Die besondere Brisanz: Entgegengesetzte Tendenzen in der Liga? Nach vier Niederlagen zum Auftakt der Saison feierten die Basketball Löwen Braunschweig am vergangenen Wochenende mit dem überzeugenden 92:71-Sieg in heimischer Halle gegen die ROSTOCK SEAWOLVES endlich den ersten Sieg. Bleiben die Löwen nun bissig genug, um sich mit einem weiteren Erfolg bei den NINERS Chemnitz vorerst aus dem Tabellenkeller zu befreien? Chemnitz kassierte vergangenes Wochenende in Bamberg beim überraschend hohen 82:96 wettbewerbsübergreifend die bis dahin vierte Niederlage in Folge. Dabei blieb man zudem 14 Punkte unter dem Schnitt von bis dahin 96,0 Zählern - dem höchsten der Liga.
Status Quo: Anders als in der Liga läuft es im internationalen Wettbewerb für die Löwen schon seit Beginn deutlich besser. Im FIBA Europe Cup fuhren sie den dritten Sieg im dritten Spiel ein, zuletzt schlugen sie am Mittwoch mit 88:79 den griechischen Basketballclub PAOK Thessaloniki, der immerhin als Favorit in ihrer Gruppe F gehandelt wurde. Aktuell steht das Team aus Braunschweig so mit drei Siegen aus drei Spielen an der Spitze der Tabelle. Auch die NINERS feierten im deutschen EuroCup-Duell gegen ratiopharm ulm einen 89:78-Sieg und damit ihren zweiten auf europäischer Bühne.
Zahlen, bitte: Aufgrund der 82 erzielten Punkte gegen Bamberg sank der Schnitt der Chemnitzer auf 93,2 Zähler, was immer noch Ligaspitze ist. Auf der anderen Seite gehören die Braunschweiger zu den schwächsten Offensiv-Teams der Liga, konnten ihren Schnitt durch die starke Performance gegen Rostock aber auf 78,6 Zähler steigern (16.). Wichtig wird dabei auch das Rebound-Duell am Korb der Löwen: Braunschweig sammelt mit 22.2 die wenigsten defensiven Abpraller ein, das dürfte gegen Chemnitz nicht leichter werden. Denn die NINERS sind mit 14,2 offensiven Rebounds das stärkste Team der Liga am gegnerischen Brett. Und auch bei den Freiwürfen gibt es für die Gäste Aufholbedarf. Mit 63,0 Prozent von der Freiwurflinie treffen nur die Telekom Baskets Bonn schlechter von dort (51,8 Prozent), während das Team aus Sachsen mit 79,2 die dritthöchste Wurfquote von dort in der Statistik stehen hat.
Am Rande der Bande: Bei Braunschweig war schon gegen Rostock neben Josh Hawley (Wadenverletzung) mit Philipp Hartwich ein weiterer wichtiger Big Man nicht dabei. Der Center hatte sich im Spiel bei KB Trepca (Kosovo) eine Sprunggelenksverletzung zugezogen und wird wohl mehrere Wochen ausfallen. Bei Chemnitz fehlten in Bamberg neben den längerfristigen Ausfällen John Newman, Roman Bedime und Julian Steinfeld noch Kaza Kajami Keane sowie kurzfristig auch Kevin Yebo krankheitsbedingt. Keane und Yebo waren unter der Woche aber bereits wieder im Einsatz. Ty Brewer war zuletzt infolge eines Magen-Darm-Infekts sichtbar geschwächt, aber auch er wirkt erholt, wie sein Dunk gegen Ulm zeigt:
Was die Lokalpresse schreibt: Nach der Niederlagen-Serie von Chemnitz wurde in Rodrigo Pastore sogar der dienstälteste Bundesliga-Trainer angezählt. So fragte die FREIE PRESSE Anfang der Woche: „Ist Pastore noch der richtige Trainer für die NINERS?“ und ging dabei auch auf sein Spielsystem ein. Da herrscht nach ihrer Meinung durchaus anpassungsbedarf, bzgl. der Trainerdiskussion bei den NINERS ist die Antwort allerdings knackig kurz: „Hier ist sie aber absurd.“
Weise Worte: Erleichtert war nach dem Sieg gegen Ulm natürlich auch NINERS-Geschäftsführer Steffen Herhold. Dazu ordnete er die öffentlichen Diskussionen – die sich zuletzt ja auch mit Pastore beschäftigten (siehe „Lokalpresse“) – nach dem Spiel beim mdr beschwichtigend ein: „Wir haben an sich keine Unruhe, auch intern nicht […] aber es gehört halt zum Geschäft dazu.“
Die ewige Bilanz: In der haben die Basketball Löwen die Nase vorn. In zehn Duellen gab es für Chemnitz vier Siege, für Braunschweig sechs. In der vergangenen Saison gingen die Gäste aus beiden Aufeinandertreffen als Sieger vom Parkett (82:74, 95:83).
Duell im Fokus: An Amadou Sow lag es nicht, dass Chemnitz in Bamberg verloren hat. Der athletische Center erzielte mit 23 Punkten und elf Rebounds (Effektivität 28) ein amtliches Double-Double. Viel Arbeit also für Braunschweigs niederländischen Big Man David N'Guessan, der beim Sieg gegen Rostock mit zehn Punkten, vier Rebounds, drei Assists und zwei Steals zuletzt ebenfalls eine starke Allround-Performance abgeliefert hat und am Mittwoch im FIBA Europe Cup mit 17 Punkten Topscorer war.

