Die besondere Brisanz lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Aufsteiger Trier steht da, wo Chemnitz von vielen erwartet wurde – und umgekehrt. Die VET-CONCEPT Gladiators sind als Aufsteiger das drittbeste Team der Liga. Die NINERS Chemnitz waren nach Ende der Hauptrunde der Saison 2024/25 Tabellenvierter, aber jetzt müssen sie darum kämpfen, die Postseason zu erreichen. Mit zwölf Siegen aus 19 Spielen sind die heimstarken Moselstädter (sieben Siege in neun Heimspielen) auf dem besten Weg dorthin, während Chemnitz nach dem umkämpften Derbysieg gegen Ostrivale Weißenfels seinen Abwärtstrend von zuvor fünf Niederlagen in Folge zwar stoppen konnte, mit dem zwölften Tabellenplatz aber noch lange nicht da steht, wo man dem Selbstverständnis nach hingehört.
Status quo: Dabei war der 79:75-Erfolg der NINERS im Heimspiel gegen die SYNTAINICS MBC zwar nicht schön anzusehen, dafür umso wichtiger. Ungewohnterweise nicht schön anzusehen war aus Trierer Sicht der 67:97-Blowout in Ulm, wo sich die Gladiatoren in der Offensive schwach und defensiv porös zeigten (63 kassierte Punkte in der zweiten Hälfte). Drei Tage später kassierten sie sogar 108 Punkte - erzielten aber selbst 115 im Overtime-Sieg bei den SKYLINERS am Mittwoch! Chemnitz verkaufte sich zum Abschluss der BKT-EuroCup-Hauptrunde am Mittwochabend bei Turk Telekom Ankara lange Zeit teuer verkauft. Obwohl neben den Verletzten Amadou Sow und Julian Steinfeld sowie dem international nicht spielberechtigten Eric Washington kurzfristig auch noch Kostja Mushidi ausfiel, war das Pastore-Team in der türkischen Hauptstadt bis Mitte des letzten Viertels beim Stand von 56:62 noch dran. In der Schlussphase mussten die NINERS dann jedoch abreißen lassen und eine 62:79-Niederlage hinnehmen.

Das Hinspiel lässt Erinnerungen an gute Chemnitzer Zeiten wach werden, denn der 96:84-Sieg der NINERS Ende vergangenen Jahres war deren dritter in Folge. Amadou Sow brillierte seinerzeit mit 27 Punkten und elf Rebounds, was die Frage aufwirft: Erlauben das - sofern Sow nach Verletzung wieder dabei sein sollte - die Gladiators ein zweites Mal? Jacques Schneider, der pfiffige Headcoach des Aufsteigers und erster Anwärter auf die Trophäe für den „Trainer des Jahres“, wird sicherlich wieder tief in die Trickkiste greifen, um die Wirkungskreise des Chemnitzer Centers (2,07 Meter) einzudämmen – mit einem undersized Big Man wie Urald King (1,98)? Oder mit jeder Menge Erfahrung und Physis a la Maik Zirbes (36 Jahre, 115 Kilo)? Vielleicht ist auch der gleichaltrige Marten Linßen (27, 2,03), Publikumsliebling in Trier, die richtige Wahl als Sows Gegenspieler. Linßen ist für seine allererste Saison in der Beletage schon erstaunlich produktiv (10,6 PPG, 4,5 RPG). Möglicherweise wird Schneider alle drei als Verteidiger gegen Chemnitz' zweitbesten Scorer (14,6 PPG) und besten Rebounder (7,1 RPG) ausprobieren, sollte aber dafür gewappnet sein, dass sein Pendant auf NINERS-Seite auch ein paar Taktikpfeile im Köcher haben wird.
Trainerduell im Fokus: Womit wir auch schon beim ersten Duell im Fokus wären: Schneiders Kräftemessen mit dem langjährigen Chemnitzer Headcoach Rodrigo Pastore. Pastore ist so etwas wie Schneiders Mentor: Beide stehen regelmäßig in Kontakt und haben jeweils eine Bonner Vergangenheit. Pastore hatte Schneider schon früh eine Karriere als Erstliga-Coach prophezeit – etwas, was der 33-jährige Gladiators-Trainer seinem erfahrenen Kollegen und Freund bis heute hoch anrechnet. Kennengelernt haben sich die beiden beim A-Lizenz-Trainerlehrgang 2017: Der 20 Jahre ältere Pastore war bereits Cheftrainer der NINERS, Schneider zur damaligen Zeit Jugendtrainer und Assistant Coach bei der 1. Mannschaft der Bayer Giants Leverkusen. „Rodrigo hat mir immer sehr viel Selbstbewusstsein vermittelt. Ich kann ihn immer um Rat fragen, auch in der vergangenen Saison, als wir mit Trier ProA-Meister geworden sind. Jetzt ist die Situation natürlich anders. Wir sind beide hoch kompetitiv und krasse Konkurrenten mit sehr hohem, gegenseitigem Respektlevel“, sagt Schneider. Möglicherweise ist Pastore auch in anderer Hinsicht ein Vorbild für Schneider: Der in Buenos Aires geborene Trainer ist seit 2015 (!) Headcoach bei den NINERS. Schneider hat gerade erst seinen Vertrag bei den Gladiators bis zum Sommer 2028 verlängert – um an der Mosel ein ähnliches Vermächtnis zu gründen wie Pastore in Sachsen?
Zahlen, bitte: Sowohl Trier als auch Chemnitz teilen gerne den Ball: Die Gladiators sind mit 19,8 Assists pro Spiel zweitbestes Vorlagenteam der Liga (hinter ALBA BERLIN mit 20,0 APG), Chemnitz folgt auf dem vierten Rang (18,4 APG). Diese Tatsache führt zum …
… Spielerduell im Fokus: Denn in Triers Steven Ashworth und Chemnitz' Corey Davis stehen sich die besten Vorlagengeber der Liga gegenüber. Triers Neuzugang Ashworth kommt auf 8,2 Assists pro Partie, am dichtesten auf den Fersen ist ihm Davis, der in 19 Spielen durchschnittlich 7,7 Assists verzeichnet.
Die ewige Bilanz: Neben dem Hinspiel gab es zwei Pokalduelle zwischen den beiden Klubs, jeweils unter anderem Namen und sowohl 2006/2007 als auch 2008/2009 in der ersten Pokalrunde. Der frühere Sieg ging an den damals noch unter BV TU Chemnitz 99 bekannten Klub, der spätere an TBB Trier – Austragungsort beide Male war Chemnitz.
Meilensteine: Maik Zirbes fehlen noch drei getroffene Feldwürfe bis 750 und 25 Punkte bis 2.000.
Am Rande der Bande: Bei den Chemnitzern fehlten gegen Weißenfels Sow und Steinfeld und am Mittwoch im EuroCup in Ankara wie erwähnt zusätzlich noch Kostja Mushidi. Trier musste Mittwochabend in Frankfurt auf Nolan Adenkunle verzichten, der gegen Chemnitz aber wieder im Kader sein soll.
Weise Worte: Jacques Schneider sagte vor dem Duell mit den NINERS: „Chemnitz ist das Team aus der Hinrunde, mit dem wir wirklich noch eine Rechnung offen haben. Wir haben trotz des Ausfalls von King, Yakhchali und Brooks eine gute Partie gemacht in Chemnitz und uns lange bis ins vierte Viertel durchgekämpft. Leider hat dann die Kraft nicht gereicht – das sieht jetzt anders aus!“
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Sonntag, 15. Februar, ab 17:40 Uhr Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator vor Ort ist Sebastian Meichsner.


















