Abstiegskampf / Kampf um die Postseason: Während der FC Bayern Basketball laut unserem Tabellenrechner sogar rechnerisch bereits für die Postseason planen kann (und dort mit großer Wahrscheinlichkeit als Punktrunden-Erster starten wird), gibt es in Weißenfels Diskussionen zwischen Optimisten ("Schaffen die Wölfe es noch in die Play-ins?") und Pessimisten ("Noch ist der Klassenerhalt nicht sicher!"). Tatsächlich hat der SYNTAINICS MBC auf seinem 16. Tabellenplatz nur zwei Siege Rückstand auf den zehnten Platz und schon drei Siege Vorsprung vor die Abstiegsplätze.
Die besondere Brisanz: Die easyCredit BBL konfrontiert die Münchener in diesen Wochen mit einer ganzen Serie heikler Auswärtsaufgaben. Vor drei Wochen misslang dabei in Bamberg die Revanche für das drei Wochen zuvor erlittene Pokal-Aus. Vor einer Woche hatten die Münchener einmal mehr in Hamburg das Nachsehen, wo die Bayern schon immer Probleme hatten (nur ein Sieg aus sechs Auswärtsspielen in Hamburg), und jetzt steht das Gastspiel in der Stadthalle Weißenfels auf dem Programm, wo die Bayern vor 14 Monaten mit einer 93:95-Niederlage im Halbfinale gegen den SYNTAINICS MBC den letztjährigen Pokaltitel verspielt haben. Chancen zur Revanche haben die Bayern gegen die Wölfe seitdem zwar schon fünfmal genutzt (einmal im Rahmen des letztjährigen Playoff-Viertelfinales sogar in Weißenfels). Aber da agierten sie jeweils aus einer Position der Stärke heraus. Bei den letzten beiden Niederlagen im nationalen Wettbewerb wirkte das Team von Trainer Svetislav Pesic indes nicht so souverän. Können die Wölfe das nutzen? Drei nationale Niederlagen in Folge erlitten die Bayern zuletzt 2023 beim 0-3 im Playoff-Halbfinale gegen Ulm.
Status quo: Die Weißenfelser haben unter ihrem neuen Trainer Milenko Bogicevic drei Siege (wettbewerbsübergreifend sogar sechs) Siege in Folge hingelegt. Da will sich der MBC-Trainer die gute Laune auch nicht durch die am Mittwoch in Ulm erlittene 81:014-Klatsche verderben lassen: "Insgesamt hätten wir es besser machen können, aber wir hatten bislang gute Wochen und darauf bin ich sehr stolz."

Duell im Fokus: Die Bayern und die Wölfe zählen mit rund 28 Versuchen pro Spiel gar nicht einmal zu den eifrigsten Dreier-Werfern in der easyCredit BBL. Aber beide Mannschaften haben mit Andi Obst (trifft 2,7 Dreier pro Spiel mit 39,4 Prozent) und gerade bis 2028 verlängerten Justinian Jessup (2,3 3PM mit 39,1 Prozent) bzw. Khyri Thomas (2,2 3PM mit 37,5 Prozent) und Spencer Reaves (1,9 3PM mit 37,3 Prozent) sogar zwei Shooting Guards, die im Schnitt zwei oder mehr Dreier im Korb versenken. Die Dreierspezialisten der Bayern haben dabei mit ijren Quoten die Nase vorne, aber Thomas und Reaves haben im Point Guard Charles Callison (2,5 3PM mit 36,5 Prozent) einen dritten, sogar noch eifrigeren Dreierschützen an ihrer Seite, während die Münchener Spielmacher eher selten aus der Distanz werfen.
Zahlen, bitte: In der von hohem Tempo geprägten easyCredit BBL zählen die Bayern und die Wölfe mit einer Pace von ca. 73 Ballbesitzen pro Spiel neben Würzburg zu den drei langsamsten bzw. am kontrolliertesten agierenden Mannschaften.