Im Blick des Bundestrainers: Auf dem Flügel treffen zwei deutsche Spieler aufeinander, die Parallelen aufweisen: Chemnitz' Kostja Mushidi (27 Jahre) und Braunschweigs Joshua Obiesie (25 Jahre) galten zu Nachwuchszeiten als talentierte Spieler mit NBA-Perspektive. Mushidi untermauerte dies mit seiner Station bei der serbischen Talentschmiede Mega Belgrad und einem Auftritt beim Nike Hoop Summit. Beim Hoop Summit spielte 2019 auch Obiesie vor und meldete sich im selben Jahr zum NBA-Draft an. Zwar wurde er nicht gezogen, schnupperte mit einem Engagement in der G-League allerdings ein wenig an der NBA. Auch im DBB-Nachwuchs haben beide ihre Spuren hinterlassen: Mushidi gewann zudem mit der deutschen U18-Auswahl 2016 das Albert-Schweitzer-Turnier – Obiesie tat es ihm zwei Jahre später gleich. Auch Mushidis Erfolg mit der Bronzemedaille bei der U20-EM 2018 wiederholte Obiesie ein Jahr später. Zurück in der Gegenwart wollen beide deutsche Shooting Guards bei einem neuen Klub zeigen, dass sie in der Basketball Bundesliga zu den stärksten deutschen Scorern gehören. Obiesie führt mit 15,0 Zählern die Rangliste er einheimischen Spieler sogar an, Mushidi liegt mit durchschnittlich 5,6 Punkten aktuell weit zurück (37.).
Rekordverdächtig: Der Energie-Spieler Yebo riss im EuroCup gegen Ulm mit 25 Punkten ordentlich ab. Dabei gelang ihm ein Kunststück, welches sogar den ehemaligen Ulmer Kapitän und Nationalspieler Per Günther zum Staunen brachte: Er erzielte - bezogen auf die reine Spielzeit wohlgemerkt - 5 Punkte in zwei Sekunden.
Alte Bekannte: Kostja Mushidi kam nach seiner Zeit in Belgrad über Braunschweig (2019 und 2020) zurück in die Liga, absolvierte dort allerdings nur elf Spiele in zwei Jahren. Danach führte ihn sein Weg über Weißenfels und Göttingen nach Chemnitz. In der Saison 2020 / 2021 stand er bei den Basketball Löwen zudem mit dem jetzigen Neu-Chemitzer Gavin Schilling im Kader. Schilling machte damals alle 34 Saisonspiele für Braunschweig und legte in gut 22 Minuten pro Spiel 11,0 Punkte und 7,5 Rebounds auf. Nach Stationen in München und dem Ausland (u.a. Frankreich, Türkei und Italien) kehrte der Big Man vergangene Saison nach Braunschweig zurück.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: Die Basketball Löwen Braunschweig sehen sich als ein wichtiger Standort zur Entwicklung junger deutscher Spieler. So steht unter anderem auch Benjamin Schröder im Kader, der beim DBB alle Nachwuchsteams von der U16 bis zur U20 durchlaufen hat. Der 22-Jährige läuft aktuell in seiner zweiten Bundesliga-Saison auf und steht dabei im Schnitt gut 16 Minuten auf dem Parkett. Auch der 17-jährige Eliah Braun könnte durch den Ausfall von Hartwich und Hawley in den kommenden Spielen ein paar Minuten auf den großen Positionen bekommen. Erst im letzten Spiel machte er seine ersten Punkte in der easyCredit BBL. Wo das dann hinführen kann, hat zuletzt in Braunschweig Sananda Fru eindrucksvoll gezeigt: Er wurde nach der vergangenen Saison als „Bester Deutscher Nachwuchsspieler“ ausgezeichnet. Nun startet Fru am Wochenende in seine erste College-Saison bei den Louisville Cardinals und steht schon vor dem ersten Sprungball in den Notizbüchern der NBA-Scouts. Aus Braunschweig in die Welt – das hat ja auch ein gewisser Dennis Schröder vorgemacht; mit so viel Talent im eigenen Land, bleibt German Basketball also hierzulande hoffentlich noch eine ganze Weile „mad sexy“.
Fernsehen / Livestream: Die Partie wird am Samstag ab 19:45 Uhr live hier bei Dyn übertragen. Kommentator ist Florian Pertsch. Dyn ist das Zuhause der Basketballfans und überträgt alle Begegnungen der easyCredit BBL, des BBL Pokals, der Toyota Damen Basketball Bundesliga sowie Spiele der Basketball Champions League, der amerikanischen Collegeliga NCAA und der ING 3x3 Tour. Das umfangreiche Basketball Live-Programm wird von redaktionellen Formaten ergänzt, die auf der Dyn-Plattform und im Anschluss über die Social-Media-Kanäle von Dyn frei empfangbar sind. Dyn ist über den Webbrowser, Mobilgeräte, Tablets, Streaming-Sticks und Smart-TV verfügbar. Für Sportfans, von Sportfans. Dyn Basketball. Dein Sender. Dein Sport.



















