Die besondere Brisanz: Im 60. Finale um den BBL Pokal spielen beim BMW TOP FOUR in München wie von vielen erwartet zwei dicke B's gegeneinander. Dass der Rekordpokalsieger ALBA BERLIN dabei nicht auf den Meister und Tabellenführer der easyCredit BBL, den FC Bayern Basketball, trifft, sondern auf die BMA365 Bamberg Baskets, ist allerdings eine dicke Überraschung, die kaum jemand auf dem Zettel hatte (auch unser Experte Stefan Koch in seinem Nachschlag nicht). Können die Favoriten-Killer aus Bamberg auch dem Rekordpokalsieger ein Schnippchen schlagen? Sie haben zur Regeneration knapp drei Stunden mehr Zeit als die Berliner, werden diese aber auch nötig haben, denn sie gewannen ihr Halbfinale erst in der Verlängerung. Drei Leistungsträger (Cobe Williams, Ibi Watson und Demarcus Demonia) standen am Samstag über 35 Minuten auf dem Parkett. Bei den Berlinern konnte Pedro Calles die Minuten besser verteilen. Jack Kayil (27 Minuten) und Norris Agbakoko (26) mussten als einzige Akteure länger als 24 Minuten spielen.

Die ewige Pokal-Bilanz: In der Bundesliga-Historie gab es kein Spiel häufiger als Bamberg - Berlin (123-mal), und auch im Pokal ist das Überraschungsfinale ein Klassiker. Insgesamt gab es schon acht Pokalpartien zwischen den beiden Klubs, wobei es für jede Seite vier Siege gab. Zweimal traf man bereits im Pokalfinale aufeinander, 2006 gewann Berlin, 2019 Bamberg. 2019 machte Nikos Zisis im Pokalfinale die Brose Arena mit einem legendären Dreier 2,4 Sekunden vor Schluss zum Bamberger 83:82-Sieg zum Tollhaus. Ein Jahr später revanchierte sich ALBA auf dem Weg zum Double-Gewinn im Pokal-Halbfinale. In der vergangenen Saison warf Bamberg die Berliner schon im Viertelfinale aus dem Pokal – und nun treffen sich beide im Pokalfinale wieder.
2024: Halbfinale mit 80:67 an Bamberg
2020: Halbfinale mit 82:66 an Berlin
2019: Finale mit 83:82 an Bamberg
2015: Halbfinale mit 86:65 an Bamberg
2014: Halbfinale mit 83:67 an Berlin
2006: Finale mit 85:73 an Berlin
1998: Viertelfinale mit 68:60 an Bamberg
1997: Halbfinale mit 68:64 an Berlin
Status quo Berlin: Die Berliner haben sich im Vorfeld des Pokalwochenendes in der easyCredit BBL auf dem zweiten Platz etabliert und sich in der Champions League für die Playoffs qualifiziert. Auch den Ausfall ihres Spielmachers Martin Hermannsson steckte das Team weg. Dass sich beim entscheidenden Sieg in der Champions League aber vor zwei Wochen auch noch die anderen beiden Point Guards Jack Kayil und Bennet Hundt verletzten, zwang Pedro Calles sogar, den israelisch-spanischen Spielmacher des Kooperationspartners Lok Bernau, Guy Artman, als Aushilfe ins ALBA-Team zu holen. Immerhin wurde Jack Kayil noch gerade rechtzeitig wieder fit und konnte im Halbfinale gegen Oldenburg mit zwölf Punkten und acht Assists gleich wieder eine wichtige Rolle spielen.
Status quo Bamberg: Die Bamberger blieben in den letzten Wochen von solchen Ausfällen verschont, haben aber auch weniger Tiefe im Team, was sicher auch ein Grund dafür ist, dass Anton Gavel seit Saisonbeginn in nun schon 25 Pflichtspielen auf die immer gleiche Startformation (Cobe Williams, Richard Balint, Ibi Watson, Demarcus Demonia und EJ Onu) schwört. Diese Konstanz auch in der Team-Hierarchie zahlt sich aus. Von ihren vergangenen acht Spielen haben die Bamberger mit ihrer starken und eingespielten Offensive sechs gewonnen. Darunter waren zwei Siege gegen Würzburg und zuletzt sogar das Pokal-Halbfinale gegen die übermächtigen Bayern. Jetzt kommt aber der Haken: Die beiden einzigen Niederlagen in dieser Zeitspanne kassierten die Oberfranken gegen ... ALBA BERLIN!