Die ewige Bilanz zwischen beiden Clubs ist seit dem Münchener Aufstieg 2012 eindeutig. Von bisher 29 Begegnungen endeten nur drei mit einem Erfolg der Wölfe. Den ersten und damit historischen Sieg über den Favoriten feierten die Wölfe vor zehn Jahren am 6. März 2016 mit 93:90 in Leipzig, den zweiten am 19. Oktober 2024 in Weißenfels mit 79:75 und den dritten im letztjährigen Pokal-Halbfinale mit 95:93 beim TOP FOUR 2025 ebenfalls in Weißenfels.
Das Hinspiel war am 9. Spieltag das Duell des Tabellenführers München gegen den damaligen Zweiten SYNTAINICS MBC, wurde dem Attribut „Spitzenspiel“ aber mit mageren Wurfquoten von unter 30 Prozent bis ins dritte Viertel hinein nicht gerecht. Nach 28 Minuten führte der MBC 47:43, aber als dann Justinian Jessup (12) und Andi Obst (15) endlich ihren Wurfrhythmus fanden, kippte das Spiel und die Bayern gewannen mit 21 Punkten von Wenyen Gabriel noch 83:62. Marcus Foster und Charles Callison waren mit je zwölf Zählern die Topscorer des MBC.
Meilensteine: Dem Weißenfelser Charles Callison fehlen noch vier Dreier bis 250 und dem Münchener Justinian Jessup noch drei Steals bis 100.
Am Rande der Bande: MBC-Forward RJ Gunn hat sich am vorigen Wochenende gegen Vechta am Finger verletzt. Für ihn rückte Perttu Blomgren am Mittwoch in Ulm in den Zwölferkader nach. Andrew Harrison musste einmal mehr als überzähliger Import-Spieler aussetzen. München spielt seit der Länderspielpause ohne Stefan Jovic und Kamar Baldwin. Am vergangenen Wochenende in Hamburg und am Mittwoch beim EuroLeague-Sieg gegen Fenerbahce fehlte zudem der angeschlagene Vladimir Lucic.
Alte Bekannte: Niels Giffey sowie Weißenfels' Kresimir Nikic und Akeem Vargas trugen schon das Trikot von ALBA BERLIN und spielten phasenweise in einem Team: Giffey war von 2014 bis 2021, Nikic von 2017 bis 2024 und Vargas von 2013 bis 2018 bei den Albatrossen unter Vertrag.
Sonstiges: Svetislav Pesic hat in einem Interview in der ZEIT angekündigt, dass er seinen Trainerjob im Sommer an den Nagel hängen wird. Die Weißenfelser spielen somit am Samstag wohl zum letzten Mal gegen eine vom "Alten" gecoachte Mannschaft. Ob Pesic sich noch an sein letztes Spiel gegen den MBC erinnert? Das war der legendäre Sieg der damals von Predrag Krunic trainierten Wölfe am 6. März 2016 in Leipzig. Es war der bisher einzige MBC-Sieg gegen Pesic. Zuvor hatten die Wölfe alle Spiele gegen die Bayern und auch die gegen die von Pesic zuvor trainierten Berliner (1999/2000) und Kölner (2001/02) verloren. Stefan Koch würdigt die Trainerlegende in der aktuellen Ausgabe seiner Kolummne "Kochs Nachschlag."
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: In der vergangenen Saison spielte Nikita Kharchenkov (19) noch im Pokal, in der Liga und in den Playoffs mit den Bayern gegen den SYNTAINICS MBC. An diesem Wochenende spielt er in Indianapolis beim Final Four der NCAA mit Arizona um den Titel in der US-amerikanischen College-Liga. Zu denjenigen, die ihm dabei aus der Ferne die Daumen drücken, zählt sicher auch Welt- und Europameister Niels Giffey (34), der 2011 und 2014 mit UConn sogar zweimal College-Meister wurde. Aber Moment – sollte Arizona im Finale gegen UConn und Eric Reibe und Dwayne Koroma spielen, wird Niels sicher denen die Daumen drücken – und wir hätten auf jeden Fall schon vorab einen neuen deutschen NCAA-Champion garantiert: German Basketball is mad sexy!
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird Samstag ab 18:15 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Hannes Jakobi.


















