenen Fehlwürfen von den Brettern, in der Serie gegen Würzburg waren es 16,0 Defensiv-Rebounds im Schnitt. Doch die Bayern boxen gut aus: 27,1 Defensiv-Rebounds in der Hauptrunde waren der ligaweit zweitbeste Wert, in der Serie gegen Trier holten sie sich 27,7 Bälle nach Fehlwürfen des Gegners. Die Bonner verschaffen sich auch deshalb so viele zweite Wurfchancen, weil sie vor allem von außen viel danebenwerfen: Ihre Dreierquote von 27,2 Prozent in der Hauptrunde unterboten sie im Viertelfinale sogar (24,0 3P%). Gegen die Münchener Verteidigung dürfen auch nicht so viele offene Dreier herausspringen: Die Bayern gestatteten ihren Gegnern in der Hauptrunde nur 32,6 Prozent von Downtown (vierbester Wert), gegen Trier waren es sogar nur 26,3 Prozent.
Die ewige Bilanz: Von den 38 Duellen seit der Saison 2011/12 haben die Bayern 25, die Bonner 13 für sich entschieden. Bislang standen sich beide Teams erst einmal in den Playoffs gegenüber, 2022 schalteten die Münchener im Halbfinale die Bonner mit 3-2 aus (damals waren für Bonn Mike Kessens und für München Andi Obst sowie Vladimir Lucic aktiv). Die vergangenen sieben Aufeinandertreffen gingen an die Bayern, darunter zwei Duelle im BBL Pokal sowie auch die beiden Duelle in der Hauptrunde dieser Spielzeit. Am 21. Dezember 2025 vermiesten die Bayern den Bonnern ihr Event-Spiel in Köln vor einer Rekord-Kulisse und gewannen mit 83:55 (Highlights unten). Drei Wochen später ging es enger zu, in München feierten die Bayern einen 66:63-Crunchtime-Erfolg (Highlights). Xavier Rathan-Mayes traf den spielentscheidenden Dreier.
Meilensteine: Münchens Oscar da Silva fehlen noch zwei Punkte bis 1.000, seinem Teamkollegen Isiaha Mike fünf Rebounds bis 500. Bei den Bonnern ist Mike Kessens vier getroffene Würfe von 700 entfernt, während Mitspieler Grayson Murphy sechs Assists bis 250 fehlen.
Am Rande der Bande sitzt bei Bonn derzeit Zach Cooks, der Point Guard war zuletzt am 20. April Teil des Spieltagkaders. Die Bayern haben in ihrer Serie gegen Trier weniger stark rotiert, als es Svetislav Pesic aufgrund der Tiefe seines Kaders könnte: David McCormack startete im ersten Spiel auf der Fünf, Wenyen Gabriel tat dies in der zweiten und dritten Partie. Ansonsten änderte Pesic nichts am Kader, womit Kamar Baldwin, Stefan Jovic und Leon Kratzer derzeit außen vor sind.
Im Blick des Bundestrainers: Sowohl die Bayern mit Justus Hollatz und Andi Obst als auch die Bonner mit Joel Aminu und Mike Kessens schicken jeweils zwei deutsche Nationalspieler von Beginn an auf das Parkett. Die größere Tiefe auf den deutschen Positionen haben zweifellos die Bayern, bei denen sich u.a. Oscar da Silva und Johannes Voigtmann wieder stärker in die Rotation gespielt haben. Bei den Bonnern waren nach Aminu, Kessens und Patrick Heckmann gegen Würzburg Jonathan Bähre und Melvin Jostmann mit jeweils nur einem Kurzeinsatz nicht Bestandteil der Rotation.
Alte Bekannte: Münchens Leon Kratzer lief von 2020 bis 2023 für Bonn auf und feierte in seinem letzten Vertragsjahr den ganz großen Triumph: den Gewinn der Champions League. An seiner Seite damals war unter anderem Mike Kessens, mit dem Kratzer auch in Paris zusammenspielte, dort feierten die beiden Center 2024 den Gewinn des EuroCups. Kratzer kennt zudem Patrick Heckmann aus gemeinsamen Bamberger Tagen.

Weise Worte: „Sie sind das beste Team Deutschlands – ich denke, wir werden eine Menge Leute schocken“, blickte Bonns Tylan Birts nach dem entscheidenden Sieg gegen Würzburg bei Dyn selbstbewusst auf die anstehende Halbfinalserie gegen die Bayern.
Sonstiges: Für beide Auswärtsspiele bieten die Telekom Baskets ihren Fans erneut ein Public Viewing im Telekom Dome an.
Kochs Nachschlag: Was unser Kolumnist Stefan Koch über diese Serie denkt, lässt sich in einem aktuellen Text nachlesen.

In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Nach Berlin wiesen die Bonner (6.471 Zuschauer) und Bayern (6.452) den zweit- bzw. dritthöchsten Zuschauerschnitt in der Hauptrunde auf. Die Münchner nennen in den Playoffs den noch mehr Zuschauer fassenden SAP Garden ihr Zuhause, wo zum Viertelfinalauftakt gegen Trier 11.500 Fans die Halle füllten. Die Bonner stellten bei ihrem Event-Spiel gegen die Bayern in Köln mit 18.713 Zuschauern einen Ligarekord auf. Bei solchen Zuschauermagneten wird man sicherlich den ein oder anderen Fan sagen oder denken hören: Deutscher Basketball ist schon verdammt sexy.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Samstag ab 14:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Florian von Stackelberg, als Experte ist Tommy Klepeisz dabei, es moderiert Anne Kamphausen.


