Die Punktspiele: Den 87:82-Sieg (Video) in der Berliner Max-Schmeling-Halle brachte ALBA vor vier Wochen mit 24 Punkten von Martin Hermannsson und 19 von Jack Kayil jedoch erst in einer Verlängerung ins Ziel, nachdem die Bamberger ALBA zuvor mit 25 Punkten von Ibi Watson und 19 von Zach Ensminger immer wieder in Bedrängnis gebracht hatten. Das Rückspiel vor einer Woche in Bamberg stand dann schon im Zeichen der Berliner Spielmacher-Misere. Berlin kam mit Guy Artman als einzigem Point Guard nach Bamberg und lud die Gastgeber mit 13/30 Dreiern zu einem Weitwurfwettbewerb ein. Bamberg ließ sich dazu verleiten, dieses Spiel mitzuspielen und verlor mit 13/39 Dreiern am Ende 92:98 (Video).
Duell im Fokus: In unserer guard-orientierten Liga steht auch das Pokalfinale im Zeichen der Spielmacher. Durch den Ausfall von Martin Hermannsson rückt dabei Jack Kayil extrem in den Fokus. Obwohl er gerade erst 20 geworden ist, kennt die große deutsche Nachwuchshoffnung ähnlich wie Bambergs sechs Jahre älterer Cobe Williams keine Scheu vor großen Momenten. Wenn es um den entscheidenden Wurf in der Crunchtime geht, schlägt die Stunde dieser beiden nervenstarken und abgezockten Guards. Beide mussten aber schon im Halbfinale in ihren Teams die meisten Minuten gehen, weshalb ihre Trainer ihnen für die Verteidigung darauf spezialisierte Mitspieler als Kettenhunde an die Seite stellen. Im Halbfinale spielte Austin Crowley Münchens Andi Obst mürbe - so, wie Jonas Mattisseck es anschließend mit Oldenburgs Chris Clemons tat.

Weitere Schlüsselduelle: Auf dem Flügel kommt es zum Duell der beiden Topscorer des Halbfinales. Ibi Watson netzte gegen die Bayern für seine 24 Punkte 5/9 Dreier ein, und auch Malte Delow schüttelte für seine 21 Punkte stets einen Dreier aus dem Handgelenk, wenn die Oldenburger drohten, noch einmal aufzubegehren. Unter dem Korb muss Norris Agbakoko sich auf EJ Onu einstellen, der – im Gegensatz zum Berliner Center – zuweilen auch den Dreier trifft, zugleich aber auch der beste Shotblocker der easyCredit BBL ist.
Wer wird MVP? Die traditionelle Auszeichnung des MVPs bei jedem TOP FOUR geht gewöhnlich an einen Spieler aus dem Siegerteam. Grundlage für die Wahl des Expertengremiums ist aber die Leistung im gesamten Turnier, womit sich am Samstag im Halbfinale schon einmal Cobe Williams (22 Punkte und zehn Assists) und Ibi Watson (24 Punkte, sechs Rebounds und sieben Assists) auf Bamberger Seite sowie bei den Berlinern Norris Agbakoko (16 Punkte und zehn Rebounds) und Malte Delow (21 Punkte und nur wenige Fehler) ins Gespräch gebracht haben.
Die Trainer: Anton Gavel wurde als Spieler dreimal mit Bamberg und einmal mit München Deutscher Pokalsieger. Als Trainer steht er in der Bundesliga erst seit 2022 an der Seitenlinie, gewann aber gleich in seiner Debütsaison mit Ulm die Meisterschaft. Mit Ulm erreichte er 2024 das Pokalfinale , mit Bamberg erreichte er 2025 das Pokalfinale - wird er in diesem Jahr nun Pokalsieger? Pedro Calles, der 2012 von den Artland Dragons als junger Athletiktrainer nach Deutschland geholt wurde, steht nach 2023 (mit Oldenburg) zum zweiten Mal im Pokalfinale und könnte nach Coach Aito, Israel Gonzales und Pablo Laso schon der vierte spanische Trainer werden, der den deutschen Pokal gewinnt.
