Abstiegskampf: Die MLP Academics Heidelberg schöpfen nach dem 93:73-Erfolg in Frankfurt wieder Mut im Kampf um den Klassenerhalt. Mit einer Bilanz von acht Siegen und 21 Niederlagen bleiben die Heidelberger zwar Vorletzter, Science City Jena auf dem rettenden Ufer ist aber nur noch zwei Siege entfernt – und am 7. Mai kommt es in Jena zum direkten Duell. Da kann man ja schon mal auf das Restprogramm beider Teams blicken: Heidelberg muss zudem mit Ludwigsburg (H), Oldenburg (A), Weißenfels (H) und Vechta (H) gegen kein Team aus den sicheren Playoff-Plätzen ran und darf dreimal zu Hause auflaufen. Jena tritt zudem gegen Chemnitz (A), Trier (H), Rostock (A) und Berlin (A) an, hat also nur ein zusätzliches Heimspiel und tabellarisch etwas schwierigere Gegner. Unser Tabellenrechner wird zeigen, was für Heidelberg da wirklich noch geht.
Die besondere Brisanz: Die Heidelberger brauchen jeden Sieg für den Klassenerhalt. Ein Abstieg wäre angesichts der Playoff-Teilnahme der Academics in der vergangenen Saison außergewöhnlich: Seit die Liga 1975 erstmals eingleisig wurde, stiegen nur vier Vereine ab, die in der Saison vorher die Postseason erreicht hatten – darunter war kurioserweise auch schon Heidelberg:
- BG Göttingen (2011 im Viertelfinale, 2012 abgestiegen)
- SG Braunschweig (1993 im Viertelfinale, 1994 abgestiegen)
- Steiner Bayreuth (1991 im Halbfinale, 1992 abgestiegen)
- USC Heidelberg (1979 Sechster der Endrunde, 1980 abgestiegen)
Status quo: Für die Heidelberger war der angesprochene 93:73-Sieg in Frankfurt ihr zweithöchster Saisonerfolg. Die Gäste entschieden jedes Viertel für sich und setzten sich kurz nach der Pause auf über 20 Zähler Differenz ab. Die Ludwigsburger haben drei, teils sehr deutliche, Niederlagen in Serie kassiert: Auf ein 76:92 in Trier und 77:101 gegen Berlin folgte ein 59:93 in München. Das Momentum im engen Rennen um die Play-Ins mag da nicht auf der Seite der RIESEN sein, sie behaupten aber derzeit den siebten Platz.
Weise Worte: „Wenn du gegen den Abstieg spielst, musst du Charakter zeigen. Diesbezüglich müssen sich einige Spieler an die eigene Nase fassen“, hatte Niklas Würzner der RNZ nach der 70:101-Pleite gegen Rostock gesagt und dabei direkt zwei Mitspieler kritisiert: „Michael Weathers und DJ Horne haben eine Leistung gezeigt, die nicht würdig war, mehr Spielzeit zu bekommen.“ Würzner selbst rutschte beim Sieg gegen Frankfurt in die Startformation, stand mit 23:22 Minuten so lange auf dem Parkett wie zuletzt am 3. Januar und stellte dank fünf Punkten sowie sechs Assists seinen persönlichen Effektivitäts-Saisonbestwert von 14 ein. Charakter gezeigt, oder?

Duell im Fokus: Nach seiner Rückkehr nach Heidelberg hatte Ryan Mikesell in den ersten Wochen etwas mit der Konstanz zu kämpfen, doch pünktlich in der ganz heißen Phase des Abstiegskampfs hat der 29-jährige Forward wieder die Führungsrolle übernommen. Bei der Pleite in Rostock stellte er mit 19 Zählern einen persönlichen Saisonbestwert auf, den er gegen Frankfurt auf 24 Punkte steigerte – garniert mit sieben Rebounds, fünf Assists und ungewohnter Stärke von Downtown (4/6 3P) war dies unbestritten sein bestes Saisonspiel, womit er auch zum Spieltags-MVP avancierte. Auf der Drei wird es Mikesell mit Elijah Hughes zu tun bekommen, der mit 20 Punkten Ludwigsburgs Topscorer gegen Berlin war. Hughes hat aktuell etwas mit der Konstanz zu kämpfen, agiert nicht so vielseitig wie Mikesell, mag aber umso mehr Dreier – nur ein Spieler nimmt häufiger von außen Maß als Hughes (7,8 3PA).
Zahlen, bitte: Die Ludwigsburger (43,4 FG%) mögen wie Heidelberg (43,6 FG%) nicht sehr gut aus dem Feld treffen, dafür schnappen sie sich die zweitmeisten Offensiv-Rebounds der Liga (13,8 ORPG). Einige zweite Wurfchancen könnte es gerade gegen die Academics geben, die sich die zweitwenigsten Defensiv-Rebounds sichern (23,3 DPRG). Es könnte einige Freiwürfe geben, denn beim Duell zwischen Ludwigsburg (23,9 PF) und Heidelberg (23,4 PF) treffen die beiden Teams aufeinander, die am häufigsten foulen.
Die ewige Bilanz fällt mit 9:5 zugunsten Ludwigsburgs aus, seit dem Heidelberger Aufstieg 2011 steht es 6:4 für die RIESEN. Zu Hause haben die Academics ihre vergangenen beiden Heimspiele gegen Ludwigsburg gewonnen, darunter war in dieser Saison ein 82:73-Erfolg im Achtelfinale um den BBL Pokal.
Das Hinspiel: Beim 89:73-Heimerfolg Anfang Januar lagen die Ludwigsburger nie zurück. Babacar Sane legte von der Bank kommend in nicht mal 17 Minuten 21 Punkte auf. Für die Heidelberger setzte es damals die fünfte Niederlage in Serie, womit die Academics das Schlusslicht bildeten.
Meilensteine: Ludwigsburgs Jonas Wohlfahrt-Bottermann fehlen noch acht Defensive-Rebounds, um in der digitalen Bestenliste seit 1998/99 mit Danilo Barthel (902 Defensiv-Rebounds) auf dem 20. Platz gleichzuziehen. Teamkollege Yorman Polas-Bartolo fehlen elf Offensive-Rebounds, um mit Jason Boone (556 Offensiv-Rebounds) auf dem elften Rang gleichzuziehen. Bei Heidelberg steht Erol Ersek vor seinem 100. Einsatz in der Beletage, Paul Zipser macht bei drei Rebounds die 750 voll.
Am Rande der Bande saßen bei Heidelberg gegen Frankfurt zwei Guards: DJ Horne laboriert an einer Kapselverletzung am Daumen, Kevin McClain wird aufgrund einer Sprunggelenksverletzung in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Ludwigsburger mussten zuletzt weiterhin auf Tray Buchanan und Johannes Patrick verzichten.
Alte Bekannte: Heidelbergs Mateo Seric spielte zu Nachwuchszeiten für Ludwigsburg, debütierte für die Schwaben auch in der Beletage und war dort bis 2017/18 aktiv. Heidelbergs Paul Zipser und Ludwigsburgs Gavin Schilling waren 2021/22 Teamkollegen in München.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Samstag ab 18.15 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Chris Schmidt.






















