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Home/Newscenter/Duell der Kadertüftler: Hamburg und Chemnitz durchlaufen entgegengesetzte Trends

VorberichteDuell der Kadertüftler: Hamburg und Chemnitz durchlaufen entgegengesetzte Trends

29. Januar 2026

Die besondere Brisanz liegt in den entgegengesetzten Trends der Veolia Towers und NINERS: Die einen wollen ihren Aufwärtstrend fortsetzen, um sich weiter von den Abstiegsrängen zu entfernen. Die anderen wollen ihren Abwärtstrend stoppen, um nicht den Anschluss an die Playoff-Plätze zu verlieren. Hamburg hat zwei Spiele in Serie gewonnen und die Abstiegsränge verlassen, Chemnitz vier Partien nacheinander verloren und ist aus den Play-In-Plätzen gepurzelt. Und so trennen beide Clubs zum Rückrundenstart nur drei Tabellenplätze und drei Siege, Chemnitz (7:10) und Hamburg (4:10) haben sogar gleich viele Niederlagen auf dem Konto. Wer hätte das vor einem Monat gedacht? Auch international setzte sich der Trend fort: Die Sachsen unterlagen am Dienstag bei Buducnost Voli Podgorica mit 81:97, die Norddeutschen bezwangen Slask Breslau am Mittwoch mit 99:96.

Status quo: Die Hamburger ließen auf ihren 84:82-Heimerfolg über ratiopharm ulm ihren nächsten Crunchtime-Sieg folgen, mit 82:78 setzten sie sich bei den SKYLINERS Frankfurt durch. Die Chemnitzer befanden sich nach ihrer 59:87-Pleite gegen den FC Bayern Basketball im Auswärtsspiel gegen die EWE Baskets Oldenburg eigentlich auf Kurs Wiedergutmachung, gingen aber im vierten Viertel mit 9:30 unter und zogen mit 72:89 den Kürzeren.

Zahlen, bitte: Vier Zugänge (Gavin Schilling, Jordan Schakel, Aher Uguak, Eric Washington) und drei Abgänge (Robbie Beran, Ty Brewer, Gavin Schilling) bei den Gästen, drei Zugänge (Martin Breunig, Devon Daniels, Ross Williams) und vier Abgänge (Eric Reed, Carlos Stewart, JP Tokoto, Justin Edler-Davis) bei den Hausherren: Kein Team ist in dieser Saison bisher umtriebiger im Kaderumbau gewesen als die beiden EuroCup-Mannschaften. Die NINERS haben damit bereits Ende Januar das Kontingent von vier Nachverpflichtungen ausgeschöpft.

Rodrigo Pastore und seine NINERS hoffen auf einen Sieg, gastieren im Duell der EuroCup-Teams allerdings bei erstarkten Hamburgern. (Foto: René Hudl)

Duell im Fokus: Bei so vielen Kaderveränderungen müssen in dieser Kategorie eigentlich auch Neuzugänge gegenübergestellt werden. Bei Chemnitz ist Rückkehrer Washington zuletzt an Bord gekommen. Bei Science City Jena war der Point Guard mit 16,2 Punkten pro Partie Topscorer; aber kein so effizienter, bei dem 4,9 Assists auch 3,6 Ballverlusten gegenüberstanden, und der nur 38,9 Prozent seiner Feldwürfe und 28,0 Prozent seiner Dreier traf. Wie läuft es für Washington in Chemnitz, wo er auch in der Saison 2021/22 eine Nachverpflichtung war? Auf Hamburger Seite sind in Williams und Daniels gleich zwei Guards hinzugestoßen – gute Fänge, sind die beiden doch die besten Punktesammler. Williams, Matchwinner beim Sieg gegen Ulm, kommt auf 15,7 Zähler pro Partie; Daniels, Topscorer beim Erfolg in Frankfurt, Teil der Starting Five der Woche und ligaweit bester Punktesammler im neuen Jahr, kommt auf 13,1. Ein Haken: Beide setzen ihre Mitspieler nicht so sehr in Szene (Williams: 2,1 APG; Daniels: 1,3 APG).