Zahlen, bitte: Bamberg hat bekanntermaßen den kleinsten geplanten Spieleretat der 18 BBL-Klubs – im Halbfinale wurde mit den Bayern der Ligakrösus besiegt und im Finale geht es nun gegen Berlin, den Klub mit dem zweithöchsten Budget. Das wäre für die Franken quasi der schwerstmögliche Weg zum Pokaltriumph, aber es steht ja Anton Gavel an der Seitenlinie, dem 2023 bereits ähnlich Verwegenes gelang. Damals wurde er mit Ulm als Tabellensiebter sensationell Deutscher Meister und besiegte dabei mit Berlin (amtierender Meister), München (amtierender Pokalsieger) und Bonn (amtierender Europapokalsieger) die Teams auf den ersten drei Plätzen der Hauptrunde.
Aber auch die Albatrosse könnten mit einem Sieg im Pokalfinale etwas Besonderes schaffen, nämlich zum fünften Mal einen Titel beim großen Rivalen in München zu feiern (2016 Pokalsieger gegen München, 2020 Deutscher Meister beim Final-Turnier gegen Ludwigsburg, 2021 und 2022 Deutscher Meister in der Finalserie gegen Bayern), diesmal allerdings zum ersten Mal im SAP Garden.
Rekordverdächtig: Berlin, das als Rekordpokalsieger zwischen 1997 und 2022 schon elf Trophäen eingeheimst hat, würde mit einem Finalsieg das Dutzend vollmachen und Leverkusen (zehn Pokaltitel) weiter enteilen. Auf dem dritten Platz in der Ehrenliste der Deutschen Pokalsieger folgt schon Bamberg mit bisher sechs Trophäen. Werden daraus am Sonntag sieben?
Im Blick des Bundestrainers: Die Bamberger könnten nach einem Pokalsieg in der Länderspielpause ausgiebig feiern. Bei zumindest vier Berlinern geht es gleich weiter, denn Alex Mumbru hat Norris Agbakoko, Malte Delow, Jack Kayil und Jonas Mattisseck für die Länderspiele der WM-Qualifikation am kommenden Wochenende gegen Kroatien in Zagreb und in Bonn nominiert.
Ganz alte Bekannte: Wechsel zwischen Berlin und Bamberg waren nicht immer gerne gesehen, aber kamen doch recht häufig vor, deshalb hier einmal eine Auflistung von Spielern, die seit der Jahrtausendwende beide Trikots trugen – Spoiler: ziemlich viele BBL-Legenden dabei. Zum einen trugen die Nationalspieler Maodo Lo, Johannes Thiemann, Louis Olinde, Bennet Hundt, Steffen Hamann, Sven Schultze, Demond Greene, Ademola Okulaja, Mithat Demirel, Lucca Staiger, Yassin Idbihi und Kenny Ogbe sowohl das Berliner als auch das Bamberger Trikot, ebenso die ausländischen Profis Casey Jacobsen, Derrick Phelps, DeJuan Collins, Julius Jenkins, Sharrod Ford, Alex Renfroe, Leon Radosevic, William McDowell-White und Bryce Taylor. Die BBL-Veteranen Filip Stanic, Nelson Weidemann und Kevin Wohlrath spielten in der Jugend für ALBA und später als Profis für Bamberg.
In Europa und weltweit – German Basketball is mad sexy: 17 Meisterschaften seit 2000, dazu 14 Pokalsiege, macht 31 Trophäen von 50, oder 62 Prozent aller verfügbaren Titel in Deutschland, die seit dem Jahr 2000 an Berlin oder Bamberg gingen. Schon ziemlich sexy.
Nicht Rekordverdächtig: Die 20 Punkte von Bamberg in der Overtime gegen München waren anschließend als außergewöhnlich herausgestellt worden, allerdings war das erst anderthalb Wochen davor auch Trier in Frankfurt gelungen, allerdings war das nur ein normales Ligaspiel und kein Halbfinale im Do-or-die-Modus.
Fernsehen / Livestream: Das Finale wird Sonntag ab 16.00 Uhr live hier bei Dyn übertragen, wobei das gesamte BMW TOP FOUR von Dyn mit insgesamt 17 eingesetzten Kameras am Spielfeld und Backstage so hautnah wie noch nie zuvor im deutschen Basketball als unvergessliches Live-Erlebnis in einzigartiger Qualität zu den Fans nach Hause auf den Bildschirm transportiert wird. Kommentator der Partie ist Michael Körner, es moderiert Anett Sattler. Als Experte ist Patrick Femerling am Mikro. Zusätzlich gibt es alle drei Pokal-Partien in Übertragungen vom Bayerischen Rundfunk (erstes Halbfinale und Finale) und vom RBB (zweites Halbfinale) live und free hier im Livestream bei Sportschau.de.



















