Abstiegskampf / Kampf um die Postseason: Der SYNTAINICS MBC kann nach der Heidelberger Niederlage am Samstag in Oldenburg nicht mehr absteigen, wie der Tabellenrechner auch anzeigt, aber in der oberen Tabellenhälfte ist für die Fitness First Würzburg Baskets hingegen ein Sieg in Weißenfels geradezu Pflicht, um die Chancen auf eine direkte Qualifikation für die Playoffs zu wahren. Die Entscheidung darüber dürfte dann in den folgenden direkten Duellen gegen Ulm und Ludwigsburg fallen.
Die besondere Brisanz liegt am Sonntag damit ganz aufseiten der Gäste aus Würzburg, denen in den Play-Ins K.-o.-Duelle gegen Trier oder Vechta drohen würden – Gegner, gegen die man erst vor Kurzem deutlich das Nachsehen hatte. Eine Platzierung unter den ersten Sechs ist für Würzburg auch mit Blick auf die Planung für die kommende Saison wichtig, denn schon der Siebte und Achte könnten am Ende ohne einen Startplatz in den FIBA-Wettbewerben dastehen. Dort stehen der easyCredit BBL nämlich abseits von EuroLeague und EuroCup in der kommenden Saison in Champions League und FIBA Europe Cup voraussichtlich nur noch fünf Startplätze zu.
Status quo: Das als triumphaler Saisonhöhepunkt geplante Final Four der ENBL ging für die Wölfe unter der Woche zwar in die Hose, aber der souveräne 92:76-Sieg über Voluntari am Donnerstag im undankbaren Spiel um den dritten Platz deutet darauf hin, dass die Moral der Mannschaft das offenbar überlebt hat. In der easyCredit BBL haben die Wölfe ihre letzten vier Heimspiele (gegen Berlin, Vechta, München und Hamburg!) allesamt gewonnen. Die jüngsten Würzburger Resultate waren hingegen äußerst wechselhaft. Auf eine Heimniederlage gegen Bonn folgte ein Sieg in Oldenburg. Auf Niederlagen in Trier und gegen Vechta folgten Siege in Jena sowie gegen Frankfurt, bevor am Donnerstag das Nachholspiel gegen die Bayern verloren wurde. Unter dem Strich ergibt das seit der Länderspielpause eine durchwachsene Bilanz von 4-5 Siegen (2-3 zu Hause und 2-2 auswärts).

Duell im Fokus: Der 22-jährige Christian Skladanowski zählt zu den jüngeren Hoffnungsträgern in unserer Liga. Trainer Sasa Filipovski schenkte ihm vom ersten Spieltag an in Würzburg viel Vertrauen, indem er ihn regelmäßig – auch in der Champions League – auf der Vier starten ließ, wo der junge Forward mit 4,2 Punkten und 2,9 Rebounds in 15,5 Minuten pro Spiel einen soliden Job machte. Jetzt, wo es auf der Saison-Zielgeraden um die Wurst geht, setzt Würzburgs Trainer mit David Muenkat (7,2 PPG und 5,0 RPG) als Starter auf der Vier aber doch stärker auf die größere Erfahrung des Kanadiers. Das könnte auch gegen die Wölfe angebracht sein, die in der 34-jährigen Nachverpflichtung Nemanja Djurisic (8,4 PPG und 5,8 RPG) einen der abgebrühtesten Vierer unserer Liga aufbieten.
Zahlen, bitte: Die beiden Teams rangieren gleichermaßen mit ihren Wurfquoten in der oberen und bei den Rebounds in der unteren Hälfte der Statistik. Große Unterschiede gibt es indes bei den Ballgewinnen, wo Würzburg mit 7,6 Steals Fünfter und Weißenfels mit 6,0 Steals nur Vorletzter ist, und bei den Ballverlusten, wo der SYNTAINICS MBC (nur 11,8 pro Spiel) am besten auf den Ball aufpasst. Würzburg ist in dieser Kategorie mit im Schnitt 13,7 Turnovern nur Neunter.
Die ewige Bilanz: Von den letzten zehn Begegnungen zwischen beiden Clubs (seit 2021) endeten nur zwei mit Auswärtssiegen. 2022 gewann der MBC nach zwei Verlängerungen 117:113 in Würzburg, und ein Jahr später siegte Würzburg 88:72 in Weißenfels. In der Gesamtbilanz (seit dem Würzburger Aufstieg 2012) gewannen die Würzburger 14 und die Wölfe neun Spiele.
Das Hinspiel war am 21. Dezember praktisch schon nach zehn Minuten entschieden, denn Würzburg führte mit 31:11. Allein 16 der 31 Würzburger Punkte gingen dabei auf das Konto von Damion Mintz, der am Ende 24 Zähler zum 89:71 beisteuerte und von Marcus Carr (25) noch übertroffen wurde.
Meilensteine: Brae Ivey fehlen noch 18 Punkte bis 1000 und zwei Assists bis 300. Eddy Edigin fehlen noch sechs Rebounds bis 750. Spencer Reaves fehlen noch sieben Dreier bis 250 und Charles Callison drei Steals bis 150.
Am Rande der Bande saß zuletzt in Würzburg kein Verletzter und in Weißenfels nur Andrew Harrison als siebter Import-Spieler.
Alte Bekannte: Eddy Edigin beendete die vergangene Saison als Ersatz für den verletzten Martin Breuning in Weißenfels, und Johnathan Stove spielte 2023/24 für die Wölfe. Charles Callison kam im Februar 2022 aus der Ukraine (Odessa) nach Würzburg und spielte bis zum Saisonende noch 15 Spiele für die Baskets. Die folgende Saison begann er in Groningen, schloss sich aber schon im November den Wölfen an. Auch Collin Welp startete seine Bundesliga-Karriere 2022-24 in Würzburg.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Vor 28 Jahren spielten die damaligen Zweitligisten hagebau Weißenfels und DJK S.Oliver Würzburg (nicht zu verwechseln mit den erst 2007 gegründeten heutigen Würzburg Baskets) in einer Qualifikationsrunde um den Aufstieg in die erste Liga. Die Würzburger stiegen mit 7:1 Siegen auf, und der damals 19-jährige Dirk Nowitzki versetzte zum Abschluss der Runde am 18. April 1998 beim Würzburger 108:98 sechshundert Zuschauer in der ausverkauften Sporthalle Weißensee-West mit 32 Punkten in Erstaunen. 25 Jahre später wurde der NBA-MVP von 2007 und der NBA-Champion von 2011 in die Naismith Memorial Hall of Fame aufgenommen. Am vergangenen Dienstag wurde der große Blomde in Berlin auch feierlich in die Hall of Fame der FIBA aufgenommen: German Basketball is mad sexy!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Samstag ab 16:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Patrick Fritzsche. Update: Die geplante Übertragung auf WELT TV entfällt kurzfristig.



