Die ewige Bilanz: Zehn der bisher elf Duelle gingen an Chemnitz, der einzige Hamburger Sieg in der Beletage datiert auf den 24. März 2022. Die Hamburger wollen ihre Bilanz auch deswegen verbessern, weil zwischen beiden Teams eine besondere Brisanz herrscht, die auf gemeinsame ProA-Zeiten zurückgeht: In der Halbfinalserie 2019 hatten sich die Towers nach fünf Spielen durchgesetzt und den Aufstieg gefeiert, den Crunchtime-Sieg im vierten Spiel hatte der spätere Welt- und Europameister Justus Hollatz sichergestellt.

Das Hinspiel: Das Duell am 3. Oktober war hingegen nicht so brisant – weil Chemnitz dominierte. Der 102:78-Erfolg ist gleichbedeutend mit dem höchsten Sieg in der ewigen Bilanz beider Rivalen in der easyCredit BBL. Bis zur 28. Spielminute war die Partie noch eine auf Augenhöhe, dann zogen die NINERS durch einen 20:2-Lauf davon. Unter sechs zweistellig punktenden Chemnitzer Akteuren ragte Yordan Minchev mit 25 Punkten (10/13 FG) und 13 Rebounds heraus. Minchevs Effektivitätswert von 35 ist bis heute der fünfthöchste der Saison.

Meilensteine: Hamburgs Niklas Wimberg ist einen Defensivrebound von seinem 500. entfernt und acht Vorlagen vom 250. Assist in der Beletage. Sein Kapitän Benedikt Turudic benötigt noch drei Offensivrebounds bis 250 und zwei Steals bis 100. Kenneth Ogbe ist von diesem Wert sogar lediglich einen Ballgewinn entfernt. Breunig würde durch das Angeln eines weiteren Offensivrebounds mit Augustine Rubit (464) auf Platz 20 der digitalen Bestenliste gleichziehen. Auf NINERS-Seite fehlen Kostja Mushidi 13 Punkte bis 1500 und vier Dreier bis 250.

Am Rande der Bande: Hamburg war zuletzt ohne Zsombor Maronka, der im EuroCup-Spiel am Mittwoch aber immerhin wieder im Kader stand. Chemnitz fehlten Kaza Kajami-Keane, John Newman und Amadou Sow.

Im Blick des Bundestrainers: Beziehungsweise im Blick von Coach Koch. In seiner Kolumne stellt Stefan Koch sein Team der Hinrunde zusammen. In der Auswahl der sechs besten Deutschen findet sich in Kevin Yebo auch ein Chemnitzer wieder.

Alte Bekannte: Wimberg lief von 2019 bis 2022 für Chemnitz auf. Auf der Gegenseite gab Yebo in der Saison 2019/2020 für die Towers sein Debüt in der easyCredit BBL, vom aktuellen Hamburger Kader war damals nur Osaro Jürgen Rich bereits für die Towers aktiv. Kajami-Keane und Turudic waren 2019/20 Teamkollegen in Weißenfels, bei den Wölfen spielten auch Mushidi und Breunig zwei Jahre (2022 bis 2024) zusammen.

Was die Lokalpresse schreibt: Die greift zwar auch den Towers-Sieg samt Kinderbeglückung im EuroCup auf, das Hamburger Abendblatt hat aber auch mal vier Ligen tiefer vorbeischaut, wo Altona Basketball im Schnitt 300 Zuschauer anlockt. Die Freie Presse aus Chemnitz analysiert hingegen kritisch die Niederlagenserie der NINERS.

In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Klar, der Slogan geht auf die Erfolge der Männer-Nationalmannschaft zurück, doch Basketball-Fans in Hamburg und Chemnitz wissen, dass DBB-Basketball auch abseits von Dennis Schröder, Franz Wagner und Co. ganz schön sexy sein kann. 2018 holte die männliche U20-Auswahl in Chemnitz mit Bronze die erste Medaille eines deutschen Nachwuchsteams seit 35 Jahren. Im vergangenen Jahr erreichte die Frauen-Nationalmannschaft in Hamburg mit dem fünften EM-Rang die zweitbeste Platzierung ihrer Geschichte.

Livestream: Die Partie wird am Samstag von 19.45 Uhr an live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Arne Malsch.